Fotomarathon Zürich, 4. März 2017

Am Samstag, 4. März 2017, nahm ich das erste Mal an einem Fotomarathon teil. Durch einen Twitterer wurde ich auf diesen Anlass aufmerksam gemacht, und ich habe mich nach langem hin und her dazu entschieden, einfach mal mitzumachen. Wie der Fotomarathon funktioniert und weitere Details findest du hier.

Bisher habe ich die Fotos immer mit meinem iPhone geschossen und mich nie gross um irgendwelche Einstellungen kümmern müssen. Das Motiv musste einfach passen. Nun denn. Mit der von meinem Partner ausgeliehen Samsung NX300 im Gepäck fuhr ich um 9:00 Uhr mit der Bahn nach Zürich. Mir war irgendwie mulmig zumute und ich war ein wenig nervös. Als ich dann in der Polybahn, wir trafen uns auf der Terrasse der ETH Zürich, auf weitere Teilnehmende traf, die mit Stativ und mannigfaltigem Equipment ausgestattet waren, fühlte ich mich „underdressed“. Das Gefühl hielt nicht lange an, denn es hatte doch einige Teilnehmende, mit einer 0815-Kamera. Nach der freundlichen Begrüssung ging es dann ans Eingemachte. Wir erhielten unsere ersten fünf Begriffe, die es in Fotos umzusetzen galt. Die Fotos mussten der Reihenfolge nach gemacht und nur eines pro Begriff durfte abgegeben werden. So machte ich mich dann auf den Weg, die passenden Motive zu suchen.

Der erste Begriff hiess „Abhängigkeit“. Meine Umsetzung sieht wie folgt aus:

Zigaretten Sucht Abhängigkeit
Abhängigkeit

Ich glaube, viel zu sagen gibt es dazu nicht 🙂

Der zweite Begriff hiess „Dankbarkeit“. Wie kann man schöner Danke sagen, als mit Blumen? Ich fand den Blumenstand am Markt bei der Rathausbrücke.

Blumen Tulpen Danke
Dankbarkeit

Der dritte Begriff, den ich umsetzen musste, hiess „Eleganz“. Weit musste ich nicht gehen, denn der Schwan schwamm elegant und stolz unweit der Rathausbrücke auf der Limmat. Das Licht stimmte und der Schwan plusterte sich auf, als ich auf den Auslöser drückte. Übrigens eines meiner Lieblingsbilder dieses Fotomarathons.

Schwan
Eleganz

Dann wurde es schwierig und mein Hirn lief auf Hochtouren. Wie setze ich um Himmels Willen den Begriff „Hemmschwelle“ um? Nur eine Schwelle zu fotografieren, erschien mir nicht sehr innovativ. Da kam mir die Langstrasse in den Sinn. Nicht wirklich wissend, wie ich dort mein Motiv finden könnte, fuhr ich mit dem Tram zum Helvetia-Platz. Von dort aus spazierte ich mit offenen Augen der Langstrasse entlang. Es war ungefähr 11:30 Uhr und es hatte kaum Leute. Dann entdeckte ich drei sehr offenherzig angezogene Frauen vor einer Bar. Ich ging weiter und mein neues Bild entstand im Kopf. Ich wollte die drei Frauen mit den tiefen Ausschnitten fotografieren. So hätte ich gleich zwei Hemmschwellen auf einen Klick: meine eigene Hemmschwelle für das Ansprechen von fremden Personen und jene Hemmschwelle der drei Frauen. Also ging ich zurück, um diese zu fragen, ob das mit dem Fotografieren ginge. Leider waren sie aber verschwunden – wohin auch immer. Also musste ich mir wieder etwas Neues ausdenken. Als ich wieder zum Helvetia-Platz zurückkehrte fand ich dann folgendes Motiv:

Abfall Hemmungslos
Hemmschwelle

Ihr fragt euch wahrscheinlich, wie ich dies mit der Hemmschwelle in Verbindung setze. Es ist eigentlich ganz einfach: Die Hemmschwelle, den Abfall einfach liegen zu lassen, wird immer tiefer. Okay. Ich gebe zu, es ist ein wenig weit hergeholt. Aber die Uhr tickte im Hintergrund…

Der letzte Begriff vor der Mittagspause war „Minimalismus“. Da ich noch meine Startnummer 63 in einem Bild unterbringen musste, dachte ich, dass ich ganz einfach irgendwo eine Hausnummer fotografiere. Irgendwie fand ich diese Idee dann doch zu banal, und so schlenderte ich beim Helvetia-Platz über den Flohmarkt. Dann traf ich auf sie, die Büste, und das Bild war im Kasten. Allerdings ohne die Nummer irgendwo untergebracht zu haben.

Büste an Flohmarkt
Minimalismus

Froh, alles unter Dach und Fach zu haben, machte ich mich auf den Weg zum Zwischenstopp im alten botanischen Garten an der Talstrasse. Obwohl ich ein Jahr an der Talstrasse gearbeitet hatte, wusste ich nicht einmal, dass es dort einen botanischen Garten gibt – Asche auf mein Haupt. Nach einer kleinen Stärkung, die ich mir nach
12’000 (!) Schritten redlich verdient hatte, erhielten wir die vier weiteren Begriffe zur Umsetzung.

