Kurzgeschichte

Fortsetzung folgt, Kurzgeschichte

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Teil 1: Das Kondom


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„Hast du ein Kondom?“

Es ist, als hätte sie ihm ein Kübel Eiswasser über den Kopf geleert. Eine unerotischere Frage hätte sie ihm zu diesem Zeitpunkt nicht stellen können. Er schaut sie aus zusammengekniffenen Augen an und was er erblickt, lässt ihn die Frage schon beinahe wieder vergessen: Sie sieht so schön aus unter ihm. Ihre Lippen sind rot und vom Küssen leicht geschwollen. Ihre Augen sind halb geschlossen, ihre Wangen gerötet und ihr kurzes, schwarzes Haar zerzaust. Sie strahlt pure Lust aus. Dennoch konnte sie diese ernüchternde Frage stellen.

Es dämmert ihm: „Oh, nein. Scheisse. Habe ich nicht. Nimmst du nicht die Pille?“ Sein Tonfall ist genervt und wirkt leicht zickig, was gar nicht zu ihm passt. Sie schaut ihn mit ihren dunklen brauen Augen an, verdreht diese und schnaubt. „Nein. Die nehme ich nicht. Ausserdem schützt die Pille auch nicht vor Geschlechtskrankheiten.“ Wieder verdreht sie ihre Augen, was er eigentlich gar nicht ausstehen kann, aber bei ihr wirkt es süss. Wie alles an ihr.

„Vertraust du mir nicht“?“ Er wirkt gekränkt. Denkt sie wirklich, dass er nicht sauber ist? „Das hat nichts mit Vertrauen zu tun, du Idiot.“ Hat sie ihn tatsächlich als einen Idioten betitelt? Sie beginnt sich unter ihm zu wegzudrehen. Wenn ihm nicht bald etwas einfällt, ist sie weg. Idiot hin oder her. Er möchte mehr als alles andere, dass sie bleibt. „Sorry. So meinte ich es nicht. Ich bin wirklich sauber. Ehrlich. Ich mache es sonst nie ohne Kondom.“ Sein Gestammel hört sich in seinen Ohren weinerlich und verzweifelt an. Er verflucht sich innerlich. Sie schaut ihn skeptisch an, bewegt sich aber nicht weiter, was sich für ihn wie ein kleiner Sieg anfühlt.

„Es ist mir egal, was du sonst tust. Ich mache es jedenfalls nicht ohne Kondom. Was machen wir jetzt?“ fragt sie ihn und räkelt sich und seine Lust wieder wieder von neuem entfacht.

Er stöhnt und lässt seinen Kopf in den Nacken fallen. Wieso bloss hat er seinen Kondomvorrat, als er das letzte benutzt hat, nicht aufgefüllt? Wieso nur? Er wusste ja schliesslich, dass es nicht lange dauern wird, bis er wieder einen One-Night-Stand in seinem Bett hat. Anbrennen lässt er nämlich nichts. Auch mit seinen 30 Jahren hat er kein Bedürfnis, sich zu binden. Eine Nacht und das war’s. Mehr liegt nicht drin. Er könnte diese Frau auch einfach gehen lassen und sich morgen, nachdem er Kondome gekauft hat, einen neuen Zeitvertreib suchen. Das könnte er. Aber irgendwas in seinem Innern will, dass sie bleibt. Es ist nicht nur ihre äussere, natürliche Erscheinung, die es ihm heute Abend angetan hat. Nein. Sie ist witzig, intelligent und nicht auf den Mund gefallen. Selten hat er einen Abend mit einer an und für sich fremden Frau genossen, wie heute. Sie hat Biss und Humor. Genau das gefällt ihm an ihr. Sie ist keine klassische Schönheit. Sie ist klein, mit Rundungen an Hüften und Po, kurzen Haaren, Piercings in Nase und Augenbrauen sowie Tattoos an den Armen. Vielleicht hat sie noch mehr davon, aber das entzieht sich aktuell seiner Kenntnis, da er sie zu seinem Bedauern noch nicht nackt gesehen hat. Eigentlich mag er keine Tattoos und Piercings. Aber zu ihr passen sie. Sie unterstreichen ihre Persönlichkeit. Und jetzt liegt sie hier. Unter ihm.

Sein Kopfkino lief schon in der Bar, in der er sie entdeckte, auf Hochtouren, und nun scheitert das die Umsetzung am fehlenden Kondom oder präziser, an den fehlenden Kondomen. Mehrzahl. Denn er glaubt nicht, dass eines reicht. Er hat zu viel vor mit ihr.

