Allgemeines, Fortsetzung folgt

Kapitel 4


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Stéphanie wartet ungeduldig, mit den Fingern auf den Tisch klopfend, an ihrem Stammplatz, als Amélie atemlos ins Pub hereinstürmt. Ohne nach links und rechts zu blicken marschiert sie zu Stéphanies Tisch und lässt sich stöhnend auf die Sitzbank plumpsen. Stéphanie bedacht sie mit einem grimmigen Blick.

„35 Minuten zu spät! Was soll der Scheiss?“
„Zuerst mal Hi!“
„Okay. Hi!“
„Es tut mir leid. Ich hatte heute meinen Bürotag und ich kam nicht weg. Es hat sich in der letzten Woche gigantisch viel angehäuft. Du kannst dir das gar nicht vorstellen.“, gibt Amélie mit leichtem Erröten zur Antwort. Stéphanie mustert sie skeptisch. „Ich glaube dir kein Wort. Du warst wieder in der Vergangenheit und hast die Zeit aus den Augen verloren. Stimmt’s oder habe ich recht?“. Verdammter Mist! Muss sie Amélie so gut kennen. Amélie blickt Stéphanie schuldbewusst an. „Ha! Wusste ich es doch!“, triumphiert diese und streckt theatralisch die Faust in die Höhe. Das Siegerlächeln erlischt aber sogleich wieder auf ihrem Gesicht, als sie sieht, wie sich Tränen in den Augen von Amélie sammeln. „Komm! Trinken wir ein Pint Guinness! Du bezahlst! Schliesslich musste ich deinen Platz verteidigen wie eine Löwin.“

Amélie nickt, steht auf, geht zum Tresen und gibt die Bestellung auf. Als sie zurück zum Tisch kommt, wird sie von Stéphanie eingehend gemustert. „Was ist?“ fragt Amélie, als sie sich wieder zu ihr hinsetzt.

„Hör zu Amélie! Ich weiss, dass du Leon vermisst. Das tue ich auch. Er war schliesslich auch ein sehr guter Freund von mir“. Da sie seit Leons Tod  immer für Amélie da sein musste, konnte Stéphanie selber gar nicht richtig um Leon trauern und von ihm Abschied nehmen. Sie war und ist die starke Schulter, an der sich Amélie ausheulen kann. „Du musst aber unbedingt wieder zurück in dein Leben finden. So kann es nicht weiter gehen. Du lebst nicht mehr. Als Leon starb, bist du mit ihm gestorben. Du bist zwar noch hier, aber du bist nur noch der Schatten deiner selbst.“

Dieses Gespräch stand schon lange an. Viel zu lange. Stéphanie konnte sich bisher einfach nicht überwinden, Tacheles zu sprechen, da sie grosse Angst hat, dass sie Amélie tief verletzen könnte. Sie kann diesem Trauerspiel aber nicht mehr zuschauen. Amélie war immer eine fröhliche und unbeschwerte junge Frau, die mit Stéphanie zusammen durch dick und dünn ging. Dieses Leuchten und die Lebensfreude, die Amélie umgaben, sind seit dem, als die Ärzte bei Leon alle Hoffnung auf Heilung aufgaben, verschwunden. „Vielleicht ist es egoistisch von mir. Aber ich möchte wieder meine „alte“ Freundin Amélie zurück haben.“

Amélie betrachtet Stéphanie lange ohne etwas zu erwidern und nimmt einen grossen Schluck von ihrem Guinness. Tief atmet sie ein und erwidert mit einem schneidenden Ton: „Die „alte“ Amélie gibt es nicht mehr, wie du richtigerweise festgestellt hast. Sie wird es auch nie mehr geben. Finde dich damit ab oder lass es bleiben!“ Amélie bebte bei ihren Worten vor unterdrückter Wut. Sie hat überhaupt keine Lust, sich bei Stéphanie erklären zu müssen. Sie leidet. Sie vermisst. Sie trauert.

„Weisst du was ich glaube, Amélie? Ich glaube, du willst gar nicht aus deinem Jammertal herausgeholt werden. Du brauchst diesen Schmerz. Du willst nicht neu starten. Du willst das Leben nicht weiterleben. Du hattest Träume, du hattest Ziele. Wo sind diese hin? Hast du die zusammen mit Leon begraben? Glaubst du wirklich, Leon würde es gefallen, wie du dein Leben ohne ihn lebst? Was sage ich. Du lebst ja gar nicht. Du vegetierst vor dich hin. Ich sag‘ dir was: Leon hätte das nicht gewollt. Wenn er dich jetzt sehen könnte, wäre er enttäuscht von dir, dass du dich so gehen lässt.“ Stéphanies Stimme wird bei jedem Satz lauter und giftiger. Ungewollt. Sie redet sich in Rage und kann gar nicht damit aufhören. Zu lange hat sich der Frust bei ihr aufgestaut.

