Fortsetzung folgt

Fortsetzung folgt, Kurzgeschichte

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Teil 1: Das Kondom


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„Hast du ein Kondom?“

Es ist, als hätte sie ihm ein Kübel Eiswasser über den Kopf geleert. Eine unerotischere Frage hätte sie ihm zu diesem Zeitpunkt nicht stellen können. Er schaut sie aus zusammengekniffenen Augen an und was er erblickt, lässt ihn die Frage schon beinahe wieder vergessen: Sie sieht so schön aus unter ihm. Ihre Lippen sind rot und vom Küssen leicht geschwollen. Ihre Augen sind halb geschlossen, ihre Wangen gerötet und ihr kurzes, schwarzes Haar zerzaust. Sie strahlt pure Lust aus. Dennoch konnte sie diese ernüchternde Frage stellen.

Es dämmert ihm: „Oh, nein. Scheisse. Habe ich nicht. Nimmst du nicht die Pille?“ Sein Tonfall ist genervt und wirkt leicht zickig, was gar nicht zu ihm passt. Sie schaut ihn mit ihren dunklen brauen Augen an, verdreht diese und schnaubt. „Nein. Die nehme ich nicht. Ausserdem schützt die Pille auch nicht vor Geschlechtskrankheiten.“ Wieder verdreht sie ihre Augen, was er eigentlich gar nicht ausstehen kann, aber bei ihr wirkt es süss. Wie alles an ihr.

„Vertraust du mir nicht“?“ Er wirkt gekränkt. Denkt sie wirklich, dass er nicht sauber ist? „Das hat nichts mit Vertrauen zu tun, du Idiot.“ Hat sie ihn tatsächlich als einen Idioten betitelt? Sie beginnt sich unter ihm zu wegzudrehen. Wenn ihm nicht bald etwas einfällt, ist sie weg. Idiot hin oder her. Er möchte mehr als alles andere, dass sie bleibt. „Sorry. So meinte ich es nicht. Ich bin wirklich sauber. Ehrlich. Ich mache es sonst nie ohne Kondom.“ Sein Gestammel hört sich in seinen Ohren weinerlich und verzweifelt an. Er verflucht sich innerlich. Sie schaut ihn skeptisch an, bewegt sich aber nicht weiter, was sich für ihn wie ein kleiner Sieg anfühlt.

„Es ist mir egal, was du sonst tust. Ich mache es jedenfalls nicht ohne Kondom. Was machen wir jetzt?“ fragt sie ihn und räkelt sich und seine Lust wieder wieder von neuem entfacht.

Er stöhnt und lässt seinen Kopf in den Nacken fallen. Wieso bloss hat er seinen Kondomvorrat, als er das letzte benutzt hat, nicht aufgefüllt? Wieso nur? Er wusste ja schliesslich, dass es nicht lange dauern wird, bis er wieder einen One-Night-Stand in seinem Bett hat. Anbrennen lässt er nämlich nichts. Auch mit seinen 30 Jahren hat er kein Bedürfnis, sich zu binden. Eine Nacht und das war’s. Mehr liegt nicht drin. Er könnte diese Frau auch einfach gehen lassen und sich morgen, nachdem er Kondome gekauft hat, einen neuen Zeitvertreib suchen. Das könnte er. Aber irgendwas in seinem Innern will, dass sie bleibt. Es ist nicht nur ihre äussere, natürliche Erscheinung, die es ihm heute Abend angetan hat. Nein. Sie ist witzig, intelligent und nicht auf den Mund gefallen. Selten hat er einen Abend mit einer an und für sich fremden Frau genossen, wie heute. Sie hat Biss und Humor. Genau das gefällt ihm an ihr. Sie ist keine klassische Schönheit. Sie ist klein, mit Rundungen an Hüften und Po, kurzen Haaren, Piercings in Nase und Augenbrauen sowie Tattoos an den Armen. Vielleicht hat sie noch mehr davon, aber das entzieht sich aktuell seiner Kenntnis, da er sie zu seinem Bedauern noch nicht nackt gesehen hat. Eigentlich mag er keine Tattoos und Piercings. Aber zu ihr passen sie. Sie unterstreichen ihre Persönlichkeit. Und jetzt liegt sie hier. Unter ihm.

Sein Kopfkino lief schon in der Bar, in der er sie entdeckte, auf Hochtouren, und nun scheitert das die Umsetzung am fehlenden Kondom oder präziser, an den fehlenden Kondomen. Mehrzahl. Denn er glaubt nicht, dass eines reicht. Er hat zu viel vor mit ihr.

„Kann ich dich ein paar Minuten hier alleine lassen? Dann kann ich Kondome besorgen. Danach besorge ich es dir.“ Echt jetzt? Kann er sich noch peinlicher artikulieren? „Aus welchem Groschenroman bist denn du entsprungen?“ Sie kann sich kaum mehr halten vor Lachen und prustet nicht sehr damenhaft los. Er rollt sich über sie hinweg bis er neben ihr auf dem Rücken liegt. Mit seinem Arm verdeckt er aus Scham seine Augen. Als sie von ihrem Lachanfall erholt hat, stützt sie sich auf ihren Ellenbogen und schaut ihn an.

„An dir ist definitiv ein Poet verloren gegangen.“ Sie lächelt. „Hol die Kondome. Ich warte hier auf dich und verzehre mich nach deinen Berührungen.“ Schon wieder prustet sie los. Er nimmt den Arm von seinen Augen und stimmt in ihr Lachen ein. Dann steht er auf, zieht sie zu sich und gibt ihr einen innigen Kuss. Als er sie loslässt, ist ihr Blick verklärt, ihre Lippen leicht geöffnet und ihr Atem geht schwer. „Beeil dich!“ ist noch alles, was er hört, bevor er das Schlafzimmer verlässt.

Als er auf der Strasse steht, wird ihm erst bewusst, dass er keine Ahnung hat, wo er um diese unchristliche Zeit noch Kondome herbekommen soll. Wie ferngesteuert bewegt er sich in Richtung Bahnhof. Vielleicht hat ja die Apotheke dort einen 24-Stunden-Betrieb. Im Innersten weiss er, dass dem nicht so ist. Aber er braucht einen Plan. Immer wieder schweifen seine Gedanken zu dem sündigen Körper, der sich in seinem Bett befindet, zurück. Selten hat ihn eine Frau dermassen angemacht. Alles an ihr schien in seinen Augen perfekt. So sollte er definitiv nicht denken. Sie ist ein One-Night-Stand. Mehr nicht. Er kennt sie ja kaum.

