Kurzroman

Kapitel 2


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Vergangenheit
Nach der obligatorischen Schulzeit beschloss Amélie eine Lehre als Floristin in Angriff zu nehmen. Sie fand in der Nähe ihres Wohnortes eine geeignete Lehrstelle. Amélie liebt es mit Blumen zu arbeiten und sie blüht in ihrem Beruf regelrecht auf. Léon erging es mit der Lehrstellensuche nicht so einfach. Er hatte gute Noten in Schule und sein Klassenlehrer hätte es sehr gerne gesehen, wenn sich Leon für ein Studium entschieden hätte. Für Leon kam das nicht in Frage. Er wollte so schnell als möglich finanziell unabhängig sein und entschied sich, nach längerer Suche, für eine Lehrstelle als Polygraf in einer kleinen Werbeagentur.

Die Lehrzeit verging schnell und unspektakulär. Noch immer wohnten sie bei ihren jeweiligen Eltern. Sie sahen sich aber so oft wie nur möglich und machten Pläne für die Zukunft. Sie wollten zusammen die Welt bereisen, zusammen in eine Wohnung ziehen und und und. Sie hatten so viel vor und nur einen Bruchteil von all dessen konnten sie dann schlussendlich umsetzen. Ihre gemeinsame Zeit hatte ein Verfallsdatum, von dem sie nichts wussten.

Mit zwanzig zogen sie zusammen. Sie fanden in Zürich eine sehr kleine, dafür bezahlbare Wohnung. Das Quartier war ruhig und trotzdem zentral gelegen. Zum See hatten sie zu Fuss lediglich 10 Minuten zurück zu legen. Sie liebten das Flair dieser Stadt. Für Amélie und Leon ging mit dem Zusammenzug ein Traum in Erfüllung. Es stimmte einfach alles und sie waren glücklich. Leon fand einen gut bezahlten, anspruchsvollen und interessanten Job als Polygraf in einer grossen Werbeagentur. Amélie arbeitete noch eine Weile in ihrem Lehrbetrieb, bis sie eine besser bezahlte Stelle als Floristin in Zürich fand. Sie war dort zusätzlich für die Administration zuständig. Die Abwechslung mit den Büroarbeiten gefiel ihr ausserordentlich gut. Sie hätte sich gerne als selbständige Floristin gesehen, aber leider fehlte ihr das notwendige Kleingeld für diesen Schritt. Ihre Eltern wollten oder konnten ihr da leider auch nicht weiter helfen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Die Freizeit verbrachten Amélie und Leon meist zusammen. Sie erkundeten Zürich mit seinen lauschigen Plätzen. Stéphanie, Amélies beste Freundin, zog zum Glück auch nach Zürich. Sie war schon immer neben Leon ihr Anker in ihrem Leben.

Leon war schon lange nicht mehr der schlaksige und dürre Junge. Er machte regelmässig Sport und wurde mit seinen blonden und meist wirren Haaren zu einem regelrechten Frauenschwarm. Er bemerkte die anzüglichen Blicke der Frauen meist nicht. Für ihn gab es nur Amélie. Diese mauserte sich zu einer attraktiven jungen Frau, die mit ihrem Babyspeck nicht mehr zu kämpfen hatte.

Amélie schmiedete immer wieder Pläne für das Bereisen der Welt. Zuerst stand bei ihr Kanada und USA auf der Liste, dicht gefolgt von Australien und Neuseeland. Aber alles zu seiner Zeit. Leon wollte sich zuerst im Job etablieren, bevor er sich eine längere Auszeit zum Reisen gönnt. „Wir sind noch so jung und haben noch so lange Zeit, um die Welt zu sehen. Kanada gibt es auch in zwei oder drei Jahren noch“, waren seine Worte zu diesem Thema.

Amélie bricht jedes Mal das Herz, wenn sie sich daran zurück erinnert. In einem hatte Leon recht: Kanada gibt es immer noch. Was er nicht bedachte: Es gibt keinen Leon mehr.

Der passende Song zu diesem Kapitel.

 

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