„Kann ich dich ein paar Minuten hier alleine lassen? Dann kann ich Kondome besorgen. Danach besorge ich es dir.“ Echt jetzt? Kann er sich noch peinlicher artikulieren? „Aus welchem Groschenroman bist denn du entsprungen?“ Sie kann sich kaum mehr halten vor Lachen und prustet nicht sehr damenhaft los. Er rollt sich über sie hinweg bis er neben ihr auf dem Rücken liegt. Mit seinem Arm verdeckt er aus Scham seine Augen. Als sie von ihrem Lachanfall erholt hat, stützt sie sich auf ihren Ellenbogen und schaut ihn an.

„An dir ist definitiv ein Poet verloren gegangen.“ Sie lächelt. „Hol die Kondome. Ich warte hier auf dich und verzehre mich nach deinen Berührungen.“ Schon wieder prustet sie los. Er nimmt den Arm von seinen Augen und stimmt in ihr Lachen ein. Dann steht er auf, zieht sie zu sich und gibt ihr einen innigen Kuss. Als er sie loslässt, ist ihr Blick verklärt, ihre Lippen leicht geöffnet und ihr Atem geht schwer. „Beeil dich!“ ist noch alles, was er hört, bevor er das Schlafzimmer verlässt.

Als er auf der Strasse steht, wird ihm erst bewusst, dass er keine Ahnung hat, wo er um diese unchristliche Zeit noch Kondome herbekommen soll. Wie ferngesteuert bewegt er sich in Richtung Bahnhof. Vielleicht hat ja die Apotheke dort einen 24-Stunden-Betrieb. Im Innersten weiss er, dass dem nicht so ist. Aber er braucht einen Plan. Immer wieder schweifen seine Gedanken zu dem sündigen Körper, der sich in seinem Bett befindet, zurück. Selten hat ihn eine Frau dermassen angemacht. Alles an ihr schien in seinen Augen perfekt. So sollte er definitiv nicht denken. Sie ist ein One-Night-Stand. Mehr nicht. Er kennt sie ja kaum.

Beim Bahnhof angekommen blickt er in ein dunkles Schaufenster, in dem er sich spiegelt. Er sieht allerdings nur die pure Verzweiflung, die ihn umgibt. Dann müssen halt seine und ihre Hand und Finger reichen. Sein eigener Aufmunterungsversuch gelingt ihm nicht überzeugend. Als er sich umdreht und sich wieder auf den Heimweg begeben will, erblickt er den Selecta-Automaten. Von weitem sieht er die Kondome. Sie leuchten in regelrecht an. Schnellen Schrittes geht er zum Automaten, und er hätte vor Erleichterung beinahe ein paar Tränen vergossen. Er reisst sich zusammen und zieht seine Geldbörse aus der rechten Gesässtasche. Innerlich betend, dass er sechs Franken in Münzen hat, schaut er im Münzfach nach. Schon wieder drohen die Tränen der Erleichterung überhand zu nehmen. Mit zitternden Fingern wirft er ein Fünf- und ein Einfrankenstück in den Münzschlitz und drückt die Nummer 37. Langsam wird die Kondompackung zum Abgrund befördert. Ein seliges Lächeln wird auf sein Gesicht gezaubert.

In Windeseile ist er wieder zu Hause. In seinem Zimmer. Sie liegt nun nackt in seinem Bett. Er hätte sich keine bessere Begrüssung wünschen können. Er legt sich zu ihr, und sie lässt seiner Fantasie keinen Spielraum mehr. Und ja, sie hat noch mehr Tattoos, die ihren Körper zieren und ihr Brustwarzen-Piercing lässt ihn trocken schlucken. „Hast du, die Kondome?“ Sie schaut ihn mit grossen, fragenden Augen an. Augen, in denen er sich leicht verlieren kann. „Ja. Die habe ich.“ „Auf was wartest du dann noch? Zieh dich aus und komm zu mir.“. Ihr Körper schmiegt sich warm und weich an ihn. Genau so muss es im Himmel sein.

„Wollen wir dort weitermachen, wo wir aufgehört haben“, fragt er sie flüsternd in ihr Ohr. Dann küsst er sie zärtlich und dennoch fordernd. Ihr Stöhnen an seinem Mund ist ihm Antwort genug. Er greift nach dem Kondom, welches er auf seinem Nachttisch platziert hat, und verliert sich in seiner und ihrer Lust.