Amélies Mine versteinert sich immer mehr und mehr und ihre Hände ballen sich zu Fäusten. Wie kann es Stéphanie wagen. Ihre beste Freundin schiesst ihr in den Rücken. Vor Wut laufen Amélie Tränen über ihre Wangen. Keinen Ton bringt sie mehr über ihre Lippen. Ihre Gedanken laufen Amok. Sie steht auf, greift nach ihrer Jacke und stürmt so schnell wie sie gekommen ist, wieder aus dem Pub, ohne einen Blick zurück zu werfen.

Der passende Song zu diesem Kapitel.

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Allgemeines, Fortsetzung folgt

Kapitel 3


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Vergangenheit

Das Leben von Amélie und Leon hätte einfach so weiter gehen können. Das Schicksal hatte etwas anderes mit den beiden vor. Der Tod kam schleichend und unaufhaltsam. Geraume Zeit litt Leon an sehr starken Kopfschmerzen. Immer wieder überfielen sie ihn und liessen ihn leiden. Eines Abends hatte er das Gefühl, sein Schädel explodiere in den nächsten Sekunden. Er wollte sich im Badezimmer Schmerztabletten holen. Amélie fand ihn ein paar Minuten später ohnmächtig auf dem Boden liegend vor, den Kopf blutig aufgeschlagen. Dieser Anblick wird sie ihr Leben lang begleiten und ihn nie vergessen. Sie wählte umgehend die Notfallnummer. Die Ambulanz traf innerhalb von 15 Minuten ein. Leon kam im Krankenwagen wieder zu sich, was Amélie, die ihn begleiten durfte, mehr als freute. Ihr ganzen Leben wurde von einem Augenblick auf den anderen auf den Kopf gestellt und ihr ganzes Dasein wurde auf eine harte Probe gestellt.

Im Spital wurden bei Leon einige Untersuchungen und Tests gemacht. Die Diagnose, die darauf folgte, war niederschmetternd. Leon litt an einem bösartigen und schnell wachsenden Hirntumor, der bereits einige Metastasen gebildet hatte. Die Chance auf eine erfolgreiche Operation war gleich Null. Die einzige Hoffnung war eine Chemotherapie. Aber die Ärzte hatten bei dieser Behandlungsmethoden ihre Bedenken. Die Aussicht auf Heilung war sehr düster. Amélie und Leon konnten es nicht fassen. Das Schlimmste, das sich beide nur vorstellen konnten, war eingetroffen – sie durften nicht länger zusammen ihren Weg gehen.

Die Verzweiflung beider war epischen Ausmasses. Warum nur? Warum Leon? Er war ein vitaler junger Mann, der in der Vergangenheit selten krank war. Wie konnte dies bloss geschehen? Amélie erlebte die Zeit des unausweichlichen Abschiedes in einer Art Trancezustand. Sie ging zur Arbeit und besuchte so oft wie möglich Leon im Krankenhaus. An Schlaf war kaum mehr zu denken. Sie lebte nur noch für Leon und wollte jede freie Minute bei ihm sein.

Die Chemotherapie schlug wie erwartet nicht an und die Ärzte gaben Leon noch einige Wochen zu leben. Er wurde nach Hause entlassen, wo er sich im Schosse von Amélies Obhut auf sein Ende vorbereiten durfte. Es ging alles sehr schnell. Nach nur zwei Monaten Leidenszeit war es vorbei. Er musste glücklicherweise nicht lange die Schmerzen ertragen. Das war der einzige Trost. Als der Tag X kam und Leon seine Augen für immer schloss, brach für Amélie eine Welt zusammen. Nichts war mehr so, wie es einmal war. Amélie und Leon. Leon und Amélie. Das gab es nicht mehr und wird es nie mehr geben.