Beim Bahnhof angekommen blickt er in ein dunkles Schaufenster, in dem er sich spiegelt. Er sieht allerdings nur die pure Verzweiflung, die ihn umgibt. Dann müssen halt seine und ihre Hand und Finger reichen. Sein eigener Aufmunterungsversuch gelingt ihm nicht überzeugend. Als er sich umdreht und sich wieder auf den Heimweg begeben will, erblickt er den Selecta-Automaten. Von weitem sieht er die Kondome. Sie leuchten in regelrecht an. Schnellen Schrittes geht er zum Automaten, und er hätte vor Erleichterung beinahe ein paar Tränen vergossen. Er reisst sich zusammen und zieht seine Geldbörse aus der rechten Gesässtasche. Innerlich betend, dass er sechs Franken in Münzen hat, schaut er im Münzfach nach. Schon wieder drohen die Tränen der Erleichterung überhand zu nehmen. Mit zitternden Fingern wirft er ein Fünf- und ein Einfrankenstück in den Münzschlitz und drückt die Nummer 37. Langsam wird die Kondompackung zum Abgrund befördert. Ein seliges Lächeln wird auf sein Gesicht gezaubert.

In Windeseile ist er wieder zu Hause. In seinem Zimmer. Sie liegt nun nackt in seinem Bett. Er hätte sich keine bessere Begrüssung wünschen können. Er legt sich zu ihr, und sie lässt seiner Fantasie keinen Spielraum mehr. Und ja, sie hat noch mehr Tattoos, die ihren Körper zieren und ihr Brustwarzen-Piercing lässt ihn trocken schlucken. „Hast du, die Kondome?“ Sie schaut ihn mit grossen, fragenden Augen an. Augen, in denen er sich leicht verlieren kann. „Ja. Die habe ich.“ „Auf was wartest du dann noch? Zieh dich aus und komm zu mir.“. Ihr Körper schmiegt sich warm und weich an ihn. Genau so muss es im Himmel sein.

„Wollen wir dort weitermachen, wo wir aufgehört haben“, fragt er sie flüsternd in ihr Ohr. Dann küsst er sie zärtlich und dennoch fordernd. Ihr Stöhnen an seinem Mund ist ihm Antwort genug. Er greift nach dem Kondom, welches er auf seinem Nachttisch platziert hat, und verliert sich in seiner und ihrer Lust.

Es geht weiter mit den beiden. Der 2. Teil „Der Schwangerschaftstest“ folgt in wenigen Tagen. Stay tuned.

Es würde ja etwas fehlen, wenn ich nicht noch die passende Musik zu Geschichte hätte.

 

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Allgemeines, Fortsetzung folgt

One-Night-Stand (Part 7 / Monika)


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Angespannt und steif geht Monika neben ihrem Vorgesetzten her. In ihrem Rücken spürt sie den Blick von Michael. Krampfhaft versucht sie sich auf das Geplapper ihres Chefs zu konzentrieren. Mit sehr geringem Erfolg. Sie ist aufgebracht und wütend. Sie hat das Gefühl, dass Dampf aus ihren Ohren steigt. Michael! Was für ein fieses und arrogantes Arschloch. Seine schleimige und scheinheilige Begrüssung, die blasierte Art und Weise wie er sie musterte, die anzügliche Bemerkung betreffend Einarbeitungsprogramm. Sie hätte sich am liebsten in ihren Allerwertesten getreten. Das ganze Wochenende hatte sie sich nach ihm gesehnt. Nach seinen Berührungen, nach seinem Duft, nach seinem Atem auf ihrer Haut. Die wunderschöne und befriedigende Nacht hat sich in ihr Gehirn eingebrannt. Und jetzt? Eine kalte Dusche ist pipifax dagegen. Er hat sie despektierlich gemustert. Er sie! Er, der wahrscheinlich jedes Wochenende seine Hand in einem anderen Höschen verschwinden lässt. Was heisst hier Hand? Wahrscheinlich ganz andere Körperteile. Monika versucht mit ihrem Chef Schritt zu halten. Dieser bemerkt nicht, wie aufgewühlt sie ist.
Nach dem Rundgang durch die Büros bringt er Monika zurück zu ihrem Arbeitsplatz. Sie solle sich einrichten und sich dann bei Michael melden, damit sie das Einführungsprogamm durchgehen können. Beim Namen Michael zuck Monika innerlich zusammen. Ja genau. Der Albtraum hat ja noch gar nicht richtig begonnen. „Ist es Ihnen recht, wenn wir uns zum Lunch treffen? Michael wird uns begleiten.“, fragt sie ihr Chef. „Nein! Das ist mir gar nicht recht! Ich gehe nicht mit diesem Arsch essen.“, schreit Monika in Gedanken. „Ja. Selbstverständlich. Sehr gerne.“, kommt ihr über ihre blassen Lippen. Sie kann sich zu einem Lächeln durchringen. „Gut. Dann sehen wir uns pünktlich um zwölf Uhr“. Ihr Chef verschwindet aus ihrem Blickfeld und Monika atmet zweimal tief ein und aus, um ihr rasender Puls zu beruhigen. Wieso bring sie Michael dermassen aus dem Konzept. Bereits nach ihrer Nacht, als ihr Körper und ihr Verstand nach mehr lechzten. Nach mehr Michael. Sie schüttelt ihren Kopf. Dieses Gefühlschaos kann sie nun wirklich nicht gebrauchen.