Es geht weiter mit den beiden. Der 2. Teil „Der Schwangerschaftstest“ folgt in wenigen Tagen. Stay tuned.

Es würde ja etwas fehlen, wenn ich nicht noch die passende Musik zu Geschichte hätte.

 

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Das Buchcover ist da!


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Das Buch mit meinem gesammelten Kurzgeschichten nimmt immer mehr Form an. Jetzt steht schon das Buchcover. Das Foto entstand übrigens während meines Aufenthalts in New York im letzten Jahr. Andere richten ihr Bett nach dem Aufstehen, und ich mache halt ein Foto. 😜

Das Buch wird einen anderen Titel tragen, als meine Webseite. Der Grund ist ganz einfach: Es gibt schon ein Buch mit dem Titel „Geschichten, die das Leben schreibt“. Nach langem studieren kam mir dann „Das Leben – Mit dem hast Du nicht gerechnet“ in den Sinn. Der Titel passt, weil meine Kurzgeschichten aus dem Leben gegriffen sind, und sie in der Regel einen Schluss haben, mit dem man nicht rechnet.

Das Buchcover für die Kurzgeschichten

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Kapitel 8


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Als Stéphanie die Türe hinter sich schliesst, fällt Amélie in sich zusammen. Sie setzt sich auf die Couch und starrt die Umzugskisten, die Leons Sachen beinhalten an. Leere und eine noch nie dagewesene Kälte breitet sich in Amélies Brust aus. Sie ist wütend und möchte schreien. Ihre Kehle ist wie zugeschnürt.
Wie konnten sie ihr das bloss antun. Ihr Seelenverwandter, ihr Freund, ihr Vertrauter und ihre beste Freundin seit Gedenken. Wieso hat sie nichts bemerkt? War sie so blind oder wusste sie es und wollte es einfach nicht wahrhaben? Tausend Gedanken schwirren Amélie durch den Kopf. Jedes Fitzelchen eines Anzeichens dieses unglaublich schmerzhaften Betrugs ihrer zwei wichtigsten Personen im Leben lässt sie Revue passieren. Nichts. Keine Blicke haben die zwei in ihrer Gegenwart länger als nötig miteinander ausgetauscht, keine unnötigen Berührungen, keine versteckten Hinweise kann Amélie ausmachen. Leon und Stéphanie. Ein Gedanke, der Amélie vor Enttäuschung und unsäglicher Wut erzittern lässt.

Die angefangene Flasche Rotwein steht vor ihr auf dem Clubtisch. Sie nimmt die Flasche in die Hand und hätte diese am liebsten an die nächste Wand geschmettert. Sie braucht ein Ventil, sonst platzt sie. Sie geht in ihr Schlafzimmer. Leons Kleider sind noch im Schrank, bereit zum Einpacken. Der Brief liegt am Boden. Amélie trinkt einen grossen Schluck Wein direkt aus der Flasche und geht auf den Brief zu. Ihr kommt es vor, als lache dieser sie höhnisch aus. Sie nimmt noch einen grossen Schluck Wein, greift nach dem Brief und legt ihn in die Schublade ihres Nachttischs. Sie will diesen Brief behalten. Als Erinnerung und Warnung, dass sie keiner Menschenseele mehr vertrauen darf.

Sie geht zurück ins Wohnzimmer, immer noch direkt aus der Flasche trinkend. Der Wein beruhigt ihre Nerven und sie spürt den Alkohol, der durch ihre Adern fliesst. Sie ist keine grosse Trinkerin. Jetzt aber dürstet ihr nach mehr. Nach mehr Betäubung. Im Wohnzimmerschrank steht eine Flasche Gin. Ein Relikt aus vergangenen Tagen, als Amélie und Leon sich ab und zu einen Gin Tonic nach Feierabend gegönnt haben. Die Flasche ist halb voll. Sie stellt die mittlerweile leere Flasche Wein auf den Boden, greift nach dem Gin und setzt sich die Flasche an den Mund. Der Gin brennt ihr in der Kehle und sie fühlt die Wärme, die sich in ihr ausbreitet. Mit der Flasche in der Hand macht es sich Amélie wieder auf der Couch gemütlich. Immer wieder nimmt sie einen Schluck aus der Flasche, bis diese leer ist. Amélie sieht alles nur noch durch einen Schleier. Die Wohnung dreht sich um sie herum. Sie mag das Gefühl. Sie fühlt sich schwerelos. Ihre Gedanken schleppen sich langsam durch ihr Gehirn. Sie kann sie nicht mehr fassen und lässt sie weiterziehen. Langsam driftet sie weg in einen unruhigen Schlaf.

