Allgemeines, Kurzroman

Amélie und Leon ( Schnipsel)


Keine Kommentare

Auch wenn man nichts davon sieht oder hört: Ich bin am Weiterschreiben an der Geschichte von Amélie und Leon. Ich hoffe sehr, dass ich bis Ende September die ganze Story auf Papier haben werde.

Hier eine kleine Vorschau:

Schlaftrunken öffnet Amélie ihre Augen. In ihrem kleinen Motelzimmer ist die Luft stickig, verbraucht und riecht abgestanden. Amélie versucht sich zu orientieren, was gar nicht so einfach ist. In ihrem Kopf hämmern gefühlte hundert Bauarbeiter im Akkord und ihr wattierter Geschmack im Mund lässt sie wieder an ihren übermässigen Alkoholkonsum von gestern Abend erinnern. Übel. Das ist nur der Vorname. In ihrem Magen wird gerade ausufernd Samba getanzt. Amélie ist sich nicht ganz sicher, ob sie aufstehen kann, sollte sie sich übergeben müssen.

Zum Verständnis (wird im Buch in einem anderen Kapitel stehen): Sie war gestern lange unterwegs und hielt gegen Abend nach einer günstigen Absteige Ausschau und hatte sie in diesem schäbigen Motel schliesslich gefunden. Nachdem sie ihr Zimmer, oder wie auch immer man dieses Drecksloch betiteln möchte, bezogen hatte, wollte sie den kleinen und unscheinbaren Ort erkunden. Auch konnte sie den Abend nicht in dieser muffigen und schäbigen Bude verbringen. Da die Ortschaft nicht viel bis gar nichts zu bieten hat, ging Amélie in die nächstbeste Bar, ass eine Portion lappige Pommes mit wahrscheinlich zehn Jahre alten Chicken Nuggets und trank das eine oder andere kühle Bier. Es war warm und tropisch schwül. Ihre Kleidung klebte an ihrem Körper und zwischen ihren Brüsten und im Nacken sammelte sich ihr Schweiss. Die Klimaanlage in der Bar war laut, kühlte aber nicht. Es mussten mindesten 30 Grad Celsius sein und eine Luftfeuchtigkeit von 99%. Amélie sass an der Bar und wartete bis der Alkohol ihr die nötige Bettschwere gab, damit sie in diesem versifften Bett einigermassen gut einschlafen konnte.

Irgendwann im Laufe des Abends kamen ein paar Typen in die Bar, die sie in ein amüsantes Gespräch verwickelten. Sie war schon lange nicht mehr so ausgelassen gewesen. Die Jungs waren unterhaltsam und sie mochte ihren Humor. Sie tranken Bier und Tequila, tanzten zu alter Country-und Rockmusik aus der noch älteren Juke Box. Amélie genoss die unkomplizierte und lockere Zusammenkunft mit diesen fremden Männern. Sie fühlte sich frei. Sie lebte! Dieses Gefühl hatte sie schon lange nicht mehr so bewusst gespürt und gefühlt. Sie war den letzten Monat viel alleine, aber nie einsam.

Amélie versucht sich an den ganzen Abend zu erinnern. Ohne grossen Erfolg. Wann und wie sie ins Bett gekommen ist, liegt unter einem dichten Schleier. Filmriss. Sie weiss nicht, wann ihr das das letzte Mal passiert ist. Ist es ihr überhaupt schon einmal passiert? Mit Leon sicher nicht. Er war immer strikte gegen übermässigen Alkoholkonsum und hielt sie immer davon ab, zu viel zu trinken. Was ja nichts Schlechtes war. Trotz des Katers, der aus einer anderen Dimension stammt, geniesst sie paradoxerweise dieses Gefühl. Es ist neu. (Amélie hat unterwegs beschlossen, dass alles, was neu ist, gut ist.) Ihr Magen beginnt zu rebellieren und sie spürt, wie sich ihr Mageninhalt, der hauptsächlich aus Bier und Tequila besteht, verselbständigt.

Obschon der Teppich wahrscheinlich vor zwanzig Jahren das letzte Mal gereinigt worden ist, springt sie ohne nachzudenken aus dem Bett und hechtet barfuss ins kleine und schmutzige Bad. Sie übergibt sich in die Badewanne, da sie die Schüssel unter keinen Umständen getroffen hätte. Sie würgt. Ihre Haare fallen ihr ins Gesicht. Als ihr Magen leer ist, dreht sie sich um und setzt sich auf den Boden. Der Badewannenrand gibt ihr Halt. Ihr Kopf scheint einer Explosion nahe. Sie schliesst erschöpft die Augen. Ein undefinierbares Geräusch aus dem Schlafzimmer lässt sie aufschrecken. Sie öffnet ihre Augen und kann nicht fassen, was sie sieht. Der laute Schrei,den sie hört, stammt von ihr…

Der passende Kater-Song 🙂

 

 

 

 

 

 

Advertisements
Allgemeines, Kurzroman

One-Night-Stand (Part 8 / Michael)


Keine Kommentare

Als Michael am Abend nach Hause kommt, hat seine Laune einen noch nie dagewesenen Tiefpunkt erreicht. Wütend schlägt er hinter sich die Türe ins Schloss. Er streift seine Schuhe ab und katapultiert diese mit Schwung in die nächstbeste Ecke. Unterwegs zur Küche zieht er seine Krawatte aus und lässt sie mit samt seinem Sakko auf den Boden gleiten. Er öffnet den Kühlschrank, greift nach einer Bierdose, setzt sie an und trinkt einen grossen Schluck. Ah! Das tut gut. Sein Ärger ist zwar noch da, aber das kühle Bier hat das Feuer ein wenig eingedämmt. Was für ein Tag. Gedankenverloren starrt er aus dem Fenster. Dunkle Wolken liegen über der Stadt, und es nieselt. Genau das passende Wetter zu seiner Stimmung. Rein gar nichts ist heute so gelaufen, wie er wollte. Zuerst die Begegnung mit Monika, die ihm den Boden unter den Füssen weggezogen hat. Dann das Zusammentreffen in seinem Büro. Er hat gesehen, wie die Lust in ihr aufgelodert ist, als sie in sein Reich trat. Es ging ihm ja genau gleich. Was hätte er nicht alles für eine Berührung, einen Hauch von ihr gegeben. Aber nein. Er musste ja das Arschloch spielen. Am liebsten hätte er sich gleich nach seiner fiesen Retourkutsche geohrfeigt. Ihr Blick hat dies übernommen. Er sah in ihren Augen Verletzung und Enttäuschung. Das konnte er ihr nicht verübeln.
Gut. Eigentlich wollte sie es doch vergessen. Er hat es nur noch bestätigt, dass das definitiv in seinem Sinn ist. Wenn er es genau nahm, war es ihre Schuld, dass er so reagiert hat. Was hat sie erwartet? Diese Frau brachte ihn um seinen Verstand. Er rauft sich die Haare und gönnt sich einen weiteren grossen Schluck aus der Dose.