Nachdem sie sich einigermassen in ihrem Büro eingerichtet hat, geht sie zu ihrem Team und spricht mit den einen und anderen Mitarbeitenden über aktuelle Themen, bevor sie den Gang nach Canossa antritt. Ihre Mitarbeitenden scheinen sehr freundlich, hilfsbereit und motiviert zu sein, was Monika sehr freut. Wenigstens bleibt ihr ein demotivierter Haufen erspart. Als sie sich auf den Weg zu Michaels Büro macht, schlägt ihr Herz in der Brust, als möchte es hinaus hüpfen. Sie macht einen kurzen Abstecher auf die Toilette, um sich zu sammeln. Ihr Anblick im Spiegel gefällt ihr gar nicht. Weit aufgerissene Augen, blasse Lippen, blasse Wangen und ein gehetzter Ausdruck im Gesicht blicken ihr entgegen. Sie stützt sich auf dem Waschbecken ab, atmet tief ein und aus. Kneift sich in die Wangen, beisst sich auf die Lippen. Besser. Ein letzter Kontrollblick in den Spiegel und sie verlässt die Toilette erhobenen Hauptes und  mit gestrafften Schultern. So. Soll sich der Mistkerl denken was er will. Sie lässt sich von ihm nicht klein kriegen. Auch wenn er ihr bei der Begrüssung das Gefühl gab, die grösste Schlampe des ganzen Universums zu sein, weiss sie es besser. Das allein ist entscheidend. Was dieser arrogante Schwachmat von ihr denkt, wird ihr mehr als egal sein. Sie kann darauf pfeifen. Mit diesen Gedanken betritt sie Michaels Büro und sämtliche guten Vorsätze verflüchtigen sich wie Wasserstoffgas. Puff! Weg!

Michael sitzt hinter seinem Schreibtisch, konzentriert liest er ein Dokument. Dieser Anblick lässt Monika den Atem stocken. Er sieht so sexy aus. Seine Anzugjacke hat er ausgezogen und sein weisses Hemd sitzt ihm wie angegossen. Die Ärmel hat er umgekrempelt. Seine Haare sind leicht zerzaust, da er sich wahrscheinlich mit der Hand schon mehrfach durch seine dunklen Haare gefahren ist. Er strahlt eine Selbstsicherheit aus, die schon als arrogant bezeichnet werden kann. Dies alles erfasst Monika wie eine Welle. Sie begehrt ihn. Mit Haut und Haaren. Genau die Haare, in welche sie greifen möchte, während er sie auf seinem Schreibtisch platziert, ihre Beine spreizt und…

In dem Moment schaut Michael von seinem Dokument auf und schaut sie mit intensivem Blick an. Monika spürt, wie ihr Blut in ihren Kopf steigt. Sie spürt die Hitze, die sich in ihrem Gesicht ausbreitet. So in etwa muss sich ein zu stark gefüllter Luftballon fühlen, schiesst ihr durch den Kopf. Michael grinst sie mit einem überlegenen Lächeln an.“Gefällt dir, was du siehst?“, fragt er sie lakonisch. Monika fühlt sich ertappt und in ihre Kindheit zurück versetzt, als sie verbotener Weise Schokolade vor dem Nachtessen naschte. Sie räuspert sich und geht strammen Schrittes auf Michael zu, der seine Arme hinter seinem Kopf verschränkt hat und sich selbstsicher in seinem Stuhl zurück lehnt. Sein Blick nimmt jede Bewegung von Monika auf. Am Schreibtisch angekommen, stützt sie sich auf, blickt Michael tief in die Augen und sagt mit eisiger Stimme: „Lass das, Michael. Wir sind schliesslich erwachsene Menschen, die am letzten Wochenende Spass miteinander hatten. Vergessen wir das ganze und gehen professionell miteinander um, als würden wir uns nicht kennen, was ja grundsätzlich stimmt.“ Michael schnellt mit seinem Stuhl nach vorne und ihre Gesichter sind kaum fünf Zentimeter voneinander entfernt. Sie spürt seinen Atem auf ihrem Gesicht. „Da stimme ich dir voll und ganz zu. Ich mag keine Dramen. Vergessen wir, was zwischen uns war. Viel war es ja nicht.“ Bämmm!

Hier der passende Song zu diesem Kapitel.

 

Die ganz aufmerksamen Lesenden unter euch haben es wahrscheinlich bemerkt: Die Zeit hat sich verändert. Bis zum vorhergehenden Kapitel habe ich in der Vergangenheit geschrieben. Das fiel mir zusehends schwerer und daher habe ich mich entschieden, nun in der Gegenwart zu schreiben. Ich persönlich empfinde dies auch angenehmer zum Lesen. Was meint ihr? Die Kapitel 1 bis 6 werde ich bei Gelegenheit anpassen und umschreiben. Damit der Roman wie aus einem Guss daher kommt.

Allgemeines, Fortsetzung folgt

One-Night-Stand (Part 6 / Michael)


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Holy shit! Das war das Einzige, was Michael beim Zusammentreffen mit Monika in den Sinn kam. Er konnte es nicht fassen. Seine Monika stand wunderschön und anmutig direkt vor ihm. Seine Monika, die ihm seit Freitagnacht nicht mehr klar denken lässt. Seine Monika, deren Duft noch immer am Kopfkissen haftet. Woher dieser plötzliche Besitzanspruch kam, wusste er nicht und wollte sich auch nicht mit diesem Thema auseinandersetzen. Seine Monika und damit basta. Er wusste, dass heute die neue Teamleiterin beginnen würde. Sein Chef hat schon in den höchsten Tönen von ihr geschwärmt. „Eine Koryphäe! Wir können froh sein, konnten wir sie für uns gewinnen. Sie ist blitzgescheit und sieht erst noch gut aus.“ Das waren seine Worte und Michael dachte sich nichts weiter dabei. Ihm war es egal, wer das andere Team künftig leiten würde. Und jetzt steht seine Monika vor ihm!

Michael versuchte sich professionell und freundlich zu verhalten und hoffte inständig, dass seinem Chef der erste Schock nicht aufgefallen ist. Er lächelte Monika schief an und schüttelte ihr die Hand zur Begrüssung. Seine Hand war eiskalt und feucht, ihre warm und weich. Monika ging demnach das unvorhergesehene Zusammentreffen nicht so sehr an die Substanz wie ihm. Sie blickte ihn an, als würde sie ihn zum ersten Mal sehen. Dass sie so souverän mit der Situation umgehen konnte und er sich aufführte wie ein hormongesteuerter Teenager, der das erste Mal ein Mädchen berühren durfte, nervte Michael ungemein. Sie müsste sich doch unbehaglich fühlen nicht er. Er war schliesslich derjenige, der mit allen Wassern gewaschen ist. Monika wirkte auf ihn so abgebrüht. So gefühlskalt. Sie sah doch in der Bar noch so unschuldig und Mädchenhaft aus. Wahrscheinlich ging sie regelmässig auf Männerfang. Mit dieser Unschuldsmasche fand sie sicherlich immer wieder Männer, die sie auf eine schnelle Nummer nach Hause begleiten durften. Wie aus heiterem Himmel traf ihn diese Erkenntnis. Er dachte wirklich, dass sie so etwas wie mit ihm noch nie gemacht hätte. Sie war wahrscheinlich eine Meisterin des One-Night-Stands, hatte den schwarzen Gürtel. Für sie gibt es nichts anderes als eine kurze Nummer. Darum ist sie auch einfach bei Nacht und Nebel aus seiner Wohnung geflüchtet. Darum hat sie ihm keine Nachricht hinterlassen. Darum wollte sie ihn nicht mehr sehen. Er war für sie eine unbedeutende Bettgeschichte. Michael fühlte sich benutzt und tief verletzt. Er schnaubte verächtlich.