Mitten in der Nacht erwacht Amélie mit einem pochenden Kopf und einer Zunge, die mehr an Watte erinnert als an ein Sinnesorgan. Schwankend steht sie auf und geht zur Toilette. In ihrem Magen rumort es gewaltig und sie muss sich übergeben. Als sie nichts mehr weiter als Galle spuckt, lehnt sie sich an die Badewanne. Ihr Gesicht ist tränenüberströmt und sie fühlt sich, als wäre eine Horde Wildschweine über sie hinweggefegt. Langsam steht sie auf, wäscht sich ihr Gesicht und putzt ihre Zähne. Erschöpft lässt sie sich ins Bett fallen. Ans Schlafen ist nicht zu denken. Der Alkohol ist zwar noch in ihrem Körper anwesend, aber er betäubt sie nicht mehr. So prasseln alle Erinnerungen an die Vorkommnisse des vergangenen Tages ungefiltert auf sie ein. Grenzenlose Wut strömt durch Amélis Körper. „Du Drecksau! Du Hurenbock!“, schreit Amélie durchs Zimmer in die Dunkelheit. „Wieso Leon? Wieso? Verdammte Scheisse! Wieso?“

Amélie steht wieder auf, macht das Licht an und geht rastlos im Zimmer auf und ab. Ihr Kopf schmerzt noch immer, das nimmt sie jedoch nur am Rande war. Ihre körperlichen Schmerzen werden durch die innere Wut und das Feuer, das in ihr brennt, überdeckt. Sie beginnt wie von Sinnen sämtliche Habseligkeiten von Leon in die Kisten zu packen. Als sie alles weggeräumt hat, fühlt sie sich frei und wohl. Am liebsten hätte sie die Kisten nun genommen, mit Benzin übergossen und angezündet.

Sie legt sich wieder in ihr Bett und denkt nach. Was soll sie jetzt tun? Soll sie das Leben jetzt einfach weiterleben als wäre nichts geschehen? Als wäre sie nicht auf grausamen Art und Weise betrogen worden von den liebsten Menschen in ihrem Leben? Kann sie das? Will sie das?

Amélie starrt an die Decke und fasst einen tiefgreifenden Entschluss, der ihr Leben komplett verändern soll. Sie ist bereit. Sie muss es einfach tun.

Der passende Song zu diesem Kapitel:

So. Das war vorläufig das letzte Kapitel, das ich auf diese Art veröffentlicht habe. Ich werde aber weiterhin an der Geschichte arbeiten und weiter schreiben. Vielleicht erscheint die ganze Geschichte ja noch dieses Jahr als Buch. Lasst euch überraschen.

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One-Night-Stand (Part 5 / Monika)


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Die Sonne stand hoch am Himmel und sandte ihre Strahlen direkt in Monikas Schlafzimmer. Es war Sonntag und sie hatte noch keine Lust, sich aus ihrem Bett zu fläzen. Sie hielt ihren e-Reader in der Hand und versuchte sich auf das Buch zu konzentrieren. Mit wenig Erfolg. Ihre Gedanken schweiften ständig ab. Sie dachte an den morgigen Tag, an dem sie ihre neue Arbeitsstelle antreten wird. Bis vor wenigen Wochen war sie als Abteilungsleiterin in einer Unternehmensberatungsfirma tätig. Eigentlich hätte sie in diesem Jahr Partnerin werden sollen; so weit kam es leider nicht. Sie wurde bei der Beförderung übergangen, was sie ungemein ärgerte und tief verletzte. Die mitleidigen Blicke ihrer Kollegen ertrug sie nicht weiter. Monika suchte sich eine neue Herausforderung und fand diese sehr schnell.