Sie war verzweifelt, haderte mit Gott und der Welt. Verfluchte manchmal Leon, der sie einfach im Stich liess. Sie einfach verliess. Sie einfach ihrem Schicksal überliess. Jeden verdammten Tag vermisste sie ihn. Ihre leere Wohnung war nicht mehr ihr Zuhause. Amélie fühlte sich einsam und verlassen. Den Schmerz jeden Tag ohne Leon leben zu müssen, brachte sie beinahe um den Verstand. Es gab Zeiten, in denen sie am liebsten zu ihm gegangen wäre. Sie wollte aufgeben. Sie wollte ohne die Liebe ihres Lebens nicht mehr weiter existieren. Wäre in dieser Zeit ihre beste Freundin Stéphanie nicht an ihrer Seite gewesen, würde Amélie heute wahrscheinlich nicht mehr leben. Stéphanie versuchte alles, um den Lebenswillen von Amélie aufrecht zu erhalten. Sie kümmerte sich liebevoll um Amélie und gab ihr die Zeit und die Kraft, die Trauer um Leon zu verarbeiten. Diese Unterstützung  braucht Amélie noch heute – zwei Jahre, drei Monate und achtzehn Tage nach Leons Tod.

Gegenwart

Genau Stéphanie! Sie muss heute warten, weil sich Amélie wieder einmal in der Vergangenheit aufhält. An Amélie nagt das schlechte Gewissen. Sie stürmt noch energischer durch die Strassen von Zürich, bis sie endlich beim gemütlichen „The Pub“, der Stammkneipe von Amélie und Stéphanie, ankommt.

Der passende Song zu diesem Kapitel.

Allgemeines

News vom 8. Februar 2016


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Neben meinen Kurzgeschichten versuche ich mich an einem Kurzroman. Ob das wirklich klappt, steht noch in den Sternen. Ein Versuch kostet ja schliesslich – ausser Zeit – nichts. Es geistert schon seit längerer Zeit eine Geschichte in meinem Kopf herum. Darum habe ich beschlossen, diese auf Papier zu bringen, beziehungsweise in meinen Blog zu integrieren. Ich bin selber gespannt, was dabei herauskommt. Natürlich freue ich mich über jedes Feedback und Weiterempfehlung.

Die Geschichte handelt von Amélie und Leon. Ein Liebespaar bis sie getrennt werden. Amélie leidet nach gut zwei Jahren immer noch an diesem Verlust. In den ersten paar Kapiteln, werde ich auf diese besondere Beziehung eingehen, damit die Lesenden einen Einblick in das frühere Leben von Amélie und Leon erhalten. Danach spielt die Geschichte in der Gegenwart. Was am Anfang eventuell ein wenig kitschig und schnulzig erscheint, wird sich im Lauf der Geschichte ändern. Das verspreche ich.

Nun. Ich möchte nicht zu viel verraten sondern euch auffordern, meiner Geschichte zu folgen. Die Kurzgeschichten werden nicht wegfallen, aber wahrscheinlich wird nicht mehr ganz so häufig eine folgen. Mein Tag hat auch nur 24 Stunden. 😉

Ich wünsche euch bereits heute viel Spass bei meinem Kurzroman.

Kurzroman

Kapitel 1


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Gegenwart

Amélie hetzt durch die nassen Strassen von Zürich. Ihr Blick stur auf den Boden gerichtet. Sie hat keine Zeit, sich um die ihr entgegenkommenden Passanten zu kümmern. Sie kommt zu spät zu ihrer Verabredung mit Stéphanie. Im Normalfall ist sie die Pünktlichkeit in Person. Im Büro hat sie die Zeit aus den Augen verloren. Nicht, dass sie gearbeitet hätte. Nein. Sie starrte Gedankenverloren auf ihren bereits ausgeschalteten Bildschirm und dachte an Leon. In letzter Zeit passierte ihr das wieder des Öfteren, dass ihre Gedanken zu Leon abdriften. Es ist jetzt genau zwei Jahre, drei Monate und achtzehn Tage her, als er sie verliess. Wenn man es genau nimmt, hat er sie nicht verlassen, sondern er wurde ihr einfach so genommen. Auf Nimmerwiedersehen.

Vergangenheit

Amélie und Leon. Leon und Amélie. Ein Traumpaar sondergleichen. Ihre Beziehung zueinander war schlicht und einfach perfekt. Sie waren seit dem zwölften Lebensjahr ein Paar. Sie sahen sich das erste Mal auf dem Pausenhof und es war sofort alles klar, als sie einander in die Augen blickten: Sie gehörten zusammen. Es tönt kitschig, schnulzig und wie nach einem Liebesroman von Nicholas Sparks. Dennoch. Es war einfach so – Punkt. Leon war dannzumal ein schlaksiger, hochgewachsener Junge mit einem wilden blonden Haarschopf. Ein Löwe. Amélie war um einiges kleiner als er und kämpfte mit leichtem Übergewicht, was sich in der Zwischenzeit geändert hat. Böse Zungen nannten die zwei „Dick und Doof“. Das war Leon und Amélie mehr als egal. Es scherte sie nicht, was andere von ihnen dachten. Sie verbrachten die Freizeit zusammen und taten alles, was des Teenagers Herz begehrte. Häufig wurden sie von Stéphanie, Amélies bester Freundin und deren wechselnden Freunden, begleitet. Sie durften eine schöne und unbeschwerte Jugendzeit geniessen.