Und dann das Mittagessen: Das war für ihn zu viel des Guten. Sie gingen zum Lieblingsitaliener seines Chefs. Das Lokal ist klein, die Bestuhlung eng und er musste sich natürlich direkt neben Monika platzieren. Ihr Geruch, ihre Präsenz hüllten ihn ein und immer wieder kam es ungewollten Berührungen. Ganz ehrlich: So ungewollt waren sie von seiner Seite her nicht. Er musste sie immer wieder berühren. Es war wie ein Zwang, dem er nichts entgegenhalten konnte oder wollte. Aber das Schlimmste am ganzen Essen war der Kellner. Michael hätte ihn am liebsten verprügelt. Der Kellner flirtete doch tatsächlich mit Monika. Mit seiner Monika, vor seinen Augen. Und wäre das nicht genug, sie flirtete ganz offensichtlich und unverhohlen zurück. Das war ja wohl der Gipfel der absoluten Frechheit! So ein unprofessionelles Gebaren war ihm noch nie unter gekommen. Diese Frau hatte schlichtweg keinen Stil. Was hat sie sich bloss dabei gedacht? Wollte sie ihn eifersüchtig machen? Wenn ja, das ist ihr definitiv nicht gelungen. Er und eifersüchtig. Pah! Was bildete sich dieses Weibsbild eigentlich ein? Seine Bierdose ist leer. Wirklich viel gebracht hat ihm das Inhalieren des Bieres nicht. Er drückt die Dose zusammen, wirft sie in hohem Bogen ins Spülbecken und schnappt sich eine neue aus dem Kühlschrank.

Sie hat den Kellner doch tatsächlich angelächelt. Genauso wie sie ihn angelächelt hatte am letzten Freitag, bevor sie in seine Wohnung gingen. Hätte Monika nicht wieder ins Büro gehen müssen, wäre sie wahrscheinlich mit dem Kellner abgerauscht. Sie hat auf jeden Fall den ganzen Nachmittag, als sie zusammen diverse Abläufe und Pendenzen durchgegangen sind, vor sich hin gelächelt. Nicht wegen ihm, obwohl er versucht hat, ihr Interesse wieder auf sich zu lenken. Nein. Sie war einfach distanziert freundlich und tat ausserordentlich interessiert, wenn er ihr etwas erklärte. Mit ihren Gedanken war sie aber woanders. Das spürte er genau. Bei der Zusammenarbeit fiel ihm etwas Neues an Monika auf: Sie war nicht nur sehr attraktiv, sondern auch intelligent. Eine Kombination, die in seinen Augen an Seltenheit kaum zu überbieten ist.

Will er Monika näher kennen lernen? Will er Monika in sein Leben lassen? Nach langem gedanklichen hin und her fasst Michael seinen Entschluss: Er will sie. Er will sie so sehr wieder in seinem Bett haben. Sie nochmals spüren. Ein „Mehr“ kommt für ihn dennoch nicht in Frage. Seine Freiheit ist ihm zu wichtig. Es wird nur noch eine zweite und gleichzeitig letzte Nacht geben. Die sexuelle Anziehungskraft wird danach sicherlich Geschichte sein und er kann das Kapitel Monika abschliessen und weiter ziehen. Sie werden beide merken, dass da nicht mehr daraus werden kann. Sie werden merken, dass der atemberaubende Sex nur beim ersten Mal so absolut befriedigend war. Sie werden merken, dass die körperliche Begierde gestillt sein wird. Er ist überzeugt, dass das die einzige Lösung ist, aus dieser Situation heraus zu kommen. Jetzt muss er nur noch Monika davon überzeugen. Das macht ihm wenig Sorgen. Sie wird die Notwendigkeit dieser zweiten und letzten Nacht einsehen. Das wird sie garantiert.

Irgendwie passend zu diesem Kapitel…

Allgemeines

FrauenGeschichten


Keine Kommentare

Per Post erhielt ich ein gedrucktes Exemplar von „FrauenGeschichten“. Das Buch enthält Kurzgeschichten geschrieben von Frauen für Frauen und Männer. Die Herausgeberin ist die Apothekenvereinigung TopPharm.

Es ist ein grossartiges Gefühl, als ich meinen Namen darin entdeckte. Denn eine meiner Kurzgeschichten wurde auserkoren und abgedruckt. Ein wenig Stolz bin ich schon darauf – auch wenn ich ausser Ruhm und Ehre nichts weiter erhalte. Das ist gut so. Die TopPharm wird den ganzen Reinerlös des Buches zugunsten betreuter Wohnmöglichkeiten für Mutter und Kind, www.mutterkindwohnen.ch, spenden.

Die Bücher können für 19.50 Franken online bestellt werden.

Hier findest du den Link zur Bestellung:
https://www.toppharm.ch/frauengeschichten

Ich wünsche viel Spass beim Lesen!