Sie stand unmotiviert auf, ass eine Kleinigkeit zu ihrem Espresso und ging ins Fitness-Studio. Vielleicht half ihr ein Training, sich ein wenig abzulenken. Als sie zurück in ihre leere Wohnung kam, fühlte sie sich besser. Sie setzte sich vor den Fernseher und liess sich mit bedeutungsloser Unterhaltung berieseln. Nach dem obligaten Telefongespräch mit ihrer Mutter, welches immer am Sonntag gegen Abend statt fand, schob sie sich eine Tiefkühlpizza in den Ofen und öffnete eine Flasche Chianti Classico.  Gedankenverloren stand sie in der Küche, schwenkte das Glas mit dem Wein in der Hand und wartete bis die Pizza die richtige Bräune erlangte. Sie zwang sich, nicht an Michael zu denken. Schon den ganzen Tag versuchte sie ihn aus ihrem Kopf und ihren Gedanken zu drängen. Es gelang ihr schon ein wenig besser, wie sie mit einer gewissen Genugtuung bemerkte. Sie schaute sich den Tatort an und ging danach ins Bett.

Um Punkt sechs Uhr morgens wurde sie von ihrem Wecker unsanft aus dem Schlaf gerissen. Schlaftrunken stand sie auf und ging unter die Dusche. Lange stand sie vor ihrem Kleiderschrank, um sich ein passendes Outfit auszusuchen. Sie entschied sich für einen schwarzen Hosenanzug und eine weisse Bluse – ein unspektakulärer Klassiker. Nach dem Espresso und einem Blick auf die Newsportale im Internet, verliess sie ihre Wohnung. Sie hatte rund fünfzehn Minuten zu Fuss bis zu ihrem Arbeitsplatz, was mitunter eine entscheidende Rolle bei der Stellenwahl gespielt hatte. Sie meldete sich am Empfang und ihr neuer Vorgesetzter holte sie mit einem sympathischen Lächeln im Gesicht ab. Sie haben sich beim Vorstellungsgespräch schon sehr gut verstanden und sie freute sich auf die Zusammenarbeit mit ihm. Er zeigte Monika ihr neues Büro. Nachdem sie ihre Tasche deponiert hatte, folgte sie ihm zu ihren neuen Mitarbeitenden, welche sich ein Grossraumbüro teilten. Nach der Vorstellungsrunde gingen sie weiter zur Abteilung 2, die für eine andere Region als Monikas Team zuständig war.

Als sie zum Büro des Abteilungsleiters geführt wurde, stockte ihr der Atem; ihr Herz setzte für einen kurzen Moment aus und das Blut rauschte in ihren Ohren. Vor ihr stand Michael, der sie mit einem leicht verrutschten Lächeln und mit grossen Augen ungläubig anstarrte.

Wie durch einen dichten Nebel hörte sie ihren Chef  sagen: „Michael, das ist Monika, welche die Abteilung 1 in Zukunft führen wird. Wie besprochen, wirst du für ihre reibungslose Einarbeit zuständig sein.“

Fortsetzung folgt, Kurzgeschichte

One-Night-Stand (Part 4 / Michael)


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Schlaftrunken tastete Michael auf die Seite seines Bettes, auf der er Monika vermutete. Seine Hand griff ins Leere. Fuck! Er richtete sich auf und starrte auf die zerknautschte Bettdecke. „Monika?“, hört er sich in die leere Wohnung rufen. Nichts. Kein Ton. Er legte sich wieder hin und packte das Kissen, auf welchem Monikas Kopf gelegen hat, und drückte es sich auf sein Gesicht. Er atmete tief ein und genoss den Duft, den sie hinterlassen hatte. Sie roch so gut. Gepackt von einer grossen Wut, weil sie einfach mir nichts dir nichts abgehauen ist, schleuderte Michael das Kissen an die gegenüberliegende Wand. Fluchend stand er auf, kickte das Kissen unter das Bett und ging ins Wohnzimmer. Seine Kleider lagen verstreut im Wohnzimmer herum. Ihre Sachen waren verschwunden. Er schaute sich um, ob sie irgendwo eine Nachricht hinterlassen hatte. Nichts. Rein gar nichts. Frustriert ging er ins Badezimmer und stellte sich unter die Dusche. Er musste sich wieder einkriegen.

Was hatte diese Frau an sich, dass sie ihm einfach nicht aus seinen Kopf ging? Schon nur die Erinnerung an die Nacht mit Monika liess ihn wieder erregt erschaudern. Was für eine Scheisse! Er müsste froh sein, dass sie ohne Theater gegangen war. Es gab Frauen, die brachte er nur mit dem Versprechen, dass er sich bei ihnen melden wird, aus seiner Wohnung. Gemeldet hatte er sich aber noch nie. Wieso auch? Er hatte ja schliesslich bekommen, was er wollte: heissen und bedeutungslosen Sex. Eine Beziehung kam für ihn nicht in Frage. Zu schnell langweilte er sich. Michael liebte seine Unabhängigkeit und sein Leben als ewiger Junggeselle. Seine Freunde in festen Beziehungen, machten auf ihn jedenfalls nicht den Eindruck, dass das eine erstrebenswerte Lebensform wäre.