„Alles in Ordnung Michael?“ fragte ihn sein Chef. „Ja. Alles bestens.“, gab Michael mit einem süffisanten Lächeln zur Antwort. „Ich zeige Monika gerne alles. Sie soll sich doch bei uns wohl fühlen, damit sie nicht gleich nach einem Tag wieder geht.“ Sein Chef blickte Michael mit hochgezogenen Augenbrauen an, ging aber nicht weiter darauf ein. „Wir gehen dann mal weiter. Sobald wir mit dem Rundgang fertig sind, könnt ihr euch treffen und die Details des Einarbeitungsplanes besprechen.“ Er führte Monika, die noch keinen Ton von sich gegeben hat, was keinem der Männer aufgefallen ist, weiter. Michael blickte den beiden nach. In ihm begann sich eine unbändige Wut aufzustauen. Dieser Hüftschwung! Wie konnte sie nur! Fuck! Er fühlte sich von ihr verarscht. Ihr Duft hing in der Luft. Es war kein Parfüm. Es war ein Duft aus Vanille und Honig. Einfach Monika. Rein und sauber. Pah! Michael drehte sich auf seinem Absatz um und stampfte zurück in sein Büro. Ihr wird ihr Hüftschwung schon noch vergehen. Als er seinen Schreibtisch anblickte sah er vor seinem geistigen Auge Monika, die sich nackt und lasziv auf seinem Tisch räkelt. Fucking Kopfkino!

Und wie geht es Monika nach dieser Begegnung? Das nächste Kapitel folgt…

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Kapitel 4


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Stéphanie wartet ungeduldig, mit den Fingern auf den Tisch klopfend, an ihrem Stammplatz, als Amélie atemlos ins Pub hereinstürmt. Ohne nach links und rechts zu blicken marschiert sie zu Stéphanies Tisch und lässt sich stöhnend auf die Sitzbank plumpsen. Stéphanie bedacht sie mit einem grimmigen Blick.

„35 Minuten zu spät! Was soll der Scheiss?“
„Zuerst mal Hi!“
„Okay. Hi!“
„Es tut mir leid. Ich hatte heute meinen Bürotag und ich kam nicht weg. Es hat sich in der letzten Woche gigantisch viel angehäuft. Du kannst dir das gar nicht vorstellen.“, gibt Amélie mit leichtem Erröten zur Antwort. Stéphanie mustert sie skeptisch. „Ich glaube dir kein Wort. Du warst wieder in der Vergangenheit und hast die Zeit aus den Augen verloren. Stimmt’s oder habe ich recht?“. Verdammter Mist! Muss sie Amélie so gut kennen. Amélie blickt Stéphanie schuldbewusst an. „Ha! Wusste ich es doch!“, triumphiert diese und streckt theatralisch die Faust in die Höhe. Das Siegerlächeln erlischt aber sogleich wieder auf ihrem Gesicht, als sie sieht, wie sich Tränen in den Augen von Amélie sammeln. „Komm! Trinken wir ein Pint Guinness! Du bezahlst! Schliesslich musste ich deinen Platz verteidigen wie eine Löwin.“

Amélie nickt, steht auf, geht zum Tresen und gibt die Bestellung auf. Als sie zurück zum Tisch kommt, wird sie von Stéphanie eingehend gemustert. „Was ist?“ fragt Amélie, als sie sich wieder zu ihr hinsetzt.

„Hör zu Amélie! Ich weiss, dass du Leon vermisst. Das tue ich auch. Er war schliesslich auch ein sehr guter Freund von mir“. Da sie seit Leons Tod  immer für Amélie da sein musste, konnte Stéphanie selber gar nicht richtig um Leon trauern und von ihm Abschied nehmen. Sie war und ist die starke Schulter, an der sich Amélie ausheulen kann. „Du musst aber unbedingt wieder zurück in dein Leben finden. So kann es nicht weiter gehen. Du lebst nicht mehr. Als Leon starb, bist du mit ihm gestorben. Du bist zwar noch hier, aber du bist nur noch der Schatten deiner selbst.“

Dieses Gespräch stand schon lange an. Viel zu lange. Stéphanie konnte sich bisher einfach nicht überwinden, Tacheles zu sprechen, da sie grosse Angst hat, dass sie Amélie tief verletzen könnte. Sie kann diesem Trauerspiel aber nicht mehr zuschauen. Amélie war immer eine fröhliche und unbeschwerte junge Frau, die mit Stéphanie zusammen durch dick und dünn ging. Dieses Leuchten und die Lebensfreude, die Amélie umgaben, sind seit dem, als die Ärzte bei Leon alle Hoffnung auf Heilung aufgaben, verschwunden. „Vielleicht ist es egoistisch von mir. Aber ich möchte wieder meine „alte“ Freundin Amélie zurück haben.“

Amélie betrachtet Stéphanie lange ohne etwas zu erwidern und nimmt einen grossen Schluck von ihrem Guinness. Tief atmet sie ein und erwidert mit einem schneidenden Ton: „Die „alte“ Amélie gibt es nicht mehr, wie du richtigerweise festgestellt hast. Sie wird es auch nie mehr geben. Finde dich damit ab oder lass es bleiben!“ Amélie bebte bei ihren Worten vor unterdrückter Wut. Sie hat überhaupt keine Lust, sich bei Stéphanie erklären zu müssen. Sie leidet. Sie vermisst. Sie trauert.