Leons und Amélies Eltern hatten nichts gegen diese Freundschaft einzuwenden. Sie fanden es schön, haben sie sich gefunden, da beides Einzelkinder sind. Amélies Eltern sind in der Zwischenzeit in die Bretagne ausgewandert. In den Heimatort ihrer Mutter. Amélie hat nur noch einmal im Monat telefonischen Kontakt zu ihren Eltern. Die Beziehung ist kühl und distanziert. Leon verlor seinen Vater schon sehr früh aufgrund eines Herzinfarktes. Er lebte mit seiner Mutter alleine in einer gepflegten aber kleinen Wohnung ein wenig ausserhalb des Dorfes, in dem Amélie und Leon aufwuchsen. Leon brach den Kontakt zur Mutter im Alter von zwanzig Jahren ab, nachdem sie einen neuen Mann kennenlernte, der sich mit Leon nicht verstanden hat. Das ist die Untertreibung des Jahres: Sie hassten sich schlichtweg. Er trank zu viel und nahm Leons Mutter finanziell aus wie eine Weihnachtsgans. Leon versuchte vergebens seiner Mutter die Augen zu öffnen. Und als er sie vor die Entscheidung stellte „Er oder Ihn“, hat sie sich für ihn entschieden. Leon litt unter diesem Bruch. Zum Glück hatte er Amélie, die ihm zur Seite stand.

Aus der kindlichen Zuneigung und Freundschaft wurde eine tiefe Liebe. Mit vierzehn haben sich Amélie und Leon das erste Mal geküsst. Sie hatten beide vorher noch nie diese Erfahrung gemacht. Der Kuss war aufregend, sanft und voller Liebe. Als sich ihre Lippen voneinander lösten, waren sie verlegen und wurden rot wie eine Tomate. Damit das peinliche Schweigen sich in Luft auflöste, haben sie sich dann einfach eine Zeit lang weiter geküsst. Amélie muss heute noch lachen, wenn sie sich an diese Episode zurück erinnert. Sie waren beide so naiv und unerfahren. Das Schöne war, dass sie sich zusammen weiterentwickeln konnten; und wie sie sich weiterentwickelten. Es war eine umwerfende Zeit im Leben von Leon und Amélie. Sie erkundeten zusammen ihre Sexualität bis sie dann mit sechzehn das erste Mal mit einander schliefen. Es war mehr als miteinander schlafen; es war eindeutig Liebe machen. Nicht nur ihre Körper wurden zusammengeschweisst, sondern auch ihre Seelen. Sie waren Seelenverwandte. Der Akt an und für sich war zwar nicht von langer Dauer, aber dennoch spürten die beiden die tiefe Verbundenheit. Dieses Gefühl hat sich bis zum Schluss nie verändert. Sie liebten den befriedigenden Sex miteinander und frönten ihm auch regelmässig.

Passender Song zu diesem Kapitel.

 

Kurzroman

Kapitel 2


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Vergangenheit
Nach der obligatorischen Schulzeit beschloss Amélie eine Lehre als Floristin in Angriff zu nehmen. Sie fand in der Nähe ihres Wohnortes eine geeignete Lehrstelle. Amélie liebt es mit Blumen zu arbeiten und sie blüht in ihrem Beruf regelrecht auf. Léon erging es mit der Lehrstellensuche nicht so einfach. Er hatte gute Noten in Schule und sein Klassenlehrer hätte es sehr gerne gesehen, wenn sich Leon für ein Studium entschieden hätte. Für Leon kam das nicht in Frage. Er wollte so schnell als möglich finanziell unabhängig sein und entschied sich, nach längerer Suche, für eine Lehrstelle als Polygraf in einer kleinen Werbeagentur.

Die Lehrzeit verging schnell und unspektakulär. Noch immer wohnten sie bei ihren jeweiligen Eltern. Sie sahen sich aber so oft wie nur möglich und machten Pläne für die Zukunft. Sie wollten zusammen die Welt bereisen, zusammen in eine Wohnung ziehen und und und. Sie hatten so viel vor und nur einen Bruchteil von all dessen konnten sie dann schlussendlich umsetzen. Ihre gemeinsame Zeit hatte ein Verfallsdatum, von dem sie nichts wussten.

