Kolumne

Pfuus guet, chlini Stadt


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Kolumne in der Aargauer Zeitung vom 6. Dezember 2016

Wenn mich heute der Samichlaus nach einem Versli fragt, werde ich den Refrain des Liedes «Blos en chlini Stadt» von Dieter Wiesmann, ein Schweizer Liedermacher aus Schaffhausen, welcher im September 2015 verstorben ist, vortragen:

«Blos e chlini Stadt
mit börgerliche Wänd,
blos e chiini Stadt, wo ein de ander kennt.
ond wenn au ofem Globus
nienetwo din Name stoot,
besch du doch en Ort,
wo sich’s guet läbe loot.»

Es ist zwar kein klassisches Samichlausversli aber dieser Refrain kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich durch Lenzburg spaziere. Ein Zuckerschlecken ist dies nicht, denn dieser Ohrwurm bringe ich dann kaum mehr aus dem Kopf… Es wird Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, heute wahrscheinlich den ganzen Tag ähnlich gehen. Bitte, gern geschehen.

Obwohl Dieter Wiesmann dieses Lied über Schaffhausen geschrieben hat, kann man es eins zu eins auf Lenzburg adaptieren. Anstelle des Munots können wir uns einfach das Schloss Lenzburg denken, der Rhein ist unser Aabach, und das Schwabentor in der Schaffhauser Altstadt mit dem altbekannten Spruch «Lappi tue d’Auge uf» könnte unser «Durchbruch» sein.

Ja, Lenzburg ist bloss eine kleine Stadt. Aber eine Stadt, die wächst. Wo man hinschaut stehen Kräne, es werden Aushubkrater gebuddelt und Strassen, welche eben erst saniert und mit neuem Belag versehen worden sind, wieder aufgerissen. Trotz dem Boom, der in Lenzburg seit Jahren herrscht, ist Lenzburg eine Stadt, ein Kleinod, in dem es sich heute und hoffentlich auch in Zukunft überdurchschnittlich gut leben lässt.

Was würde denn der Samichlaus zu Lenzburg sagen? Es gäbe wahrscheinlich ein paar Seitenhiebe zu den Leerständen in der Rathausgasse, ein paar Sticheleien zum Brunnen auf dem Markus-Roth-Platz, ein paar Anspielungen auf den Bahnhofplatz und ein paar spitze Bemerkungen über das Verkehrschaos rund um und in Lenzburg. Er wäre aber wahrscheinlich im Grossen und Ganzen zufrieden mit der Stadt.

Vielleicht sollte der eine oder andere Eigentümer in der Rathausgasse, welcher mit den Leerständen zu kämpfen hat, direkt auf den Samichlaus zugehen. Es ist doch unattraktiv, abgeschieden im Wald oder am Nordpol zu leben. Ein zentral gelegenes Ladenlokal mit einer guten Anbindung an den öffentlichen Verkehr wäre doch ideal für den alten Mann. Seinen Esel könnte er auf der Rathausgasse halten. Damit wäre die Rathausgasse um eine Attraktion reicher, und der Schmutzli würde sicherlich – bei den vielen Wohnungen, die gebaut werden – eine passende Unterkunft finden. Gleichzeitig wäre damit ein weiterer Leerstand gefüllt.

Was wohl die Antwort des Samichlaus› auf diese Idee wäre? – «Pfuus guet, chlini Stadt!»

PS: Wer das Lied von Dieter Wiesmann nicht kennt und einen Ohrwurm haben möchte, kann es sich auf YouTube anhören (Link: https://youtu.be/4UkLCSdz34k).

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