„Weisst du was ich glaube, Amélie? Ich glaube, du willst gar nicht aus deinem Jammertal herausgeholt werden. Du brauchst diesen Schmerz. Du willst nicht neu starten. Du willst das Leben nicht weiterleben. Du hattest Träume, du hattest Ziele. Wo sind diese hin? Hast du die zusammen mit Leon begraben? Glaubst du wirklich, Leon würde es gefallen, wie du dein Leben ohne ihn lebst? Was sage ich. Du lebst ja gar nicht. Du vegetierst vor dich hin. Ich sag‘ dir was: Leon hätte das nicht gewollt. Wenn er dich jetzt sehen könnte, wäre er enttäuscht von dir, dass du dich so gehen lässt.“ Stéphanies Stimme wird bei jedem Satz lauter und giftiger. Ungewollt. Sie redet sich in Rage und kann gar nicht damit aufhören. Zu lange hat sich der Frust bei ihr aufgestaut.

Amélies Mine versteinert sich immer mehr und mehr und ihre Hände ballen sich zu Fäusten. Wie kann es Stéphanie wagen. Ihre beste Freundin schiesst ihr in den Rücken. Vor Wut laufen Amélie Tränen über ihre Wangen. Keinen Ton bringt sie mehr über ihre Lippen. Ihre Gedanken laufen Amok. Sie steht auf, greift nach ihrer Jacke und stürmt so schnell wie sie gekommen ist, wieder aus dem Pub, ohne einen Blick zurück zu werfen.

Der passende Song zu diesem Kapitel.

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Kapitel 3


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Vergangenheit

Das Leben von Amélie und Leon hätte einfach so weiter gehen können. Das Schicksal hatte etwas anderes mit den beiden vor. Der Tod kam schleichend und unaufhaltsam. Geraume Zeit litt Leon an sehr starken Kopfschmerzen. Immer wieder überfielen sie ihn und liessen ihn leiden. Eines Abends hatte er das Gefühl, sein Schädel explodiere in den nächsten Sekunden. Er wollte sich im Badezimmer Schmerztabletten holen. Amélie fand ihn ein paar Minuten später ohnmächtig auf dem Boden liegend vor, den Kopf blutig aufgeschlagen. Dieser Anblick wird sie ihr Leben lang begleiten und ihn nie vergessen. Sie wählte umgehend die Notfallnummer. Die Ambulanz traf innerhalb von 15 Minuten ein. Leon kam im Krankenwagen wieder zu sich, was Amélie, die ihn begleiten durfte, mehr als freute. Ihr ganzen Leben wurde von einem Augenblick auf den anderen auf den Kopf gestellt und ihr ganzes Dasein wurde auf eine harte Probe gestellt.

Im Spital wurden bei Leon einige Untersuchungen und Tests gemacht. Die Diagnose, die darauf folgte, war niederschmetternd. Leon litt an einem bösartigen und schnell wachsenden Hirntumor, der bereits einige Metastasen gebildet hatte. Die Chance auf eine erfolgreiche Operation war gleich Null. Die einzige Hoffnung war eine Chemotherapie. Aber die Ärzte hatten bei dieser Behandlungsmethoden ihre Bedenken. Die Aussicht auf Heilung war sehr düster. Amélie und Leon konnten es nicht fassen. Das Schlimmste, das sich beide nur vorstellen konnten, war eingetroffen – sie durften nicht länger zusammen ihren Weg gehen.

Die Verzweiflung beider war epischen Ausmasses. Warum nur? Warum Leon? Er war ein vitaler junger Mann, der in der Vergangenheit selten krank war. Wie konnte dies bloss geschehen? Amélie erlebte die Zeit des unausweichlichen Abschiedes in einer Art Trancezustand. Sie ging zur Arbeit und besuchte so oft wie möglich Leon im Krankenhaus. An Schlaf war kaum mehr zu denken. Sie lebte nur noch für Leon und wollte jede freie Minute bei ihm sein.

Die Chemotherapie schlug wie erwartet nicht an und die Ärzte gaben Leon noch einige Wochen zu leben. Er wurde nach Hause entlassen, wo er sich im Schosse von Amélies Obhut auf sein Ende vorbereiten durfte. Es ging alles sehr schnell. Nach nur zwei Monaten Leidenszeit war es vorbei. Er musste glücklicherweise nicht lange die Schmerzen ertragen. Das war der einzige Trost. Als der Tag X kam und Leon seine Augen für immer schloss, brach für Amélie eine Welt zusammen. Nichts war mehr so, wie es einmal war. Amélie und Leon. Leon und Amélie. Das gab es nicht mehr und wird es nie mehr geben.

Sie war verzweifelt, haderte mit Gott und der Welt. Verfluchte manchmal Leon, der sie einfach im Stich liess. Sie einfach verliess. Sie einfach ihrem Schicksal überliess. Jeden verdammten Tag vermisste sie ihn. Ihre leere Wohnung war nicht mehr ihr Zuhause. Amélie fühlte sich einsam und verlassen. Den Schmerz jeden Tag ohne Leon leben zu müssen, brachte sie beinahe um den Verstand. Es gab Zeiten, in denen sie am liebsten zu ihm gegangen wäre. Sie wollte aufgeben. Sie wollte ohne die Liebe ihres Lebens nicht mehr weiter existieren. Wäre in dieser Zeit ihre beste Freundin Stéphanie nicht an ihrer Seite gewesen, würde Amélie heute wahrscheinlich nicht mehr leben. Stéphanie versuchte alles, um den Lebenswillen von Amélie aufrecht zu erhalten. Sie kümmerte sich liebevoll um Amélie und gab ihr die Zeit und die Kraft, die Trauer um Leon zu verarbeiten. Diese Unterstützung  braucht Amélie noch heute – zwei Jahre, drei Monate und achtzehn Tage nach Leons Tod.

Gegenwart

Genau Stéphanie! Sie muss heute warten, weil sich Amélie wieder einmal in der Vergangenheit aufhält. An Amélie nagt das schlechte Gewissen. Sie stürmt noch energischer durch die Strassen von Zürich, bis sie endlich beim gemütlichen „The Pub“, der Stammkneipe von Amélie und Stéphanie, ankommt.

Der passende Song zu diesem Kapitel.