Mit zwanzig zogen sie zusammen. Sie fanden in Zürich eine sehr kleine, dafür bezahlbare Wohnung. Das Quartier war ruhig und trotzdem zentral gelegen. Zum See hatten sie zu Fuss lediglich 10 Minuten zurück zu legen. Sie liebten das Flair dieser Stadt. Für Amélie und Leon ging mit dem Zusammenzug ein Traum in Erfüllung. Es stimmte einfach alles und sie waren glücklich. Leon fand einen gut bezahlten, anspruchsvollen und interessanten Job als Polygraf in einer grossen Werbeagentur. Amélie arbeitete noch eine Weile in ihrem Lehrbetrieb, bis sie eine besser bezahlte Stelle als Floristin in Zürich fand. Sie war dort zusätzlich für die Administration zuständig. Die Abwechslung mit den Büroarbeiten gefiel ihr ausserordentlich gut. Sie hätte sich gerne als selbständige Floristin gesehen, aber leider fehlte ihr das notwendige Kleingeld für diesen Schritt. Ihre Eltern wollten oder konnten ihr da leider auch nicht weiter helfen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Die Freizeit verbrachten Amélie und Leon meist zusammen. Sie erkundeten Zürich mit seinen lauschigen Plätzen. Stéphanie, Amélies beste Freundin, zog zum Glück auch nach Zürich. Sie war schon immer neben Leon ihr Anker in ihrem Leben.

Leon war schon lange nicht mehr der schlaksige und dürre Junge. Er machte regelmässig Sport und wurde mit seinen blonden und meist wirren Haaren zu einem regelrechten Frauenschwarm. Er bemerkte die anzüglichen Blicke der Frauen meist nicht. Für ihn gab es nur Amélie. Diese mauserte sich zu einer attraktiven jungen Frau, die mit ihrem Babyspeck nicht mehr zu kämpfen hatte.

Amélie schmiedete immer wieder Pläne für das Bereisen der Welt. Zuerst stand bei ihr Kanada und USA auf der Liste, dicht gefolgt von Australien und Neuseeland. Aber alles zu seiner Zeit. Leon wollte sich zuerst im Job etablieren, bevor er sich eine längere Auszeit zum Reisen gönnt. „Wir sind noch so jung und haben noch so lange Zeit, um die Welt zu sehen. Kanada gibt es auch in zwei oder drei Jahren noch“, waren seine Worte zu diesem Thema.

Amélie bricht jedes Mal das Herz, wenn sie sich daran zurück erinnert. In einem hatte Leon recht: Kanada gibt es immer noch. Was er nicht bedachte: Es gibt keinen Leon mehr.

Der passende Song zu diesem Kapitel.

 

Allgemeines, Fortsetzung folgt, Kurzgeschichte

One-Night-Stand (Part 5 / Monika)


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Die Sonne stand hoch am Himmel und sandte ihre Strahlen direkt in Monikas Schlafzimmer. Es war Sonntag und sie hatte noch keine Lust, sich aus ihrem Bett zu fläzen. Sie hielt ihren e-Reader in der Hand und versuchte sich auf das Buch zu konzentrieren. Mit wenig Erfolg. Ihre Gedanken schweiften ständig ab. Sie dachte an den morgigen Tag, an dem sie ihre neue Arbeitsstelle antreten wird. Bis vor wenigen Wochen war sie als Abteilungsleiterin in einer Unternehmensberatungsfirma tätig. Eigentlich hätte sie in diesem Jahr Partnerin werden sollen; so weit kam es leider nicht. Sie wurde bei der Beförderung übergangen, was sie ungemein ärgerte und tief verletzte. Die mitleidigen Blicke ihrer Kollegen ertrug sie nicht weiter. Monika suchte sich eine neue Herausforderung und fand diese sehr schnell.

Sie stand unmotiviert auf, ass eine Kleinigkeit zu ihrem Espresso und ging ins Fitness-Studio. Vielleicht half ihr ein Training, sich ein wenig abzulenken. Als sie zurück in ihre leere Wohnung kam, fühlte sie sich besser. Sie setzte sich vor den Fernseher und liess sich mit bedeutungsloser Unterhaltung berieseln. Nach dem obligaten Telefongespräch mit ihrer Mutter, welches immer am Sonntag gegen Abend statt fand, schob sie sich eine Tiefkühlpizza in den Ofen und öffnete eine Flasche Chianti Classico.  Gedankenverloren stand sie in der Küche, schwenkte das Glas mit dem Wein in der Hand und wartete bis die Pizza die richtige Bräune erlangte. Sie zwang sich, nicht an Michael zu denken. Schon den ganzen Tag versuchte sie ihn aus ihrem Kopf und ihren Gedanken zu drängen. Es gelang ihr schon ein wenig besser, wie sie mit einer gewissen Genugtuung bemerkte. Sie schaute sich den Tatort an und ging danach ins Bett.

