Allgemeines, Kurzgeschichte

Kapitel 8


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Als Stéphanie die Türe hinter sich schliesst, fällt Amélie in sich zusammen. Sie setzt sich auf die Couch und starrt die Umzugskisten, die Leons Sachen beinhalten an. Leere und eine noch nie dagewesene Kälte breitet sich in Amélies Brust aus. Sie ist wütend und möchte schreien. Ihre Kehle ist wie zugeschnürt.
Wie konnten sie ihr das bloss antun. Ihr Seelenverwandter, ihr Freund, ihr Vertrauter und ihre beste Freundin seit Gedenken. Wieso hat sie nichts bemerkt? War sie so blind oder wusste sie es und wollte es einfach nicht wahrhaben? Tausend Gedanken schwirren Amélie durch den Kopf. Jedes Fitzelchen eines Anzeichens dieses unglaublich schmerzhaften Betrugs ihrer zwei wichtigsten Personen im Leben lässt sie Revue passieren. Nichts. Keine Blicke haben die zwei in ihrer Gegenwart länger als nötig miteinander ausgetauscht, keine unnötigen Berührungen, keine versteckten Hinweise kann Amélie ausmachen. Leon und Stéphanie. Ein Gedanke, der Amélie vor Enttäuschung und unsäglicher Wut erzittern lässt.

Die angefangene Flasche Rotwein steht vor ihr auf dem Clubtisch. Sie nimmt die Flasche in die Hand und hätte diese am liebsten an die nächste Wand geschmettert. Sie braucht ein Ventil, sonst platzt sie. Sie geht in ihr Schlafzimmer. Leons Kleider sind noch im Schrank, bereit zum Einpacken. Der Brief liegt am Boden. Amélie trinkt einen grossen Schluck Wein direkt aus der Flasche und geht auf den Brief zu. Ihr kommt es vor, als lache dieser sie höhnisch aus. Sie nimmt noch einen grossen Schluck Wein, greift nach dem Brief und legt ihn in die Schublade ihres Nachttischs. Sie will diesen Brief behalten. Als Erinnerung und Warnung, dass sie keiner Menschenseele mehr vertrauen darf.

Sie geht zurück ins Wohnzimmer, immer noch direkt aus der Flasche trinkend. Der Wein beruhigt ihre Nerven und sie spürt den Alkohol, der durch ihre Adern fliesst. Sie ist keine grosse Trinkerin. Jetzt aber dürstet ihr nach mehr. Nach mehr Betäubung. Im Wohnzimmerschrank steht eine Flasche Gin. Ein Relikt aus vergangenen Tagen, als Amélie und Leon sich ab und zu einen Gin Tonic nach Feierabend gegönnt haben. Die Flasche ist halb voll. Sie stellt die mittlerweile leere Flasche Wein auf den Boden, greift nach dem Gin und setzt sich die Flasche an den Mund. Der Gin brennt ihr in der Kehle und sie fühlt die Wärme, die sich in ihr ausbreitet. Mit der Flasche in der Hand macht es sich Amélie wieder auf der Couch gemütlich. Immer wieder nimmt sie einen Schluck aus der Flasche, bis diese leer ist. Amélie sieht alles nur noch durch einen Schleier. Die Wohnung dreht sich um sie herum. Sie mag das Gefühl. Sie fühlt sich schwerelos. Ihre Gedanken schleppen sich langsam durch ihr Gehirn. Sie kann sie nicht mehr fassen und lässt sie weiterziehen. Langsam driftet sie weg in einen unruhigen Schlaf.

Mitten in der Nacht erwacht Amélie mit einem pochenden Kopf und einer Zunge, die mehr an Watte erinnert als an ein Sinnesorgan. Schwankend steht sie auf und geht zur Toilette. In ihrem Magen rumort es gewaltig und sie muss sich übergeben. Als sie nichts mehr weiter als Galle spuckt, lehnt sie sich an die Badewanne. Ihr Gesicht ist tränenüberströmt und sie fühlt sich, als wäre eine Horde Wildschweine über sie hinweggefegt. Langsam steht sie auf, wäscht sich ihr Gesicht und putzt ihre Zähne. Erschöpft lässt sie sich ins Bett fallen. Ans Schlafen ist nicht zu denken. Der Alkohol ist zwar noch in ihrem Körper anwesend, aber er betäubt sie nicht mehr. So prasseln alle Erinnerungen an die Vorkommnisse des vergangenen Tages ungefiltert auf sie ein. Grenzenlose Wut strömt durch Amélis Körper. „Du Drecksau! Du Hurenbock!“, schreit Amélie durchs Zimmer in die Dunkelheit. „Wieso Leon? Wieso? Verdammte Scheisse! Wieso?“

Amélie steht wieder auf, macht das Licht an und geht rastlos im Zimmer auf und ab. Ihr Kopf schmerzt noch immer, das nimmt sie jedoch nur am Rande war. Ihre körperlichen Schmerzen werden durch die innere Wut und das Feuer, das in ihr brennt, überdeckt. Sie beginnt wie von Sinnen sämtliche Habseligkeiten von Leon in die Kisten zu packen. Als sie alles weggeräumt hat, fühlt sie sich frei und wohl. Am liebsten hätte sie die Kisten nun genommen, mit Benzin übergossen und angezündet.

Sie legt sich wieder in ihr Bett und denkt nach. Was soll sie jetzt tun? Soll sie das Leben jetzt einfach weiterleben als wäre nichts geschehen? Als wäre sie nicht auf grausamen Art und Weise betrogen worden von den liebsten Menschen in ihrem Leben? Kann sie das? Will sie das?

Amélie starrt an die Decke und fasst einen tiefgreifenden Entschluss, der ihr Leben komplett verändern soll. Sie ist bereit. Sie muss es einfach tun.

Der passende Song zu diesem Kapitel:

So. Das war vorläufig das letzte Kapitel, das ich auf diese Art veröffentlicht habe. Ich werde aber weiterhin an der Geschichte arbeiten und weiter schreiben. Vielleicht erscheint die ganze Geschichte ja noch dieses Jahr als Buch. Lasst euch überraschen.

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