Nach der Dusche fühlte er sich wieder wie ein Mensch. Die Erinnerungen an Monika liess er nicht mehr zu. Er musste noch Besorgungen tätigen, also zog er seine Jeans und ein weisses Hemd an. Nach dem obligaten Espresso verliess er seine Wohnung. Es war bereits elf Uhr und auf den Strassen tummelte sich das Volk. Als Michael bei der, um diese Zeit noch geschlossene, Wunder-Bar vorbei ging, blieb er stehen, schaute hinein und sah wieder Monika vor seinem geistigen Auge. Fuck! Fuck! Fuck! Sie soll endlich aus seinen Gedanken verschwinden! Eilig ging er weiter, um nicht nochmals an dieses wunderbare Geschöpf erinnert zu werden. Sie fühlte sich so verdammt gut an. Ihr Körper war einsame Klasse und ihre leidenschaftliche Hingabe verschlug ihm fast den Atem. Genug! Er musste sich wieder auf das Hier und Jetzt konzentrieren.

Unterwegs traf er auf einen alten Freund und dessen Ehefrau. Gerne wäre er mit ihm auf ein Bier in ein Pub in der Nähe gegangen. Aber dieser hatte keine Zeit und musste mir seiner Frau weiter ziehen. Als Michael alle Besorgungen für diesen Tag erledigt hatte, ging er zurück in seine Wohnung. Sie kam ihm leer und verlassen vor. Er dachte kurz daran, in die Wunder-Bar zu gehen. Vielleicht war ja Monika wieder dort. Er hasste den Duft seiner Verzweiflung. Also verbrachte er den ganzen Abend vor dem Fernseher.

Fortsetzung folgt! Stay tuned for more!

Fortsetzung folgt, Kurzgeschichte

One-Night-Stand (Part 3 / Monika)


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Beschwingt kam Monika in ihrer Wohnung an. Sie fühlte sich nach wie vor gut und ausgelassen, obschon sie nicht viel geschlafen hat letzte Nacht. Leichte Röte stieg ihr ins Gesicht, als sie sich in Michaels Bett zurück erinnerte. Sie ging in die Küche und schaltete die Kaffeemaschine ein. Es war halb sieben in der früh. Der knapp halbstündige Spaziergang von Michaels Wohnung zu ihr nach Hause in ihren High Heels hatte ihren Füssen zugesetzt. Sie zog die Schuhe aus und schleuderte sie in die nächstbeste Ecke. Sie nahm eine Tasse aus dem Schrank und füllte sie mit Kaffee, ging damit ins Wohnzimmer und liess sich auf ihrer Couch nieder. Ihre geschunden Füsse legte sie auf den Beistelltisch. Die Wohnung kam ihr leer und einsam vor. Es war ruhig. Keine Geräusche drangen von der Strasse her hoch. Der Tag hatte noch nicht richtig begonnen. Langsam aber sicher legte sich Müdigkeit über Monika. Nachdem sie den Kaffee getrunken hatte, ging sie ins Bad, schminkte sich ab und stieg nackt ins Bett. An ihrem Körper haftete der Geruch von Sex. Michaels Duft. Sie war noch nicht bereit, sich die vergangene Nacht wegzuduschen. Mit einem lächeln im Gesicht driftete sie langsam ab.

Gegen Mittag erwachte sie aus einem traumlosen Schlaf, streckte sich und ging unter die Dusche. Das warme Wasser fühlte sich gut auf ihrer Haut an. Sie hatte noch einige Besorgungen zu erledigen. Als sie nach dem Einkauf nach Hause kam, rief sie ihre Freundin Nicole an. Sie erzählte ihr nichts von Michael. Das würde Nicole nicht verstehen. Sie konnte es ja selber kaum verstehen, wie sie sich dermassen hatte hinreissen lassen können. Noch nie hatte sie sich einem Mann so bedingungslos, ja hemmungslos, hingegeben. Dann erst noch einem Mann, mit dem sie gerade mal dreissig Minuten gesprochen hatte. Als sie das bedeutungslose und unehrliche Gespräch beendet hatte, fühlte sich Monika traurig und alleine wie nie zuvor. Sie war geübt im Alleinsein und hatte im Normalfall keine Probleme damit. Heute war es anders. Immer wieder sah sie sich und Michael vor dem inneren Auge. Er hatte bei ihr etwas ausgelöst, was sie seit Jahren unterdrückt hat: Pure Leidenschaft.

