Allgemeines, Kurzroman

One-Night-Stand (Part 10 / Monika)


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Pünktlich dreissig Minuten nach dem Telefonat mit Nicole betritt Monika die gut besuchte „Wunderbar“. Es dämmert draussen und der Sonnenuntergang taucht die Strassen und Dächer in ein wunderschönes Licht. Selbstverständlich ist Nicole wieder mal weit und breit nicht zu sehen. Monika schaut sich nach einem freien Platz um. Ihr Blick bleibt an einem bekannten und sehr attraktiven Gesicht hängen: Der Kellner vom Italiener von heute Nachmittag. Was für einen Zufall. Monika starrt ihn an. Als würde er es bemerken, schaut er von seinem Smartphone auf, blick direkt in Monikas Augen. Ein lächeln stiehlt sich auf sein Gesicht. Er erhebt sich geschmeidig und kommt auf Monika zu, ohne sie aus den Augen zu lassen. Als er vor ihr steht, erwacht sie aus ihrer Trance und ihr Puls beginnt zu rasen.

„Oh. Hallo“, stammelt Monika verlegen und könnte sich gleichzeitig ohrfeigen. Was ist bloss aus der selbstbewussten Frau geworden? Irgendwo versteckt sich diese hinter dem 16-jährigen Teenagermädchen. „Hi. Was für einen Zufall. Du warst doch heute im La Dolce Vita, nicht?“ fragt sie der Kellner mit samtig weicher Stimme, die sich in Monikas Gehörgang wie flüssiger Honig verteilt. „Mh. Ja. Dort war ich“, erwidert Monika nach einem Räuspern wieder ganz gefasst zu ihm. „Schön dich wieder zu sehen.“ Das Hunderttausend-Watt-Lächeln, welches ihr der Kellner schenkt, lässt Monika alles andere als kalt. „Bist du alleine hier oder bist du mit jemandem verabredet?“ fragt er sie. „Ich bin mit meiner Freundin Nicole verabredet. Aber wie es scheint, verspätet sie sich mal wieder.“ „Dann geht es dir ähnlich wie mir. Nur, dass ich von meinem Kumpel ganz versetzt wurde. Wenn du möchtest, leiste ich dir gerne Gesellschaft bis deine Freundin kommt. Bei mir am Tisch ist noch ein Platz frei.“ Sagt’s, nimmt Monika bei der Hand und führt sie zum Tisch.

Die Berührung löst bei Monika prickelnde Gänsehaut aus. Seine Hände sind schlank, kräftig und warm. Monika liebt das Gefühl von ihm berührt zu werden. Er lässt sie auf die Bank sitzen, damit sie die Bar besser im Überblick hat. Er selber setzt sich ihr gegenüber auf den Stuhl. Er dreht sich um und winkt eine Serviertochter zu sich.
„Was möchtest du gerne tinken?“
„Ich nehme ein Glas Pino grigio, bitte.“
„Ich bin noch bedient, danke.“
Die Kellnerin geht zur Bar und gibt die Bestellung auf und kommt nach einer halben Minute wieder zurück an den Tisch und stellt Monika das gewünschte Glas Wein hin.

Peinliches Schweigen herrscht zwischen Monika und dem Kellner. Im Hintergrund läuft „Wild Horses“ von den Stones. Er mustert sie mit seinen dunklen Augen eingehend und Monika weiss nicht wohin sie mit ihren Händen, geschweige denn, was sie ihm sagen soll. „Ich bin übrigens Dario“, bricht er das Schweigen. „Freut mich, Dario. Ich bin Monika.“ Er lächelt sie an und Monika vergisst fast zu atmen. „Hat das La Dolce Vita heute Abend geschlossen oder hast du einfach so frei?“ „Ich habe nur heute Nachmittag ausgeholfen. Das Restaurant gehört meinem Onkel und ein Mitarbeiter hat sich heute krank gemeldet. Da ich Ferien und nichts weiter geplant habe, sprang ich ein. Heute Abend hat dann meine Cousine die Schicht aufgebrummt bekommen.“ Er lacht. „Sie war nicht gerade glücklich darüber. Aber da muss sie durch.“

Monika hört ihm gerne beim Sprechen zu. Von ihr aus hätte er noch weitere Ausführungen machen können. Diese Stimme reisst sie in ihren Bann. Das sympathische und schalkhafte Lächeln dieses Mannes bringt Monikas Herzschlag aus dem Rhythmus. Insgeheim hofft sie, dass Nicole sie versetzt und schämt sich gleichzeitig über solche Gedanken. „Und was arbeitest du dann, wenn du nicht gerade kellnerst oder Urlaub hast?“ fragt sie ihn weiter. „Ich arbeite als Berufsschullehrer und unterrichte Italienisch und Informatik. Als was arbeitest du bei All Insurance? Also ich gehe mal davon aus, dass du dort arbeitest. Der Tisch war auf diese Firma reserviert.“ Und wieder dieses unverschämt heisse Lächeln. In ihrem Kopfkino fächelt sich Monika theatralisch Luft zu. Er hat sich tatsächlich gemerkt oder nachgeschaut, wo sie arbeitet. Schön.
„Ja. Heute hatte ich meinen ersten Arbeitstag bei All Insurance. Ich bin dort Abteilungsleiterin des Innendienstes für eine bestimmte Region. Nichts Spezielles.“
„Sag das doch nicht. Jeder Job ist speziell, solange man ihn gerne ausführt. Ich liebe meine Arbeit und das Unterrichten macht mir grossen Spass. Auch wenn es mit den Jugendlichen nicht immer so einfach ist. Aber diese Herausforderung macht die Arbeit auch immer wieder spannend.“ Ein glückliches Lächeln, das bis zu seinen Augen reicht, breitet sich auf seinem Gesicht aus. Monika kann sich an ihm nicht satt sehen. Bereits im Restaurant hatte er diese magische Wirkung auf sie. Die Nähe macht Monika nervös. Sie bemerkt nicht einmal, dass Michael, dem es in seiner Wohnung doch noch zu eng wurde, die Wunderbar betritt und auf ihren Tisch zusteuert. Sein Gesicht ist wutverzerrt.

„Wie ich sehe bist du wieder auf der Jagd nach Frischfleisch. Dass du dich mit einem Kellner abgibst, ist doch unter deinem Niveau. Eigentlich solltest du ja noch vom letzten wilden Ritt auf mir noch Wund zwischen deinen Beinen sein.“

Einfach wunderbar 🙂

 

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