Allgemeines, Kurzroman

One-Night-Stand (Part 9 / Monika)


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Ausgelaugt und emotional müde kommt Monika in ihrer Wohnung an. Der Tag hatte es in sich: Zuerst das nervlich aufreibende Wiedersehen mit Michael, das Kennenlernen ihrer Mitarbeitenden und natürlich wieder Michael. Das Mittagessen war für Monika die reinste Tortur. Die Unterhaltung mit ihrem Vorgesetzten und mit Michael war schleppend und kam immer wieder ins Stocken. Sie haben sich nicht viel zu sagen, soviel steht fest. Dazu kam die greifbare, sexuell angespannte Energie zwischen ihr und Michael. Sie hatte das Gefühl, innerlich zu verbrennen. Ihr Körper lechzt nach seinem. Die zufälligen Berührungen liessen sie immer wieder erschauern. Es war einfach zu viel. Zu viel Nähe. Zu viel Vertrautheit, die eigentlich nicht da sein sollte.

Monika seufzt. Sie legt ihre Post auf den Esstisch. Die Erleuchtung erhielt sie, als sie realisierte, wie Michel mit dem Kellner umging. Er benahm sich arrogant und behandelte ihn von oben herab. Als sei dieser eine Person zweiter Klasse. Das stiess Monika sauer auf. Es irritierte sie. Sie merkt, dass sie Michael bis dato gar nicht kannte. Sie weiss, wie er sich anfühlt, aber mehr nicht. Monika schluckt hart. Will sie wirklich näher wissen, was sich hinter dieser schönen Fassade befindet?

Der Kellner machte nicht nur seinen Job sehr gut, er war zuvorkommend, freundlich und er hatte… eine sexy Ausstrahlung. Monika muss lächeln. Ja. Der Kellner ist definitiv etwas fürs Auge. Er hat einen südländischen Einschlag. Wahrscheinlich ist er Italiener, sinniert sie weiter. Allerdings muss er in der Schweiz aufgewachsen sein, denn sein Schweizerdeutsch war ohne jeglichen Akzent. Und diese Augen! Braun. Ein dunkles und sattes Braun. Passend zu seinen schwarzen Haaren. Ihre Hormone drehen durch. Was ist bloss los mit ihr?

Monika schreckt auf, als ihr Handy klingelt. Sie muss unbedingt den Klingelton ändern. Jedes Mal stirbt sie tausend Tode, wenn das Intro des Muse Songs „Supermassive Black Hole“ startet. Sie schaut auf das Display. Nicole ruft an. Sie freut sich darüber. Nicole schafft es immer wieder, sie aus dem Grübeln zu befreien und sie wieder ins Hier und Jetzt zurückzuholen.

„Hi Nicole“, begrüsst Monika ihre Freundin.
„Hi, mein Karrierenmädchen! Gut gestartet?“
„Ja. Eigentlich schon.“
„Das hört sich nicht gerade begeistert an. Stimmt was nicht?“

Monika hat Nicole nichts über ihren One-Night-Stand erzählt. Sie schämt sich für diese Nacht. Wieso kann sie nicht sagen. Schliesslich ist Nicole die letzte Person, die sie für ein wenig Spass verurteilen würde. Monika atmet tief ein und aus und beginnt Nicole die Geschichte des One-Night-Stands mit Michael zu erzählen. Nichts lässt sie aus. Es tut ihr gut, mit ihrer besten Freundin darüber zu sprechen.

„Wow! Heilige Scheisse! Das nenne ich mal eine gute Story. Du könntest diese glatt als Kurzgeschichte veröffentlichen“, gluckst Nicole ins Telefon, als Monika die Geschichte beendet hat. „Und jetzt? Was tust du? Schnappst du ihn dir? So, wie du ihn beschreibst, muss er ja ein richtiges Sahneschnittchen sein. Und erst noch ein Hengst im Bett.“
„Nicole!“ schreit Monika ins Telefon und die Schamröte steigt ihr ins Gesicht. „Hör auf so vulgär zu reden!“ Nicole lacht am andere Ende.
„Du und deine Prüderie. Ich hatte schon die Hoffnung, er hätte dir diese aus deinem Hirn gevögelt“.

„Nicole! Es reicht! Dir erzähle ich nie wieder so etwas Delikates“, versucht Monika streng zu erwidern. Das Lachen kann sie allerdings nicht ganz unterdrücken. Das liebt sie so an Nicole. Ihre Direktheit und ihr loses Mundwerk, das sie allerdings auch schon in die Bredouille gebracht hat. Nicoles letzte Partnerschaft ging in Brüche, da ihr sogenannter Freund, nicht damit klar kam und sie deswegen schlug. Er fühlte sich von ihr verbal angegriffen. Monika weiss, dass Nicole auch deswegen immer wieder Sprüche klopft, um ihre tiefen seelischen Wunden zu lecken, die dieser Bastard ihr zugefügt hatte. Seitdem blockt Nicole sämtliche emotionalen Bindungen zu einem Mann ab und hüpft ungezwungen durch so manches Bett. Monika weiss, dass sie ihr deswegen keine Vorhaltungen machen darf und ist ihr einfach eine gute Freundin, die ihr zuhört und zu ihr hält.

„Weisst du was? Komm wir gehen aus. Ich habe gehört, dass es in der „Wunderbar“ Männer gibt, die gut zu vögeln sind. Und ich meine schon „vögeln“ klein geschrieben….“ Obwohl Monika Nicole nicht sehen kann, sieht sie Nicole vor sich mit ihrem breitesten Grinsen. Monika lacht. „Okay. Sehen wir uns in 30 Minuten in der „Wunderbar“. Bis dann!“

„Wunderbar!“, lacht Nicole.

Passend zur Freundschaft von Monika und Nicole:

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