Monika hat schon einige Beziehungen hinter sich gelassen. Alle verliefen nach dem selben Muster: Frau trifft Mann, Frau und Mann verlieben sich, Mann verlässt Frau. Es war nichts anderes als serielle Monogamie. Die Affären dauerten in der Regel nie länger als ein halbes Jahr. Dramen gab es nie. Wo keine Dramen, ist auch keine Leidenschaft.

Lange dachte sie darüber nach, ob sie sich in Schale werfen soll. Vielleicht war ja Michael wieder in der Wunder-Bar anzutreffen. Dieser Gedanke liess sie nicht mehr los. Vielleicht würde er sie ja gerne wieder sehen. Eine Stimme in ihrem Kopf lachte bei diesem Gedanken höhnisch auf. Ja genau! Ein Mann möchte nichts sehnlichster als den letzten One-Night-Stand wieder treffen. Es gibt schliesslich einen Grund für das „One“. Der Gestank ihrer Verzweiflung hätte Michael wahrscheinlich hundert Meter gegen den Wind riechen können.

Sie verbrachte den ganzen Samstagabend vor dem Fernseher.

Fortsetzung folgt…

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One-Night-Stand (Part 2 / Michael)


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Was für ein elender Scheisstag! Michael verliess frustriert und angepisst sein Büro. Es gab Tage, da hasste er seinen Job aus tiefster Seele. Wenigstens war Freitag. Zwar schon nach acht Uhr, aber was soll’s. Die kühle Brise tat ihm gut und sein Ärger verrauchte ein wenig als er zu Fuss nach Hause ging. Er wollte sich vor den Fernseher fläzen, sich mit Chips vollstopfen und dazu die eine oder andere Flasche Bier leeren. Himmel! Tönte das gut! Er passierte die Wunder-Bar, entdeckte eine attraktive Mittzwanzigerin am Tresen und bevor er sich versah sass er an einem Zweiertisch, nippte an einem Dry Martini und begutachtete die Fremde. Es war ihm egal, dass seine Abenteuerlust ihm einen Strich durch die Rechnung und seine Abendplanung machte.

Sie schien ebenfalls Interesse an ihm zu bekunden. Er bemerkte ihre taxierenden Blicke. Kurzerhand stand er auf, ging zur ihr an den Tresen und lud sie zu einem Drink ein. Seinen Plan, dieses hübsche Ding in sein Bett zu kriegen, ging zu seiner Zufriedenheit voll und ganz auf. Sie biss schneller an, als dass er bis auf drei zählen konnte. Strike!

Sie stellte sich als Monika vor. Viel mehr musste er nicht von ihr wissen. Eigentlich war in seinen Augen der Name schon zu viel an Information. Er wollte keine Zeit verlieren und sie mit nach Hause nehmen. Ganz einfach. Das, was er mit ihr vorhatte, würde ihn für den beschissenen Tag hoffentlich entschädigen. Monika war ganz nach seinem Geschmack: Ihre Figur konnte sich sehen lassen, sie war keck und flirtete mit ihm was das Zeug hält. Er fand schlichtweg, dass Ihre vollen Lippen zum Blasen gemacht waren. Sein Hirn lief im Stand-by-Modus, als er sie fragte, ob sie mit ihm nach Hause käme. Kaum ausgesprochen, hätte er sich am liebsten auf die Zunge gebissen. Zu schnell, zu plump. Umso mehr war er freudig erregt, als sie einfach zusagte. Was war er für ein Glückspilz! Michael konnte es kaum fassen. Sie schien eigentlich nicht der Typ Frau zu sein, die sich mir nichts dir nichts mit einem praktisch Fremden einlässt. Die Röte, die sich auf ihrem Gesicht ausbreite, signalisierte ihm, dass sie über ihre spontane Einwilligung ebenfalls überrascht war. Zu seinem Vorteil, stand sie anscheinend auf ältere Semester. Nicht, dass er sich mit 43 Jahren alt fühlte. Er war gut in Form und was er im Spiegel sah, gefiel ihm immer noch sehr gut. Dennoch war sie seiner Schätzung nach gute 15 Jahre jünger als er.