Finde ich dazu irgendwie passend… 🙂

Allgemeines, Fortsetzung folgt

One-Night-Stand (Part 7 / Monika)


Keine Kommentare

Angespannt und steif geht Monika neben ihrem Vorgesetzten her. In ihrem Rücken spürt sie den Blick von Michael. Krampfhaft versucht sie sich auf das Geplapper ihres Chefs zu konzentrieren. Mit sehr geringem Erfolg. Sie ist aufgebracht und wütend. Sie hat das Gefühl, dass Dampf aus ihren Ohren steigt. Michael! Was für ein fieses und arrogantes Arschloch. Seine schleimige und scheinheilige Begrüssung, die blasierte Art und Weise wie er sie musterte, die anzügliche Bemerkung betreffend Einarbeitungsprogramm. Sie hätte sich am liebsten in ihren Allerwertesten getreten. Das ganze Wochenende hatte sie sich nach ihm gesehnt. Nach seinen Berührungen, nach seinem Duft, nach seinem Atem auf ihrer Haut. Die wunderschöne und befriedigende Nacht hat sich in ihr Gehirn eingebrannt. Und jetzt? Eine kalte Dusche ist pipifax dagegen. Er hat sie despektierlich gemustert. Er sie! Er, der wahrscheinlich jedes Wochenende seine Hand in einem anderen Höschen verschwinden lässt. Was heisst hier Hand? Wahrscheinlich ganz andere Körperteile. Monika versucht mit ihrem Chef Schritt zu halten. Dieser bemerkt nicht, wie aufgewühlt sie ist.
Nach dem Rundgang durch die Büros bringt er Monika zurück zu ihrem Arbeitsplatz. Sie solle sich einrichten und sich dann bei Michael melden, damit sie das Einführungsprogamm durchgehen können. Beim Namen Michael zuck Monika innerlich zusammen. Ja genau. Der Albtraum hat ja noch gar nicht richtig begonnen. „Ist es Ihnen recht, wenn wir uns zum Lunch treffen? Michael wird uns begleiten.“, fragt sie ihr Chef. „Nein! Das ist mir gar nicht recht! Ich gehe nicht mit diesem Arsch essen.“, schreit Monika in Gedanken. „Ja. Selbstverständlich. Sehr gerne.“, kommt ihr über ihre blassen Lippen. Sie kann sich zu einem Lächeln durchringen. „Gut. Dann sehen wir uns pünktlich um zwölf Uhr“. Ihr Chef verschwindet aus ihrem Blickfeld und Monika atmet zweimal tief ein und aus, um ihr rasender Puls zu beruhigen. Wieso bring sie Michael dermassen aus dem Konzept. Bereits nach ihrer Nacht, als ihr Körper und ihr Verstand nach mehr lechzten. Nach mehr Michael. Sie schüttelt ihren Kopf. Dieses Gefühlschaos kann sie nun wirklich nicht gebrauchen.

Nachdem sie sich einigermassen in ihrem Büro eingerichtet hat, geht sie zu ihrem Team und spricht mit den einen und anderen Mitarbeitenden über aktuelle Themen, bevor sie den Gang nach Canossa antritt. Ihre Mitarbeitenden scheinen sehr freundlich, hilfsbereit und motiviert zu sein, was Monika sehr freut. Wenigstens bleibt ihr ein demotivierter Haufen erspart. Als sie sich auf den Weg zu Michaels Büro macht, schlägt ihr Herz in der Brust, als möchte es hinaus hüpfen. Sie macht einen kurzen Abstecher auf die Toilette, um sich zu sammeln. Ihr Anblick im Spiegel gefällt ihr gar nicht. Weit aufgerissene Augen, blasse Lippen, blasse Wangen und ein gehetzter Ausdruck im Gesicht blicken ihr entgegen. Sie stützt sich auf dem Waschbecken ab, atmet tief ein und aus. Kneift sich in die Wangen, beisst sich auf die Lippen. Besser. Ein letzter Kontrollblick in den Spiegel und sie verlässt die Toilette erhobenen Hauptes und  mit gestrafften Schultern. So. Soll sich der Mistkerl denken was er will. Sie lässt sich von ihm nicht klein kriegen. Auch wenn er ihr bei der Begrüssung das Gefühl gab, die grösste Schlampe des ganzen Universums zu sein, weiss sie es besser. Das allein ist entscheidend. Was dieser arrogante Schwachmat von ihr denkt, wird ihr mehr als egal sein. Sie kann darauf pfeifen. Mit diesen Gedanken betritt sie Michaels Büro und sämtliche guten Vorsätze verflüchtigen sich wie Wasserstoffgas. Puff! Weg!

Michael sitzt hinter seinem Schreibtisch, konzentriert liest er ein Dokument. Dieser Anblick lässt Monika den Atem stocken. Er sieht so sexy aus. Seine Anzugjacke hat er ausgezogen und sein weisses Hemd sitzt ihm wie angegossen. Die Ärmel hat er umgekrempelt. Seine Haare sind leicht zerzaust, da er sich wahrscheinlich mit der Hand schon mehrfach durch seine dunklen Haare gefahren ist. Er strahlt eine Selbstsicherheit aus, die schon als arrogant bezeichnet werden kann. Dies alles erfasst Monika wie eine Welle. Sie begehrt ihn. Mit Haut und Haaren. Genau die Haare, in welche sie greifen möchte, während er sie auf seinem Schreibtisch platziert, ihre Beine spreizt und…

In dem Moment schaut Michael von seinem Dokument auf und schaut sie mit intensivem Blick an. Monika spürt, wie ihr Blut in ihren Kopf steigt. Sie spürt die Hitze, die sich in ihrem Gesicht ausbreitet. So in etwa muss sich ein zu stark gefüllter Luftballon fühlen, schiesst ihr durch den Kopf. Michael grinst sie mit einem überlegenen Lächeln an.“Gefällt dir, was du siehst?“, fragt er sie lakonisch. Monika fühlt sich ertappt und in ihre Kindheit zurück versetzt, als sie verbotener Weise Schokolade vor dem Nachtessen naschte. Sie räuspert sich und geht strammen Schrittes auf Michael zu, der seine Arme hinter seinem Kopf verschränkt hat und sich selbstsicher in seinem Stuhl zurück lehnt. Sein Blick nimmt jede Bewegung von Monika auf. Am Schreibtisch angekommen, stützt sie sich auf, blickt Michael tief in die Augen und sagt mit eisiger Stimme: „Lass das, Michael. Wir sind schliesslich erwachsene Menschen, die am letzten Wochenende Spass miteinander hatten. Vergessen wir das ganze und gehen professionell miteinander um, als würden wir uns nicht kennen, was ja grundsätzlich stimmt.“ Michael schnellt mit seinem Stuhl nach vorne und ihre Gesichter sind kaum fünf Zentimeter voneinander entfernt. Sie spürt seinen Atem auf ihrem Gesicht. „Da stimme ich dir voll und ganz zu. Ich mag keine Dramen. Vergessen wir, was zwischen uns war. Viel war es ja nicht.“ Bämmm!