Um Punkt sechs Uhr morgens wurde sie von ihrem Wecker unsanft aus dem Schlaf gerissen. Schlaftrunken stand sie auf und ging unter die Dusche. Lange stand sie vor ihrem Kleiderschrank, um sich ein passendes Outfit auszusuchen. Sie entschied sich für einen schwarzen Hosenanzug und eine weisse Bluse – ein unspektakulärer Klassiker. Nach dem Espresso und einem Blick auf die Newsportale im Internet, verliess sie ihre Wohnung. Sie hatte rund fünfzehn Minuten zu Fuss bis zu ihrem Arbeitsplatz, was mitunter eine entscheidende Rolle bei der Stellenwahl gespielt hatte. Sie meldete sich am Empfang und ihr neuer Vorgesetzter holte sie mit einem sympathischen Lächeln im Gesicht ab. Sie haben sich beim Vorstellungsgespräch schon sehr gut verstanden und sie freute sich auf die Zusammenarbeit mit ihm. Er zeigte Monika ihr neues Büro. Nachdem sie ihre Tasche deponiert hatte, folgte sie ihm zu ihren neuen Mitarbeitenden, welche sich ein Grossraumbüro teilten. Nach der Vorstellungsrunde gingen sie weiter zur Abteilung 2, die für eine andere Region als Monikas Team zuständig war.

Als sie zum Büro des Abteilungsleiters geführt wurde, stockte ihr der Atem; ihr Herz setzte für einen kurzen Moment aus und das Blut rauschte in ihren Ohren. Vor ihr stand Michael, der sie mit einem leicht verrutschten Lächeln und mit grossen Augen ungläubig anstarrte.

Wie durch einen dichten Nebel hörte sie ihren Chef  sagen: „Michael, das ist Monika, welche die Abteilung 1 in Zukunft führen wird. Wie besprochen, wirst du für ihre reibungslose Einarbeit zuständig sein.“

Fortsetzung folgt, Kurzgeschichte

One-Night-Stand (Part 4 / Michael)


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Schlaftrunken tastete Michael auf die Seite seines Bettes, auf der er Monika vermutete. Seine Hand griff ins Leere. Fuck! Er richtete sich auf und starrte auf die zerknautschte Bettdecke. „Monika?“, hört er sich in die leere Wohnung rufen. Nichts. Kein Ton. Er legte sich wieder hin und packte das Kissen, auf welchem Monikas Kopf gelegen hat, und drückte es sich auf sein Gesicht. Er atmete tief ein und genoss den Duft, den sie hinterlassen hatte. Sie roch so gut. Gepackt von einer grossen Wut, weil sie einfach mir nichts dir nichts abgehauen ist, schleuderte Michael das Kissen an die gegenüberliegende Wand. Fluchend stand er auf, kickte das Kissen unter das Bett und ging ins Wohnzimmer. Seine Kleider lagen verstreut im Wohnzimmer herum. Ihre Sachen waren verschwunden. Er schaute sich um, ob sie irgendwo eine Nachricht hinterlassen hatte. Nichts. Rein gar nichts. Frustriert ging er ins Badezimmer und stellte sich unter die Dusche. Er musste sich wieder einkriegen.

Was hatte diese Frau an sich, dass sie ihm einfach nicht aus seinen Kopf ging? Schon nur die Erinnerung an die Nacht mit Monika liess ihn wieder erregt erschaudern. Was für eine Scheisse! Er müsste froh sein, dass sie ohne Theater gegangen war. Es gab Frauen, die brachte er nur mit dem Versprechen, dass er sich bei ihnen melden wird, aus seiner Wohnung. Gemeldet hatte er sich aber noch nie. Wieso auch? Er hatte ja schliesslich bekommen, was er wollte: heissen und bedeutungslosen Sex. Eine Beziehung kam für ihn nicht in Frage. Zu schnell langweilte er sich. Michael liebte seine Unabhängigkeit und sein Leben als ewiger Junggeselle. Seine Freunde in festen Beziehungen, machten auf ihn jedenfalls nicht den Eindruck, dass das eine erstrebenswerte Lebensform wäre.

