Allgemeines, Fortsetzung folgt

Kapitel 3


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Vergangenheit

Das Leben von Amélie und Leon hätte einfach so weiter gehen können. Das Schicksal hatte etwas anderes mit den beiden vor. Der Tod kam schleichend und unaufhaltsam. Geraume Zeit litt Leon an sehr starken Kopfschmerzen. Immer wieder überfielen sie ihn und liessen ihn leiden. Eines Abends hatte er das Gefühl, sein Schädel explodiere in den nächsten Sekunden. Er wollte sich im Badezimmer Schmerztabletten holen. Amélie fand ihn ein paar Minuten später ohnmächtig auf dem Boden liegend vor, den Kopf blutig aufgeschlagen. Dieser Anblick wird sie ihr Leben lang begleiten und ihn nie vergessen. Sie wählte umgehend die Notfallnummer. Die Ambulanz traf innerhalb von 15 Minuten ein. Leon kam im Krankenwagen wieder zu sich, was Amélie, die ihn begleiten durfte, mehr als freute. Ihr ganzen Leben wurde von einem Augenblick auf den anderen auf den Kopf gestellt und ihr ganzes Dasein wurde auf eine harte Probe gestellt.

Im Spital wurden bei Leon einige Untersuchungen und Tests gemacht. Die Diagnose, die darauf folgte, war niederschmetternd. Leon litt an einem bösartigen und schnell wachsenden Hirntumor, der bereits einige Metastasen gebildet hatte. Die Chance auf eine erfolgreiche Operation war gleich Null. Die einzige Hoffnung war eine Chemotherapie. Aber die Ärzte hatten bei dieser Behandlungsmethoden ihre Bedenken. Die Aussicht auf Heilung war sehr düster. Amélie und Leon konnten es nicht fassen. Das Schlimmste, das sich beide nur vorstellen konnten, war eingetroffen – sie durften nicht länger zusammen ihren Weg gehen.

Die Verzweiflung beider war epischen Ausmasses. Warum nur? Warum Leon? Er war ein vitaler junger Mann, der in der Vergangenheit selten krank war. Wie konnte dies bloss geschehen? Amélie erlebte die Zeit des unausweichlichen Abschiedes in einer Art Trancezustand. Sie ging zur Arbeit und besuchte so oft wie möglich Leon im Krankenhaus. An Schlaf war kaum mehr zu denken. Sie lebte nur noch für Leon und wollte jede freie Minute bei ihm sein.

Die Chemotherapie schlug wie erwartet nicht an und die Ärzte gaben Leon noch einige Wochen zu leben. Er wurde nach Hause entlassen, wo er sich im Schosse von Amélies Obhut auf sein Ende vorbereiten durfte. Es ging alles sehr schnell. Nach nur zwei Monaten Leidenszeit war es vorbei. Er musste glücklicherweise nicht lange die Schmerzen ertragen. Das war der einzige Trost. Als der Tag X kam und Leon seine Augen für immer schloss, brach für Amélie eine Welt zusammen. Nichts war mehr so, wie es einmal war. Amélie und Leon. Leon und Amélie. Das gab es nicht mehr und wird es nie mehr geben.

Sie war verzweifelt, haderte mit Gott und der Welt. Verfluchte manchmal Leon, der sie einfach im Stich liess. Sie einfach verliess. Sie einfach ihrem Schicksal überliess. Jeden verdammten Tag vermisste sie ihn. Ihre leere Wohnung war nicht mehr ihr Zuhause. Amélie fühlte sich einsam und verlassen. Den Schmerz jeden Tag ohne Leon leben zu müssen, brachte sie beinahe um den Verstand. Es gab Zeiten, in denen sie am liebsten zu ihm gegangen wäre. Sie wollte aufgeben. Sie wollte ohne die Liebe ihres Lebens nicht mehr weiter existieren. Wäre in dieser Zeit ihre beste Freundin Stéphanie nicht an ihrer Seite gewesen, würde Amélie heute wahrscheinlich nicht mehr leben. Stéphanie versuchte alles, um den Lebenswillen von Amélie aufrecht zu erhalten. Sie kümmerte sich liebevoll um Amélie und gab ihr die Zeit und die Kraft, die Trauer um Leon zu verarbeiten. Diese Unterstützung  braucht Amélie noch heute – zwei Jahre, drei Monate und achtzehn Tage nach Leons Tod.

Gegenwart

Genau Stéphanie! Sie muss heute warten, weil sich Amélie wieder einmal in der Vergangenheit aufhält. An Amélie nagt das schlechte Gewissen. Sie stürmt noch energischer durch die Strassen von Zürich, bis sie endlich beim gemütlichen „The Pub“, der Stammkneipe von Amélie und Stéphanie, ankommt.

Der passende Song zu diesem Kapitel.

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