Hier der passende Song zu diesem Kapitel.

 

Die ganz aufmerksamen Lesenden unter euch haben es wahrscheinlich bemerkt: Die Zeit hat sich verändert. Bis zum vorhergehenden Kapitel habe ich in der Vergangenheit geschrieben. Das fiel mir zusehends schwerer und daher habe ich mich entschieden, nun in der Gegenwart zu schreiben. Ich persönlich empfinde dies auch angenehmer zum Lesen. Was meint ihr? Die Kapitel 1 bis 6 werde ich bei Gelegenheit anpassen und umschreiben. Damit der Roman wie aus einem Guss daher kommt.

Allgemeines

Update


Keine Kommentare

Uff! Die Zeit läuft und ich hinke mit dem Schreiben grausam dem Zeitplan nach. Im Kopf ist das neue Kapitel bereits entstanden. Jetzt muss ich es „nur“ noch aufschreiben. Eines sei verraten: Es geht mit dem One-Night-Stand weiter.
Im Hintergrund bin ich an der Bearbeitung des Romans „Amélie und Leon“. Dieses Projekt mach mir sehr grosse Freude und ich hoffe, euch bald einen Schnipsel präsentieren zu können.

Habt ein wenig Geduld und bleibt mir treu! 🙂

Dankeschön!

 

Allgemeines, Fortsetzung folgt

One-Night-Stand (Part 6 / Michael)


Keine Kommentare

Holy shit! Das war das Einzige, was Michael beim Zusammentreffen mit Monika in den Sinn kam. Er konnte es nicht fassen. Seine Monika stand wunderschön und anmutig direkt vor ihm. Seine Monika, die ihm seit Freitagnacht nicht mehr klar denken lässt. Seine Monika, deren Duft noch immer am Kopfkissen haftet. Woher dieser plötzliche Besitzanspruch kam, wusste er nicht und wollte sich auch nicht mit diesem Thema auseinandersetzen. Seine Monika und damit basta. Er wusste, dass heute die neue Teamleiterin beginnen würde. Sein Chef hat schon in den höchsten Tönen von ihr geschwärmt. „Eine Koryphäe! Wir können froh sein, konnten wir sie für uns gewinnen. Sie ist blitzgescheit und sieht erst noch gut aus.“ Das waren seine Worte und Michael dachte sich nichts weiter dabei. Ihm war es egal, wer das andere Team künftig leiten würde. Und jetzt steht seine Monika vor ihm!

Michael versuchte sich professionell und freundlich zu verhalten und hoffte inständig, dass seinem Chef der erste Schock nicht aufgefallen ist. Er lächelte Monika schief an und schüttelte ihr die Hand zur Begrüssung. Seine Hand war eiskalt und feucht, ihre warm und weich. Monika ging demnach das unvorhergesehene Zusammentreffen nicht so sehr an die Substanz wie ihm. Sie blickte ihn an, als würde sie ihn zum ersten Mal sehen. Dass sie so souverän mit der Situation umgehen konnte und er sich aufführte wie ein hormongesteuerter Teenager, der das erste Mal ein Mädchen berühren durfte, nervte Michael ungemein. Sie müsste sich doch unbehaglich fühlen nicht er. Er war schliesslich derjenige, der mit allen Wassern gewaschen ist. Monika wirkte auf ihn so abgebrüht. So gefühlskalt. Sie sah doch in der Bar noch so unschuldig und Mädchenhaft aus. Wahrscheinlich ging sie regelmässig auf Männerfang. Mit dieser Unschuldsmasche fand sie sicherlich immer wieder Männer, die sie auf eine schnelle Nummer nach Hause begleiten durften. Wie aus heiterem Himmel traf ihn diese Erkenntnis. Er dachte wirklich, dass sie so etwas wie mit ihm noch nie gemacht hätte. Sie war wahrscheinlich eine Meisterin des One-Night-Stands, hatte den schwarzen Gürtel. Für sie gibt es nichts anderes als eine kurze Nummer. Darum ist sie auch einfach bei Nacht und Nebel aus seiner Wohnung geflüchtet. Darum hat sie ihm keine Nachricht hinterlassen. Darum wollte sie ihn nicht mehr sehen. Er war für sie eine unbedeutende Bettgeschichte. Michael fühlte sich benutzt und tief verletzt. Er schnaubte verächtlich.

„Alles in Ordnung Michael?“ fragte ihn sein Chef. „Ja. Alles bestens.“, gab Michael mit einem süffisanten Lächeln zur Antwort. „Ich zeige Monika gerne alles. Sie soll sich doch bei uns wohl fühlen, damit sie nicht gleich nach einem Tag wieder geht.“ Sein Chef blickte Michael mit hochgezogenen Augenbrauen an, ging aber nicht weiter darauf ein. „Wir gehen dann mal weiter. Sobald wir mit dem Rundgang fertig sind, könnt ihr euch treffen und die Details des Einarbeitungsplanes besprechen.“ Er führte Monika, die noch keinen Ton von sich gegeben hat, was keinem der Männer aufgefallen ist, weiter. Michael blickte den beiden nach. In ihm begann sich eine unbändige Wut aufzustauen. Dieser Hüftschwung! Wie konnte sie nur! Fuck! Er fühlte sich von ihr verarscht. Ihr Duft hing in der Luft. Es war kein Parfüm. Es war ein Duft aus Vanille und Honig. Einfach Monika. Rein und sauber. Pah! Michael drehte sich auf seinem Absatz um und stampfte zurück in sein Büro. Ihr wird ihr Hüftschwung schon noch vergehen. Als er seinen Schreibtisch anblickte sah er vor seinem geistigen Auge Monika, die sich nackt und lasziv auf seinem Tisch räkelt. Fucking Kopfkino!