„Original“. Der erste Begriff nach dem kleinen Zwischenstopp. Im ersten Moment einfach, aber ich hatte meine Mühe, ein passendendes Bild in meinem Kopf zu formen, geschweige denn, dies vor die Linse zu bringen. Auf der Bahnhofstrasse kam ich dann der Sache näher: Das „Surprise“. Wer kennt die Verkäufer und Verkäuferinnen nicht? Oft gesehen, aber noch nie wirklich wahrgenommen. So machte ich mich auf die Suche nach dem oder der passenden Verkäufer/Verkäuferin. Ich wurde dann beim Limmatplatz fündig. Das Bild darf ich allerdings nicht veröffentlichen, da die Verkäuferin zwar einverstanden war, dass ich sie fotografiere, aber sie wollte nicht, dass es im Internet landet. Es ist aber nicht ein so grosser Verlust, denn das Foto war nicht gerade mein Highlight. Nicht wegen des Sujets, sondern wegen des Lichts und den unzähligen Leuten auf dem Limmatplatz, die mich immer wieder störten. Die Zürcher wollten doch tatsächlich Fasnacht feiern…

Mittlerweile bin ich beim 7. Begriff angelangt: „Stadtzürcher“. Ich setzte das um, das mir beim Lesen des Themas als erstes in den Sinn kam: Züri-Sack. Keine Ahnung, wieso 😉

So sieht die Umsetzung aus:

Züri-Sack im Container
Stadtzürcher

Unzählige Container musste ich öffnen, um dieses Bild zu erhalten. Samstag ist nicht der Entsorgungstag der Stadtzürcher, wie ich feststellen musste.

Zum Begriff „Upcycling“ ging es dann wieder zur Langstrasse. Anfangs wusste ich nicht, was upcycling überhaupt bedeutet. Aber ich wurde beim Zwischenstopp netterweise darüber aufgeklärt: Es geht in erster Linie um Recycling. Das recycelte Produkt erhält im „neuen Leben“ eine höhere Aufgabe. Ein Beispiel: Die leere Bierflasche wird eine Blumenvase. Das Resultat des Begriffs habe ich wie folgt umgesetzt:

Tonnen als Pfalnzentöpfe
Upcycling

Die Uhr zeigte 15:00 Uhr und um 16:00 Uhr war unser nächster Treffpunkt. Ich hatte noch alle Zeit der Welt für die Umsetzung des Begriffs „Verführung“. Das sollte ja nicht so schwierig sein. Insbesondere, da ich mich ja schon in der Langstrasse befand. Also marschierte ich frohen Mutes die Langstrasse in Richtung Limmatplatz hinunter. Dann sah ich das ultimative Bild: Das Strassenschild „Langstrasse“ und daneben das (Porno-)Kino Roland mit „wunderschöner“ Rotlichtbeleuchtung. Kaum hatte ich die Kamera gezückt, kamen zwei nicht wirklich freundlich wirkende Männer auf mich zu. „He! Hier wird nicht fotografiert!“, schrien sie mich an und ich packte meine Kamera weg und ging schnellen Schrittes von dannen. Beim Helvetia-Platz versuchte ich es dann nochmals mit dem Strassenschild „Langstrasse“ und dem „Hooters“ im Hintergrund. Richtig gut wurde das Foto allerdings nicht, aber besser als keines. Denn ich musste mich auf den Weg zum Treffpunkt in der Nähe des Albisriederplatz‘ machen. Bei der Tramhaltestelle „Hubertus“ hat es eine Bäckerei. Wenn das keine Verführung ist. So kaufte ich mir einen Streuselkuchen und setzte diesen ins rechte Licht.

Streuselkuchen Bäckerei Bachmann Cafe Hubertus
Verführung

Das Ergebnis überzeugte mich schliesslich mehr als das Hooters-Bild. Gegessen habe ich den Kuchen übrigens nicht. Ich habe ihn meinem Partner, als kleines Dankeschön für die ausgeliehene Kamera, nach Hause gebracht.

Die Teilnehmenden trafen sich dann zur Schlussbesprechung in einem Atelier. Es gab einen Apéro und wir konnten uns untereinander austauschen, was sich als sehr unterhaltsam entpuppte. Wir schauten uns gemeinsam die Fotos an und jeder durfte seine zwei Favoriten von jedem Teilnehmenden wählen. Danach wurden die drei besten Fotos von jedem gezeigt. Ich war nicht sehr überrascht über mein Ergebnis – Abhängigkeit, Eleganz und Stadtzürcher wurden gewählt. Bei Abhängigkeit und Eleganz bin ich mit den Bewertenden einer Meinung. Mein Lieblingsbild (die Büste) wurde allerdings nicht gewählt. Daneben wurden noch die beste Serie und die beste Umsetzung der Startnummer gewählt. Meine Startnummer habe ich bei der Surprise-Verkäuferin, mehr recht als schlecht, umgesetzt. Darum machte ich mir da keine Hoffnung. Meine Fotos haben keinen wirklichen roten Faden und darum war auch das Serien-Thema für mich schnell vom Tisch.

Mein erster Fotomarathon war ein grossartiges Erlebnis, das noch lange nachwirken wird. Denn auf dem Heimweg sah ich unzählige Sujets, die zu einem der neun Begriffe gepasst hätten. Ich glaube, ich werde nie mehr unbeschwert durch Zürich flanieren können. Denn in jeder Seitengasse, um jede Ecke, werde ich künftig die perfekte Umsetzung für eines der neun Themen finden. 🙂

Ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren. Sie haben den Fotomarathon zu einem exzellenten Anlass gemacht.

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