Nach der Dusche fühlte er sich wieder wie ein Mensch. Die Erinnerungen an Monika liess er nicht mehr zu. Er musste noch Besorgungen tätigen, also zog er seine Jeans und ein weisses Hemd an. Nach dem obligaten Espresso verliess er seine Wohnung. Es war bereits elf Uhr und auf den Strassen tummelte sich das Volk. Als Michael bei der, um diese Zeit noch geschlossene, Wunder-Bar vorbei ging, blieb er stehen, schaute hinein und sah wieder Monika vor seinem geistigen Auge. Fuck! Fuck! Fuck! Sie soll endlich aus seinen Gedanken verschwinden! Eilig ging er weiter, um nicht nochmals an dieses wunderbare Geschöpf erinnert zu werden. Sie fühlte sich so verdammt gut an. Ihr Körper war einsame Klasse und ihre leidenschaftliche Hingabe verschlug ihm fast den Atem. Genug! Er musste sich wieder auf das Hier und Jetzt konzentrieren.

Unterwegs traf er auf einen alten Freund und dessen Ehefrau. Gerne wäre er mit ihm auf ein Bier in ein Pub in der Nähe gegangen. Aber dieser hatte keine Zeit und musste mir seiner Frau weiter ziehen. Als Michael alle Besorgungen für diesen Tag erledigt hatte, ging er zurück in seine Wohnung. Sie kam ihm leer und verlassen vor. Er dachte kurz daran, in die Wunder-Bar zu gehen. Vielleicht war ja Monika wieder dort. Er hasste den Duft seiner Verzweiflung. Also verbrachte er den ganzen Abend vor dem Fernseher.

Fortsetzung folgt! Stay tuned for more!

Fortsetzung folgt, Kurzgeschichte

One-Night-Stand (Part 3 / Monika)


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Beschwingt kam Monika in ihrer Wohnung an. Sie fühlte sich nach wie vor gut und ausgelassen, obschon sie nicht viel geschlafen hat letzte Nacht. Leichte Röte stieg ihr ins Gesicht, als sie sich in Michaels Bett zurück erinnerte. Sie ging in die Küche und schaltete die Kaffeemaschine ein. Es war halb sieben in der früh. Der knapp halbstündige Spaziergang von Michaels Wohnung zu ihr nach Hause in ihren High Heels hatte ihren Füssen zugesetzt. Sie zog die Schuhe aus und schleuderte sie in die nächstbeste Ecke. Sie nahm eine Tasse aus dem Schrank und füllte sie mit Kaffee, ging damit ins Wohnzimmer und liess sich auf ihrer Couch nieder. Ihre geschunden Füsse legte sie auf den Beistelltisch. Die Wohnung kam ihr leer und einsam vor. Es war ruhig. Keine Geräusche drangen von der Strasse her hoch. Der Tag hatte noch nicht richtig begonnen. Langsam aber sicher legte sich Müdigkeit über Monika. Nachdem sie den Kaffee getrunken hatte, ging sie ins Bad, schminkte sich ab und stieg nackt ins Bett. An ihrem Körper haftete der Geruch von Sex. Michaels Duft. Sie war noch nicht bereit, sich die vergangene Nacht wegzuduschen. Mit einem lächeln im Gesicht driftete sie langsam ab.

Gegen Mittag erwachte sie aus einem traumlosen Schlaf, streckte sich und ging unter die Dusche. Das warme Wasser fühlte sich gut auf ihrer Haut an. Sie hatte noch einige Besorgungen zu erledigen. Als sie nach dem Einkauf nach Hause kam, rief sie ihre Freundin Nicole an. Sie erzählte ihr nichts von Michael. Das würde Nicole nicht verstehen. Sie konnte es ja selber kaum verstehen, wie sie sich dermassen hatte hinreissen lassen können. Noch nie hatte sie sich einem Mann so bedingungslos, ja hemmungslos, hingegeben. Dann erst noch einem Mann, mit dem sie gerade mal dreissig Minuten gesprochen hatte. Als sie das bedeutungslose und unehrliche Gespräch beendet hatte, fühlte sich Monika traurig und alleine wie nie zuvor. Sie war geübt im Alleinsein und hatte im Normalfall keine Probleme damit. Heute war es anders. Immer wieder sah sie sich und Michael vor dem inneren Auge. Er hatte bei ihr etwas ausgelöst, was sie seit Jahren unterdrückt hat: Pure Leidenschaft.