Und wie geht es Monika nach dieser Begegnung? Das nächste Kapitel folgt…

Allgemeines, Kurzgeschichte

Kapitel 8


Keine Kommentare

Als Stéphanie die Türe hinter sich schliesst, fällt Amélie in sich zusammen. Sie setzt sich auf die Couch und starrt die Umzugskisten, die Leons Sachen beinhalten an. Leere und eine noch nie dagewesene Kälte breitet sich in Amélies Brust aus. Sie ist wütend und möchte schreien. Ihre Kehle ist wie zugeschnürt.
Wie konnten sie ihr das bloss antun. Ihr Seelenverwandter, ihr Freund, ihr Vertrauter und ihre beste Freundin seit Gedenken. Wieso hat sie nichts bemerkt? War sie so blind oder wusste sie es und wollte es einfach nicht wahrhaben? Tausend Gedanken schwirren Amélie durch den Kopf. Jedes Fitzelchen eines Anzeichens dieses unglaublich schmerzhaften Betrugs ihrer zwei wichtigsten Personen im Leben lässt sie Revue passieren. Nichts. Keine Blicke haben die zwei in ihrer Gegenwart länger als nötig miteinander ausgetauscht, keine unnötigen Berührungen, keine versteckten Hinweise kann Amélie ausmachen. Leon und Stéphanie. Ein Gedanke, der Amélie vor Enttäuschung und unsäglicher Wut erzittern lässt.

Die angefangene Flasche Rotwein steht vor ihr auf dem Clubtisch. Sie nimmt die Flasche in die Hand und hätte diese am liebsten an die nächste Wand geschmettert. Sie braucht ein Ventil, sonst platzt sie. Sie geht in ihr Schlafzimmer. Leons Kleider sind noch im Schrank, bereit zum Einpacken. Der Brief liegt am Boden. Amélie trinkt einen grossen Schluck Wein direkt aus der Flasche und geht auf den Brief zu. Ihr kommt es vor, als lache dieser sie höhnisch aus. Sie nimmt noch einen grossen Schluck Wein, greift nach dem Brief und legt ihn in die Schublade ihres Nachttischs. Sie will diesen Brief behalten. Als Erinnerung und Warnung, dass sie keiner Menschenseele mehr vertrauen darf.

Sie geht zurück ins Wohnzimmer, immer noch direkt aus der Flasche trinkend. Der Wein beruhigt ihre Nerven und sie spürt den Alkohol, der durch ihre Adern fliesst. Sie ist keine grosse Trinkerin. Jetzt aber dürstet ihr nach mehr. Nach mehr Betäubung. Im Wohnzimmerschrank steht eine Flasche Gin. Ein Relikt aus vergangenen Tagen, als Amélie und Leon sich ab und zu einen Gin Tonic nach Feierabend gegönnt haben. Die Flasche ist halb voll. Sie stellt die mittlerweile leere Flasche Wein auf den Boden, greift nach dem Gin und setzt sich die Flasche an den Mund. Der Gin brennt ihr in der Kehle und sie fühlt die Wärme, die sich in ihr ausbreitet. Mit der Flasche in der Hand macht es sich Amélie wieder auf der Couch gemütlich. Immer wieder nimmt sie einen Schluck aus der Flasche, bis diese leer ist. Amélie sieht alles nur noch durch einen Schleier. Die Wohnung dreht sich um sie herum. Sie mag das Gefühl. Sie fühlt sich schwerelos. Ihre Gedanken schleppen sich langsam durch ihr Gehirn. Sie kann sie nicht mehr fassen und lässt sie weiterziehen. Langsam driftet sie weg in einen unruhigen Schlaf.

Mitten in der Nacht erwacht Amélie mit einem pochenden Kopf und einer Zunge, die mehr an Watte erinnert als an ein Sinnesorgan. Schwankend steht sie auf und geht zur Toilette. In ihrem Magen rumort es gewaltig und sie muss sich übergeben. Als sie nichts mehr weiter als Galle spuckt, lehnt sie sich an die Badewanne. Ihr Gesicht ist tränenüberströmt und sie fühlt sich, als wäre eine Horde Wildschweine über sie hinweggefegt. Langsam steht sie auf, wäscht sich ihr Gesicht und putzt ihre Zähne. Erschöpft lässt sie sich ins Bett fallen. Ans Schlafen ist nicht zu denken. Der Alkohol ist zwar noch in ihrem Körper anwesend, aber er betäubt sie nicht mehr. So prasseln alle Erinnerungen an die Vorkommnisse des vergangenen Tages ungefiltert auf sie ein. Grenzenlose Wut strömt durch Amélis Körper. „Du Drecksau! Du Hurenbock!“, schreit Amélie durchs Zimmer in die Dunkelheit. „Wieso Leon? Wieso? Verdammte Scheisse! Wieso?“

Amélie steht wieder auf, macht das Licht an und geht rastlos im Zimmer auf und ab. Ihr Kopf schmerzt noch immer, das nimmt sie jedoch nur am Rande war. Ihre körperlichen Schmerzen werden durch die innere Wut und das Feuer, das in ihr brennt, überdeckt. Sie beginnt wie von Sinnen sämtliche Habseligkeiten von Leon in die Kisten zu packen. Als sie alles weggeräumt hat, fühlt sie sich frei und wohl. Am liebsten hätte sie die Kisten nun genommen, mit Benzin übergossen und angezündet.

Sie legt sich wieder in ihr Bett und denkt nach. Was soll sie jetzt tun? Soll sie das Leben jetzt einfach weiterleben als wäre nichts geschehen? Als wäre sie nicht auf grausamen Art und Weise betrogen worden von den liebsten Menschen in ihrem Leben? Kann sie das? Will sie das?