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One-Night-Stand (Part 5 / Monika)


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Die Sonne stand hoch am Himmel und sandte ihre Strahlen direkt in Monikas Schlafzimmer. Es war Sonntag und sie hatte noch keine Lust, sich aus ihrem Bett zu fläzen. Sie hielt ihren e-Reader in der Hand und versuchte sich auf das Buch zu konzentrieren. Mit wenig Erfolg. Ihre Gedanken schweiften ständig ab. Sie dachte an den morgigen Tag, an dem sie ihre neue Arbeitsstelle antreten wird. Bis vor wenigen Wochen war sie als Abteilungsleiterin in einer Unternehmensberatungsfirma tätig. Eigentlich hätte sie in diesem Jahr Partnerin werden sollen; so weit kam es leider nicht. Sie wurde bei der Beförderung übergangen, was sie ungemein ärgerte und tief verletzte. Die mitleidigen Blicke ihrer Kollegen ertrug sie nicht weiter. Monika suchte sich eine neue Herausforderung und fand diese sehr schnell.

Sie stand unmotiviert auf, ass eine Kleinigkeit zu ihrem Espresso und ging ins Fitness-Studio. Vielleicht half ihr ein Training, sich ein wenig abzulenken. Als sie zurück in ihre leere Wohnung kam, fühlte sie sich besser. Sie setzte sich vor den Fernseher und liess sich mit bedeutungsloser Unterhaltung berieseln. Nach dem obligaten Telefongespräch mit ihrer Mutter, welches immer am Sonntag gegen Abend statt fand, schob sie sich eine Tiefkühlpizza in den Ofen und öffnete eine Flasche Chianti Classico.  Gedankenverloren stand sie in der Küche, schwenkte das Glas mit dem Wein in der Hand und wartete bis die Pizza die richtige Bräune erlangte. Sie zwang sich, nicht an Michael zu denken. Schon den ganzen Tag versuchte sie ihn aus ihrem Kopf und ihren Gedanken zu drängen. Es gelang ihr schon ein wenig besser, wie sie mit einer gewissen Genugtuung bemerkte. Sie schaute sich den Tatort an und ging danach ins Bett.

Um Punkt sechs Uhr morgens wurde sie von ihrem Wecker unsanft aus dem Schlaf gerissen. Schlaftrunken stand sie auf und ging unter die Dusche. Lange stand sie vor ihrem Kleiderschrank, um sich ein passendes Outfit auszusuchen. Sie entschied sich für einen schwarzen Hosenanzug und eine weisse Bluse – ein unspektakulärer Klassiker. Nach dem Espresso und einem Blick auf die Newsportale im Internet, verliess sie ihre Wohnung. Sie hatte rund fünfzehn Minuten zu Fuss bis zu ihrem Arbeitsplatz, was mitunter eine entscheidende Rolle bei der Stellenwahl gespielt hatte. Sie meldete sich am Empfang und ihr neuer Vorgesetzter holte sie mit einem sympathischen Lächeln im Gesicht ab. Sie haben sich beim Vorstellungsgespräch schon sehr gut verstanden und sie freute sich auf die Zusammenarbeit mit ihm. Er zeigte Monika ihr neues Büro. Nachdem sie ihre Tasche deponiert hatte, folgte sie ihm zu ihren neuen Mitarbeitenden, welche sich ein Grossraumbüro teilten. Nach der Vorstellungsrunde gingen sie weiter zur Abteilung 2, die für eine andere Region als Monikas Team zuständig war.

Als sie zum Büro des Abteilungsleiters geführt wurde, stockte ihr der Atem; ihr Herz setzte für einen kurzen Moment aus und das Blut rauschte in ihren Ohren. Vor ihr stand Michael, der sie mit einem leicht verrutschten Lächeln und mit grossen Augen ungläubig anstarrte.

Wie durch einen dichten Nebel hörte sie ihren Chef  sagen: „Michael, das ist Monika, welche die Abteilung 1 in Zukunft führen wird. Wie besprochen, wirst du für ihre reibungslose Einarbeit zuständig sein.“

Fortsetzung folgt, Kurzgeschichte

One-Night-Stand (Part 4 / Michael)


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Schlaftrunken tastete Michael auf die Seite seines Bettes, auf der er Monika vermutete. Seine Hand griff ins Leere. Fuck! Er richtete sich auf und starrte auf die zerknautschte Bettdecke. „Monika?“, hört er sich in die leere Wohnung rufen. Nichts. Kein Ton. Er legte sich wieder hin und packte das Kissen, auf welchem Monikas Kopf gelegen hat, und drückte es sich auf sein Gesicht. Er atmete tief ein und genoss den Duft, den sie hinterlassen hatte. Sie roch so gut. Gepackt von einer grossen Wut, weil sie einfach mir nichts dir nichts abgehauen ist, schleuderte Michael das Kissen an die gegenüberliegende Wand. Fluchend stand er auf, kickte das Kissen unter das Bett und ging ins Wohnzimmer. Seine Kleider lagen verstreut im Wohnzimmer herum. Ihre Sachen waren verschwunden. Er schaute sich um, ob sie irgendwo eine Nachricht hinterlassen hatte. Nichts. Rein gar nichts. Frustriert ging er ins Badezimmer und stellte sich unter die Dusche. Er musste sich wieder einkriegen.

Was hatte diese Frau an sich, dass sie ihm einfach nicht aus seinen Kopf ging? Schon nur die Erinnerung an die Nacht mit Monika liess ihn wieder erregt erschaudern. Was für eine Scheisse! Er müsste froh sein, dass sie ohne Theater gegangen war. Es gab Frauen, die brachte er nur mit dem Versprechen, dass er sich bei ihnen melden wird, aus seiner Wohnung. Gemeldet hatte er sich aber noch nie. Wieso auch? Er hatte ja schliesslich bekommen, was er wollte: heissen und bedeutungslosen Sex. Eine Beziehung kam für ihn nicht in Frage. Zu schnell langweilte er sich. Michael liebte seine Unabhängigkeit und sein Leben als ewiger Junggeselle. Seine Freunde in festen Beziehungen, machten auf ihn jedenfalls nicht den Eindruck, dass das eine erstrebenswerte Lebensform wäre.