Monika hat schon einige Beziehungen hinter sich gelassen. Alle verliefen nach dem selben Muster: Frau trifft Mann, Frau und Mann verlieben sich, Mann verlässt Frau. Es war nichts anderes als serielle Monogamie. Die Affären dauerten in der Regel nie länger als ein halbes Jahr. Dramen gab es nie. Wo keine Dramen, ist auch keine Leidenschaft.

Lange dachte sie darüber nach, ob sie sich in Schale werfen soll. Vielleicht war ja Michael wieder in der Wunder-Bar anzutreffen. Dieser Gedanke liess sie nicht mehr los. Vielleicht würde er sie ja gerne wieder sehen. Eine Stimme in ihrem Kopf lachte bei diesem Gedanken höhnisch auf. Ja genau! Ein Mann möchte nichts sehnlichster als den letzten One-Night-Stand wieder treffen. Es gibt schliesslich einen Grund für das „One“. Der Gestank ihrer Verzweiflung hätte Michael wahrscheinlich hundert Meter gegen den Wind riechen können.

Sie verbrachte den ganzen Samstagabend vor dem Fernseher.

Fortsetzung folgt…

Fortsetzung folgt, Kurzgeschichte

One-Night-Stand (Part 2 / Michael)


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Was für ein elender Scheisstag! Michael verliess frustriert und angepisst sein Büro. Es gab Tage, da hasste er seinen Job aus tiefster Seele. Wenigstens war Freitag. Zwar schon nach acht Uhr, aber was soll’s. Die kühle Brise tat ihm gut und sein Ärger verrauchte ein wenig als er zu Fuss nach Hause ging. Er wollte sich vor den Fernseher fläzen, sich mit Chips vollstopfen und dazu die eine oder andere Flasche Bier leeren. Himmel! Tönte das gut! Er passierte die Wunder-Bar, entdeckte eine attraktive Mittzwanzigerin am Tresen und bevor er sich versah sass er an einem Zweiertisch, nippte an einem Dry Martini und begutachtete die Fremde. Es war ihm egal, dass seine Abenteuerlust ihm einen Strich durch die Rechnung und seine Abendplanung machte.

Sie schien ebenfalls Interesse an ihm zu bekunden. Er bemerkte ihre taxierenden Blicke. Kurzerhand stand er auf, ging zur ihr an den Tresen und lud sie zu einem Drink ein. Seinen Plan, dieses hübsche Ding in sein Bett zu kriegen, ging zu seiner Zufriedenheit voll und ganz auf. Sie biss schneller an, als dass er bis auf drei zählen konnte. Strike!

Sie stellte sich als Monika vor. Viel mehr musste er nicht von ihr wissen. Eigentlich war in seinen Augen der Name schon zu viel an Information. Er wollte keine Zeit verlieren und sie mit nach Hause nehmen. Ganz einfach. Das, was er mit ihr vorhatte, würde ihn für den beschissenen Tag hoffentlich entschädigen. Monika war ganz nach seinem Geschmack: Ihre Figur konnte sich sehen lassen, sie war keck und flirtete mit ihm was das Zeug hält. Er fand schlichtweg, dass Ihre vollen Lippen zum Blasen gemacht waren. Sein Hirn lief im Stand-by-Modus, als er sie fragte, ob sie mit ihm nach Hause käme. Kaum ausgesprochen, hätte er sich am liebsten auf die Zunge gebissen. Zu schnell, zu plump. Umso mehr war er freudig erregt, als sie einfach zusagte. Was war er für ein Glückspilz! Michael konnte es kaum fassen. Sie schien eigentlich nicht der Typ Frau zu sein, die sich mir nichts dir nichts mit einem praktisch Fremden einlässt. Die Röte, die sich auf ihrem Gesicht ausbreite, signalisierte ihm, dass sie über ihre spontane Einwilligung ebenfalls überrascht war. Zu seinem Vorteil, stand sie anscheinend auf ältere Semester. Nicht, dass er sich mit 43 Jahren alt fühlte. Er war gut in Form und was er im Spiegel sah, gefiel ihm immer noch sehr gut. Dennoch war sie seiner Schätzung nach gute 15 Jahre jünger als er.

Seine Wohnung war nicht weit von der Wunder-Bar entfernt, worüber er an diesem Abend sehr froh war. Sie durfte es sich um Himmels willen nicht anders überlegen! Er führte Monika in seine Wohnung und konnte es kaum erwarten, mit dieser Frau im Bett oder wo auch immer zu landen. Lange musste er sich auch nicht gedulden. Kaum wurde die Türe hinter ihnen geschlossen, gab es für beide kein Halten mehr.

Ja, es geht mit der Geschichte weiter! Lass dich überraschen!