Amélie starrt an die Decke und fasst einen tiefgreifenden Entschluss, der ihr Leben komplett verändern soll. Sie ist bereit. Sie muss es einfach tun.

Der passende Song zu diesem Kapitel:

So. Das war vorläufig das letzte Kapitel, das ich auf diese Art veröffentlicht habe. Ich werde aber weiterhin an der Geschichte arbeiten und weiter schreiben. Vielleicht erscheint die ganze Geschichte ja noch dieses Jahr als Buch. Lasst euch überraschen.

Allgemeines, Kurzroman

Kapitel 7


Keine Kommentare

Amélie schläft so gut wie schon lange nicht mehr. Sie fühlt sich beim Erwachen richtig ausgeruht. Den Samstag verbringt sie mit einkaufen, insbesondere von Kartonschachteln für das Einpacken von Leons Sachen. Am Abend bleibt sie zu Hause. Bei einem Glas Rotwein und selbstgemachter Lasagne, versucht sie sich zu entspannen. Das Gefühl, am anderen Tag das Richtige zu tun, wird immer löchriger. Kurz bevor sie ins Bett geht, ist sie versucht, Stéphanie zu telefonieren, um die Räumungsaktion abzublasen. Bevor sie die Nummer wählt, legt sie das Telefon wieder zur Seite. Es ist richtig, Leons Sachen wegzu räumen. Mit diesem Gedanken, den sie sich wieder und wieder wie ein Mantra vor Augen führt, schläft sie schliesslich ein.

Nach dem obligaten Kaffee am Morgen klingelt auch schon Stéphanie an der Haustüre. Amélie atmet tief ein und aus und öffnet ihrer Freundin. Diese steht mit einem strahlenden Lächeln, das der Sonne durchaus Konkurrenz machen könnte, vor ihr. Unter dem Arm trägt sie eine Papiertüte, aus der der verdächtige Geruch nach frischen Brötchen dringt. „Hallo, meine Schöne!“, begrüsst Stéphanie Amélie überschwänglich und dräng sich an dieser vorbei, direkt in die Küche. „Ich dachte mir, dass du noch nichts gegessen hast und dir sicherlich erst literweise Kaffee hinter die Binden gekippt hast. Darum – tadaaa! – ein paar Brötchen. Konfitüre und Butter hast du sicherlich irgendwo in deinem verstaubten Haushalt.“

Amélie lächelt Stéphanie dankbar an und reicht ihr Teller, Messer, Konfitüre und Butter. In getrauter Zweisamkeit frühstücken die beiden. Stéphanie berichtet Amélie ausgiebig über die Eroberung von letzter Nacht. „Dieser Typ war ja so etwas von heiss. Als ich ihn dort an der Bar sitzen sah, wusste ich sofort, dass ich nicht alleine die Nacht verbringen muss.“ Stéphanie zwinkert Amélie zu, die nur die Augen verdreht. Stéphanie liess noch nie etwas anbrennen. Wenn ihr ein Mann gefiel, kriegte sie diesen in der Regel auch. Sie hatte bis dato noch keine längere Beziehung, die über ein paar Nächte hinausging. Stéphanie geniesst das Leben und lässt sich nicht binden. „Und?“, fragte Amélie, „hat es sich wenigstens gelohnt, ihn mit nach Hause zu nehmen? An deinem Strahlen an, denke ich schon.“ Stéphanie grinst. „Er war wirklich nicht nur heiss anzusehen, sondern er war auch heiss, bei dem was er tat, und er wusste, was er tat.“

„Verschone mich bitte mit den Details. Ich kann es mir in etwa vorstellen.“ Stéphanie mustert Amélie mit einem süffisanten Lächeln. „Kannst du dir das wirklich vorstellen? Wann hattest du das letzte Mal Spass mit einem Mann im Bett? Wann konntest du dich so richtig bei einem Mann fallen lassen?“ „Das weisst du ganz genau!“ erwidert Amélie schärfer als beabsichtigt. Stéphanie scheint dies nicht zu stören und beisst selbstzufrieden in ihr Brötchen. „Lassen wir das, Steph! Beginnen wir lieber mit unserer Räumungsaktion bevor ich mir es noch anders überlege.“

Nach dem Frühstück und dem Abwasch holt Amélie die Kartonschachteln. „Wo wollen wir beginnen?“, fragt Stéphanie. Amélie zuckt mit ihren Schultern. „Was weiss ich. Im Bad vielleicht? Dann weiter im Wohnzimmer?“ „Okay.“, erwidert Stéphanie. Nimmt eine Schachtel und verschwindet im Bad. Amélie trottet ihr nicht sehr enthusiastisch nach. Schweigend packen sie alles zusammen, was einmal Leon gehörte. Amélie muss sich zusammenreissen, damit sie die Sachen in die Schachteln legen kann. Es fällt ihr schwer. Manchmal hat sie das Gefühl, dass ein riesiges Band ihr Herz und ihre Lunge zerquetscht. Sie hat Mühe mit dem Atmen, und ihr Puls geht unregelmässig. Stéphanie beachtet sie nicht gross und räumt weiter Leons Sachen in die Schachtel. Danach machen die zwei weiter im Wohnzimmer. Es wird nicht leichter für Amélie. Sie muss eine Pause machen. Zusammen mit Stéphanie verlässt sie die Wohnung, um kurz den Kopf freizuschaufeln.

Als es langsam dunkel wird, beschliesst Amélie eine Pizza bei einem Lieferanten in der Nähe zu bestellen. Beim Nachtessen fallen nicht viele Worte. Beide Frauen sind mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt. Zum Schluss nehmen sie sich das Schlafzimmer vor. Amélie muss nochmals alle ihre Kräfte sammeln. Langsam beginnt sie den Kleiderschrank zu räumen. Ab und zu fällt eine Träne von ihr auf Leons Kleidung. Als Amélie einen uralten Pullover, den Leon seit Jahren nicht mehr getragen hatte, aus der Schublade nimmt, fällt ein Brief auf den Boden. Amélie bückt sich und hebt den Brief auf. Die Schrift auf dem Umschlag kennt sie. Es ist jene von Stéphanie. Was macht ein Brief von Stéphanie in einem Pullover von Leon? Amélie ist froh, ist Stéphanie nicht im Zimmer, sondern auf der Toilette. Sie setzt sich auf das Bett, nimmt den Brief aus dem Umschlag und beginnt zu lesen.