Nach der Dusche fühlte er sich wieder wie ein Mensch. Die Erinnerungen an Monika liess er nicht mehr zu. Er musste noch Besorgungen tätigen, also zog er seine Jeans und ein weisses Hemd an. Nach dem obligaten Espresso verliess er seine Wohnung. Es war bereits elf Uhr und auf den Strassen tummelte sich das Volk. Als Michael bei der, um diese Zeit noch geschlossene, Wunder-Bar vorbei ging, blieb er stehen, schaute hinein und sah wieder Monika vor seinem geistigen Auge. Fuck! Fuck! Fuck! Sie soll endlich aus seinen Gedanken verschwinden! Eilig ging er weiter, um nicht nochmals an dieses wunderbare Geschöpf erinnert zu werden. Sie fühlte sich so verdammt gut an. Ihr Körper war einsame Klasse und ihre leidenschaftliche Hingabe verschlug ihm fast den Atem. Genug! Er musste sich wieder auf das Hier und Jetzt konzentrieren.

Unterwegs traf er auf einen alten Freund und dessen Ehefrau. Gerne wäre er mit ihm auf ein Bier in ein Pub in der Nähe gegangen. Aber dieser hatte keine Zeit und musste mir seiner Frau weiter ziehen. Als Michael alle Besorgungen für diesen Tag erledigt hatte, ging er zurück in seine Wohnung. Sie kam ihm leer und verlassen vor. Er dachte kurz daran, in die Wunder-Bar zu gehen. Vielleicht war ja Monika wieder dort. Er hasste den Duft seiner Verzweiflung. Also verbrachte er den ganzen Abend vor dem Fernseher.

Fortsetzung folgt! Stay tuned for more!

Fortsetzung folgt, Kurzgeschichte

One-Night-Stand (Part 3 / Monika)


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Beschwingt kam Monika in ihrer Wohnung an. Sie fühlte sich nach wie vor gut und ausgelassen, obschon sie nicht viel geschlafen hat letzte Nacht. Leichte Röte stieg ihr ins Gesicht, als sie sich in Michaels Bett zurück erinnerte. Sie ging in die Küche und schaltete die Kaffeemaschine ein. Es war halb sieben in der früh. Der knapp halbstündige Spaziergang von Michaels Wohnung zu ihr nach Hause in ihren High Heels hatte ihren Füssen zugesetzt. Sie zog die Schuhe aus und schleuderte sie in die nächstbeste Ecke. Sie nahm eine Tasse aus dem Schrank und füllte sie mit Kaffee, ging damit ins Wohnzimmer und liess sich auf ihrer Couch nieder. Ihre geschunden Füsse legte sie auf den Beistelltisch. Die Wohnung kam ihr leer und einsam vor. Es war ruhig. Keine Geräusche drangen von der Strasse her hoch. Der Tag hatte noch nicht richtig begonnen. Langsam aber sicher legte sich Müdigkeit über Monika. Nachdem sie den Kaffee getrunken hatte, ging sie ins Bad, schminkte sich ab und stieg nackt ins Bett. An ihrem Körper haftete der Geruch von Sex. Michaels Duft. Sie war noch nicht bereit, sich die vergangene Nacht wegzuduschen. Mit einem lächeln im Gesicht driftete sie langsam ab.

Gegen Mittag erwachte sie aus einem traumlosen Schlaf, streckte sich und ging unter die Dusche. Das warme Wasser fühlte sich gut auf ihrer Haut an. Sie hatte noch einige Besorgungen zu erledigen. Als sie nach dem Einkauf nach Hause kam, rief sie ihre Freundin Nicole an. Sie erzählte ihr nichts von Michael. Das würde Nicole nicht verstehen. Sie konnte es ja selber kaum verstehen, wie sie sich dermassen hatte hinreissen lassen können. Noch nie hatte sie sich einem Mann so bedingungslos, ja hemmungslos, hingegeben. Dann erst noch einem Mann, mit dem sie gerade mal dreissig Minuten gesprochen hatte. Als sie das bedeutungslose und unehrliche Gespräch beendet hatte, fühlte sich Monika traurig und alleine wie nie zuvor. Sie war geübt im Alleinsein und hatte im Normalfall keine Probleme damit. Heute war es anders. Immer wieder sah sie sich und Michael vor dem inneren Auge. Er hatte bei ihr etwas ausgelöst, was sie seit Jahren unterdrückt hat: Pure Leidenschaft.

Monika hat schon einige Beziehungen hinter sich gelassen. Alle verliefen nach dem selben Muster: Frau trifft Mann, Frau und Mann verlieben sich, Mann verlässt Frau. Es war nichts anderes als serielle Monogamie. Die Affären dauerten in der Regel nie länger als ein halbes Jahr. Dramen gab es nie. Wo keine Dramen, ist auch keine Leidenschaft.

Lange dachte sie darüber nach, ob sie sich in Schale werfen soll. Vielleicht war ja Michael wieder in der Wunder-Bar anzutreffen. Dieser Gedanke liess sie nicht mehr los. Vielleicht würde er sie ja gerne wieder sehen. Eine Stimme in ihrem Kopf lachte bei diesem Gedanken höhnisch auf. Ja genau! Ein Mann möchte nichts sehnlichster als den letzten One-Night-Stand wieder treffen. Es gibt schliesslich einen Grund für das „One“. Der Gestank ihrer Verzweiflung hätte Michael wahrscheinlich hundert Meter gegen den Wind riechen können.

Sie verbrachte den ganzen Samstagabend vor dem Fernseher.

Fortsetzung folgt…

Fortsetzung folgt, Kurzgeschichte

One-Night-Stand (Part 2 / Michael)


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Was für ein elender Scheisstag! Michael verliess frustriert und angepisst sein Büro. Es gab Tage, da hasste er seinen Job aus tiefster Seele. Wenigstens war Freitag. Zwar schon nach acht Uhr, aber was soll’s. Die kühle Brise tat ihm gut und sein Ärger verrauchte ein wenig als er zu Fuss nach Hause ging. Er wollte sich vor den Fernseher fläzen, sich mit Chips vollstopfen und dazu die eine oder andere Flasche Bier leeren. Himmel! Tönte das gut! Er passierte die Wunder-Bar, entdeckte eine attraktive Mittzwanzigerin am Tresen und bevor er sich versah sass er an einem Zweiertisch, nippte an einem Dry Martini und begutachtete die Fremde. Es war ihm egal, dass seine Abenteuerlust ihm einen Strich durch die Rechnung und seine Abendplanung machte.