Seine Wohnung war nicht weit von der Wunder-Bar entfernt, worüber er an diesem Abend sehr froh war. Sie durfte es sich um Himmels willen nicht anders überlegen! Er führte Monika in seine Wohnung und konnte es kaum erwarten, mit dieser Frau im Bett oder wo auch immer zu landen. Lange musste er sich auch nicht gedulden. Kaum wurde die Türe hinter ihnen geschlossen, gab es für beide kein Halten mehr.

Ja, es geht mit der Geschichte weiter! Lass dich überraschen!

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One-Night-Stand (Part 1 / Monika)


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„Autsch!“ Monika stolperte die Treppe hinunter und konnte sich noch knapp am Handlauf auffangen. Selbstverständlich schlug sie bei diesem Unterfangen das Narrenbein an, welches einen elektrischen Schock durch ihren Körper jagte. Auf der Strasse angekommen, konnte sie durchatmen und ihr Puls normalisierte sich wieder.
Was für eine Nacht. Wow! Gestern Abend verabredete sie sich mit ihrer Freundin Nicole in der Wunder-Bar zu einem Drink. Wie schon so oft, sagte Nicole in letzter Minute das Treffen ab. Irgendwas kam wieder einmal dazwischen. Monika kann sich an all die mannigfaltigen Ausreden nicht mehr erinnern. So war eben Nicole. Monika hatte keine Lust, einfach wieder nach Hause zu gehen, nachdem sie eine Stunde lang im Badezimmer verbracht hat. Sie blieb an der Bar sitzen, genoss ihren Drink und beobachtete die Menschen um sich herum. Ihre Aufmerksamkeit blieb bei einem gutaussehenden Mann, wahrscheinlich Anfang vierzig, hängen. Auch er schien, wie sie, alleine hier zu sein. Er bemerkte, dass sie ihn beobachtete, taxierte sie kurz, nickte ihr zu und kam wie selbstverständlich zu ihr an den Tresen. Er stellte sich als Michael vor und spendierte ihr einen weiteren Drink, den sie gerne annahm. Sie war in Flirtlaune, wie schon lange nicht mehr. Ihre letzte Beziehung ging vor gut einem Jahr in die Brüche. Seitdem hatte sie sich auf keine amourösen Bekanntschaften mehr eingelassen.

Michael gefiel ihr. Definitiv. Er war von grosser Statur und gut gebaut, soweit sie letzteres beurteilen konnte. Er trug einen dunklen Anzug, der zu seiner schön gebräunten, makellosen Haut, seinen schwarzen Haaren und seinen braunen Augen passten. Einen Ring trug er zu Monikas Freude nicht. Dies und die Tatsache, dass er ohne Hehl Interesse an ihr bekundete, liess sie auf Wolke sieben schweben. Ein One-Night-Stand, war genau das, nachdem ihr den Sinn stand. Michael war kein Kind der Traurigkeit. Nach knapp dreissig Minuten, mit sexueller Energie geladenem Geplänkel, fragte er sie ohne Umschweife, ob sie Interesse hätte, ihn nach Hause zu begleiten. Monika willigte ohne Zögern  ein. Eigentlich war sie nicht bekannt für spontane Entscheidungen. Sie wusste nicht wieso, aber sie vertraute Michael.

Seine Wohnung war zum Glück nicht weit von der Wunder-Bar entfernt. Sie gingen zu Fuss und für Aussenstehende sah es aus, als wären sie ein frisch verliebtes Paar. Kaum in seinen vier Wänden angekommen, fielen sie regelrecht übereinander her. Monika genoss jede Berührung und gab sich völlig ihren Gefühlen hin. Nach ihrer langen sexuellen Durststrecke war diese Nacht eine Erlösung.

Monika erwachte um sechs Uhr in der Früh. Michael schlief tief und fest neben ihr. Sie fühlte sich entspannt wie schon seit Monaten nicht mehr. Es war eine einmalige Sache, dessen war sie sich bewusst. Monika wollte sich der sehr wahrscheinlichen Peinlichkeit des zusammen Erwachens sparen. Sie fand, dass es am sinnvollsten ist, einfach zu verschwinden. Leise stieg sie aus dem Bett, suchte ihre verstreuten Kleider in der Wohnung zusammen und verliess diese ohne nochmals zurück zu blicken.

One-Night-Stand (Part 2) folgt in wenigen Tagen. Stay tuned for more!