Ihr stockt der Atem. Tränen laufen ihr über das Gesicht. Immer und immer wieder liest sie die Zeilen und kann nicht fassen, was da steht. In Stéphanies Schrift. Mit deren Worten.  Schmerz, Trauer, Unglaube, Wut. Sämtliche Emotionen brechen über Amélie ein. Als Stéphanie lächelnd ins Zimmer zurückkehrt und Amélie mit dem Brief in der Hand, den sie sofort wieder erkennt, auf dem Bett sitzen sieht, gefriert ihr Lächeln, und Panik macht sich in ihr breit. „Amélie! Bitte! Hör mir zu! Es…“, beginnt sie zu sprechen, bevor sie jäh von Amélie unterbrochen wird. „Sprich nicht weiter! Du Lügnerin! Du Verräterin! Du, du, du…  verdammte Hure! Raus hier! Verschwinde sofort und komm nie wieder zurück! Ich hasse dich! Ich hasse dich!“ Amélie steht auf und geht drohend auf Stéphanie zu. Bevor sich Stéphanie versieht, wird sie von Amélie angespuckt. Mitten ins Gesicht. Stéphanie dreht sich um und verlässt mit eiligen Schritten die Wohnung. Tränen laufen ihr über das Gesicht und vermischen sich mit der Spucke von Amélie.

Sie hat es verdient.

Der passenden Song zu diesem Kapitel.

Allgemeines, Kurzroman

Kapitel 6


Keine Kommentare

Die angenehme Stille tut Amélie gut und sie kommt zur Ruhe. Sie schämt sich für ihr Verhalten und ihren Zusammenbruch. Stéphanie mustert Amélie, wartet ab bis ihre Freundin so weit ist, zu sprechen. Amélie räuspert sich. „Es tut mir Leid, Steph. Ich hätte mich nicht so hinreissen lassen dürfen. Ich weiss, dass du es nur gut meinst und mir nur helfen willst. Langsam aber sicher glaube ich, mir ist nicht mehr zu helfen.“ Amélie senkt ihren Blick und betrachtet ihre Teetasse.

„Sieh dich doch mal hier um, Amélie! Du lebst in einem Mausoleum. Man könnte meinen, dass Leon in den nächsten paar Minuten ins Zimmer kommt. Du hast nichts verändert. Alles um dich herum erinnert dich an ihn. Kein Wunder, kannst du dich nicht lösen. Und das meine ich nicht böse. Bitte glaube mir! Ich möchte nur das Beste für dich. Du hast es dir verdient. Kein Mensch sollte seine grosse Liebe so früh gehen lassen müssen.“ Stéphanie atmet tief ein und hätte am liebsten weiter referiert. So viel hat sie noch auf dem Herzen. Sie weiss aber, dass sie Amélie nicht weiter unter Druck setzen kann. Sonst geht diese noch ganz unter.

Amélie trinkt einen Schluck Tee und sammelt sich. Sie weiss, dass Stéphanie recht hat. Sie ist sich dessen bewusst, dass sie die Hinterlassenschaften von Leon wegräumen muss, wenn sie wieder in ihr Leben zurück finden will. Es tut ihr nur so wahnsinnig weh. „Ich weiss auch nicht… Wenn ich die Sachen wegräumen ist es so endgültig. Es gibt dann kein zurück mehr. Ich weiss schon, dass Leon weg ist und nie wieder zurück kommt. Dennoch… Steph! Bitte hilf mir! Ich schaffe das nicht ohne dich.“ Wieder kullern ihr die Tränen über die Wangen. Man müsste meinen, dass sie keine Tränen mehr produzieren kann, so viel wie sie in den letzten gut zwei Jahren geweint hat. Aber es verging noch kein Tag, an dem sie nicht um Leon Tränen vergossen hat. Wenn sie es genau betrachtet, hat sie auch um sich geweint. Ihr wurde Leon genommen und mit ihm ihr Leben, das sie leben wollte.

„Weisst du was, Amélie? Ich habe die Idee! Am Sonntag werden wir hier so richtig aufräumen und Leons Sachen einpacken. Wir werden uns Pizza bestellen, Rotwein trinken, Musik hören. Ein richtiger Mädelstag. Was meinst du dazu?“ Stéphanie blick Amélie euphorisch an, in der Hoffnung, dass diese mitmachen wird. Stéphanie war schon immer sehr begeisterungsfähig und sie versteht es, Amélie aus ihrer Lethargie zu holen.

„Ja. Das machen wir“, gibt Amélie emotionslos zur Antwort. Nicht sicher, ob sie es wirklich durchziehen will. Der Gedanke, dass nur noch ihre Jacke an der Garderobe hängt, nur noch ihr Schlafanzug im Bett sein wird, nur noch ihre Kleidung im Schrank vorzufinden ist, behagt ihr nicht und schmerzt sie bis in ihr tiefes Innere. Leon ist Tot. Seine irdischen Besitztümer ändern nichts an dieser Tatsache. Trotzdem. Amélie hat das Gefühl, ihn zu verraten. In ihr nagt die Angst, dass sie ihn vergessen könnte, dass sie vergessen könnte, wie er roch, wie er lachte, wie er sprach, wie er seine Stirne in Falten legen konnte, wenn er sich konzentrierte, wie er sie küsste, wie er sie in den Armen hielt, nachdem sie sich geliebt hatten. All das. Seine ständige Präsenz, verkörpert durch seine Kleidung, seine Medikamente, sein Rasierapparat, lässt Amélie nicht vergessen. Sie kann nicht abschliessen.