Sie schien ebenfalls Interesse an ihm zu bekunden. Er bemerkte ihre taxierenden Blicke. Kurzerhand stand er auf, ging zur ihr an den Tresen und lud sie zu einem Drink ein. Seinen Plan, dieses hübsche Ding in sein Bett zu kriegen, ging zu seiner Zufriedenheit voll und ganz auf. Sie biss schneller an, als dass er bis auf drei zählen konnte. Strike!

Sie stellte sich als Monika vor. Viel mehr musste er nicht von ihr wissen. Eigentlich war in seinen Augen der Name schon zu viel an Information. Er wollte keine Zeit verlieren und sie mit nach Hause nehmen. Ganz einfach. Das, was er mit ihr vorhatte, würde ihn für den beschissenen Tag hoffentlich entschädigen. Monika war ganz nach seinem Geschmack: Ihre Figur konnte sich sehen lassen, sie war keck und flirtete mit ihm was das Zeug hält. Er fand schlichtweg, dass Ihre vollen Lippen zum Blasen gemacht waren. Sein Hirn lief im Stand-by-Modus, als er sie fragte, ob sie mit ihm nach Hause käme. Kaum ausgesprochen, hätte er sich am liebsten auf die Zunge gebissen. Zu schnell, zu plump. Umso mehr war er freudig erregt, als sie einfach zusagte. Was war er für ein Glückspilz! Michael konnte es kaum fassen. Sie schien eigentlich nicht der Typ Frau zu sein, die sich mir nichts dir nichts mit einem praktisch Fremden einlässt. Die Röte, die sich auf ihrem Gesicht ausbreite, signalisierte ihm, dass sie über ihre spontane Einwilligung ebenfalls überrascht war. Zu seinem Vorteil, stand sie anscheinend auf ältere Semester. Nicht, dass er sich mit 43 Jahren alt fühlte. Er war gut in Form und was er im Spiegel sah, gefiel ihm immer noch sehr gut. Dennoch war sie seiner Schätzung nach gute 15 Jahre jünger als er.

Seine Wohnung war nicht weit von der Wunder-Bar entfernt, worüber er an diesem Abend sehr froh war. Sie durfte es sich um Himmels willen nicht anders überlegen! Er führte Monika in seine Wohnung und konnte es kaum erwarten, mit dieser Frau im Bett oder wo auch immer zu landen. Lange musste er sich auch nicht gedulden. Kaum wurde die Türe hinter ihnen geschlossen, gab es für beide kein Halten mehr.

Ja, es geht mit der Geschichte weiter! Lass dich überraschen!

Fortsetzung folgt, Kurzgeschichte

One-Night-Stand (Part 1 / Monika)


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„Autsch!“ Monika stolperte die Treppe hinunter und konnte sich noch knapp am Handlauf auffangen. Selbstverständlich schlug sie bei diesem Unterfangen das Narrenbein an, welches einen elektrischen Schock durch ihren Körper jagte. Auf der Strasse angekommen, konnte sie durchatmen und ihr Puls normalisierte sich wieder.
Was für eine Nacht. Wow! Gestern Abend verabredete sie sich mit ihrer Freundin Nicole in der Wunder-Bar zu einem Drink. Wie schon so oft, sagte Nicole in letzter Minute das Treffen ab. Irgendwas kam wieder einmal dazwischen. Monika kann sich an all die mannigfaltigen Ausreden nicht mehr erinnern. So war eben Nicole. Monika hatte keine Lust, einfach wieder nach Hause zu gehen, nachdem sie eine Stunde lang im Badezimmer verbracht hat. Sie blieb an der Bar sitzen, genoss ihren Drink und beobachtete die Menschen um sich herum. Ihre Aufmerksamkeit blieb bei einem gutaussehenden Mann, wahrscheinlich Anfang vierzig, hängen. Auch er schien, wie sie, alleine hier zu sein. Er bemerkte, dass sie ihn beobachtete, taxierte sie kurz, nickte ihr zu und kam wie selbstverständlich zu ihr an den Tresen. Er stellte sich als Michael vor und spendierte ihr einen weiteren Drink, den sie gerne annahm. Sie war in Flirtlaune, wie schon lange nicht mehr. Ihre letzte Beziehung ging vor gut einem Jahr in die Brüche. Seitdem hatte sie sich auf keine amourösen Bekanntschaften mehr eingelassen.

Michael gefiel ihr. Definitiv. Er war von grosser Statur und gut gebaut, soweit sie letzteres beurteilen konnte. Er trug einen dunklen Anzug, der zu seiner schön gebräunten, makellosen Haut, seinen schwarzen Haaren und seinen braunen Augen passten. Einen Ring trug er zu Monikas Freude nicht. Dies und die Tatsache, dass er ohne Hehl Interesse an ihr bekundete, liess sie auf Wolke sieben schweben. Ein One-Night-Stand, war genau das, nachdem ihr den Sinn stand. Michael war kein Kind der Traurigkeit. Nach knapp dreissig Minuten, mit sexueller Energie geladenem Geplänkel, fragte er sie ohne Umschweife, ob sie Interesse hätte, ihn nach Hause zu begleiten. Monika willigte ohne Zögern  ein. Eigentlich war sie nicht bekannt für spontane Entscheidungen. Sie wusste nicht wieso, aber sie vertraute Michael.

Seine Wohnung war zum Glück nicht weit von der Wunder-Bar entfernt. Sie gingen zu Fuss und für Aussenstehende sah es aus, als wären sie ein frisch verliebtes Paar. Kaum in seinen vier Wänden angekommen, fielen sie regelrecht übereinander her. Monika genoss jede Berührung und gab sich völlig ihren Gefühlen hin. Nach ihrer langen sexuellen Durststrecke war diese Nacht eine Erlösung.

Monika erwachte um sechs Uhr in der Früh. Michael schlief tief und fest neben ihr. Sie fühlte sich entspannt wie schon seit Monaten nicht mehr. Es war eine einmalige Sache, dessen war sie sich bewusst. Monika wollte sich der sehr wahrscheinlichen Peinlichkeit des zusammen Erwachens sparen. Sie fand, dass es am sinnvollsten ist, einfach zu verschwinden. Leise stieg sie aus dem Bett, suchte ihre verstreuten Kleider in der Wohnung zusammen und verliess diese ohne nochmals zurück zu blicken.

One-Night-Stand (Part 2) folgt in wenigen Tagen. Stay tuned for more!