Stéphanie beobachtet Amélie und sie sieht ihr an, dass es hinter ihrer Fassade arbeitet. „Du wirst Leon deswegen nicht vergessen, Amélie. Er wird für immer ein Teil deines Lebens sein. Jetzt schaust du mit grossen Schmerzen auf die Zeit, die ihr zusammen hattet, zurück. Das Ziel sollte es jedoch sein, dass du dich mit Freude und mit Liebe zurück erinnern kannst. Verstehst du?“ Amélie lässt die Worte ihrer Freundin setzen und nickt. Stéphanie hat recht.

Als Stéphanie nach Hause ging und sich von Amélie verabschiedete, fühlt sich diese so hoffnungsvoll, wie schon lange nicht mehr. Ja. Am Sonntag wird geräumt.

Der passende Song zu diesem Kapitel.

Kurzroman

Kapitel 5


Keine Kommentare

Der Regen setzt wieder ein. Amélie spürt die Nässe nicht, die langsam durch ihre Kleidung dringt. Mit stoischem Blick, ohne richtig die die Umgebung wahrzunehmen, irrt sie umher, bis sie sich vor den Toren des städtischen Friedhofs wieder findet. Immer, wenn ihr die Situation über den Kopf wächst, besucht sie Leon. Ihren Anker, ihr zu Hause.

Keine Menschenseele ist auf dem Friedhof zu sehen. Amélie bewegt sich zielsicher zum Urnengrab von Leon. Tief atmet sie ein und aus. Vor seinem Grab steht sie nun. Die Hände in den Jackentaschen vergraben. „Verdammt, Leon! Du solltest nicht hier sein! Ich brauche dich doch so sehr.“ Mit tränenerstickter Stimme spricht Amélie laut aus, was sie jede freie Minute denkt. „Stéphanie meint, dass du nicht stolz wärst, wenn du mich jetzt sehen könntest. Dass du nicht gewollt hättest, dass ich so lange um dich traure. Stimmt das? Leon! Bitte sprich mit mir!“ Ihre Faust kracht auf die kalte Urnenwand. Stille. Nur die Regentropfen, die auf die Bäume prasseln sind zu hören. „Komm zurück! Ich möchte dich doch nur noch einmal in meinen Armen halten, dich noch einmal spüren, dich für immer lieben. Verdammt!“ Amélie dreht sich mit dem Rücken zur Wand und lässt sich daran auf den Boden sinken. Die Kälte um sie herum nimmt sie nicht war.

So tief ist sie nun gesunken. Am Freitagabend bei Regen auf dem Friedhof sitzend, in Selbstmitleid suhlend. Hat Stéphanie am Ende doch recht? Hat sie sich seit Leons Tod wirklich gehen lassen? Braucht sie den Schmerz am Ende um festzustellen, dass sie noch irgend etwas fühlen kann? Amélie zieht ihre Beine an ihren Körper, umfasst mit ihren Armen die Knie, lehnt ihren Kopf an die Wand und schliesst ihre Augen. In ihrem Kopf herrscht das reine Chaos. Keinen klaren Gedanken kann sie mehr fassen. Alles scheint so verworren und aussichtslos. Sie ist kraftlos. Sie kann nicht mehr.

„Amélie? Amélie!“ Wie durch einen dichten Schleier dringt die Stimme von Stéphanie zu ihr durch. Amélie öffnet ihre von Tränen geröteten Augen. Vor ihr kniet Stéphanie, die sie mit besorgtem Blick mustert. „Amélie. Du erkältest dich doch. Komm! Steh auf! Ich bringe dich nach Hause.“ Stéphanie erhebt sich und reicht Amélie die Hand. Diese nimmt sie dankbar an und lässt sich auf die Beine helfen. Die Kälte und Feuchte hat sich durch ihre Kleidung in ihre Glieder geschlichen. Ohne Worte gehen die beiden Freundinnen nebeneinander her. Stéphanie bringt Amélie in deren Wohnung. Sie hilft ihr aus den nassen Kleidern und lässt ihr ein warmes Bad ein. Während Amélie die wohlige Wärme des Wassers um ihren Körper spürt und den zarten Duft des Badezusatzes einatmet, setzt Stéphanie in der Küche einen Tee auf.

Amélies Wohnung sieht noch immer identisch aus, wie am Tag, als Leon ging. Selbst an der Garderobe sind Leons Jacken aufgehängt. Auf dem Couchtisch liegt Leons Tagebuch, welches er während seiner Krankheit führte. Auch Leons Medikamente stapeln sich in der Küche, als würde er gleich zur Türe herein kommen und sich daran bedienen. Der Kleiderschrank im Schlafzimmer ist ebenfalls noch mit Leons Sachen gefüllt. Sein Schlafanzug, welcher er bei seinem letzten Atemzug trug, liegt auf seiner Seite des Bettes. Amélie hat ihn nie gewaschen. Jedes Mal wenn sie das Bett mit frischem Laken und Bettwäsche bezieht, faltet sie Leons Schlafanzug sorgfältig zusammen und legt ihn auf seiner Seite ab.

Stéphanie schaut sich um und seufzt. Sie war schon lange nicht mehr in Amélies Wohnung. Sie trafen sich meistens in ihrem Stammlokal. Hätte sie gewusst, dass es hier noch genau so aussieht wie vor Leons Tod, hätte sie ihre Ansprache heute nicht so hart ausfallen lassen, sondern wäre diplomatischer vorgegangen. Als Amélie das Pub verlassen hat, wusste Stéphanie genau, dass sie zu Leon ging. Sie wollte ihr ein wenig Vorsprung lassen, damit sie sich wieder sammeln kann. Als sie dann Amélie in diesem lethargischen Zustand vorfand, beschimpfte sie sich innerlich über ihre fehlende Sensibilität.

Stéphanie hilft Amélie aus der Wanne und trocknet sie ab. Amélie klammert sich an sie, als wäre sie der einzige Halt, den sie noch hat. Amélie zieht sich einen flauschigen und wärmenden Bademantel an und geht mit Stéphanie ins Wohnzimmer, wo der Tee auf sie wartet. Noch immer fällt zwischen ihnen kein Wort.

Der passende Song zu diesem Kapitel.